Thüringen: Abschuss wildernder Hunde und Katzen soll erschwert werden

Abschussplan für Rehwild entfällt, Abschaffung der Güteklassen bei Rot-, Dam- und Muffelwild, Schalldämpfer freigegeben

In Thüringen sind erste Details des überarbeiteten Landesjagdgesetzes bekannt geworden, das Landwirtschaftsministerin Birgit Keller (Die Linke) am morgigen Donnerstag vorstellen will. Wie der MDR Thüringen berichtet, soll der Abschuss wildernder Hunde und Katzen erschwert werden. So soll der Abschuss wildernder Hunde künftig nur noch dann gestattet sein, wenn dieser zuvor bei der zuständigen Jagdbehörde beantragt wurde. Voraussetzung für die Genehmigung soll dem MDR zufolge sein, dass der entsprechende Hund bereits mehrfach aufgefallen ist. Durften streunende Katzen bisher schon erlegt werden, wenn sie weiter als 200 Meter von der Siedlungsgrenze entfernt angetroffen wurden, so soll dieser Mindestabstand auf 400 Meter verdoppelt werden. Auch soll der Abschuss dann nicht erlaubt sein, wenn Verwechslungsgefahr mit einer Wildkatze besteht.

Keine Pflichtmitgliedschaft in der Hegegemeinschaft

Des weiteren soll der Abschussplan für Rehwild entfallen, Jäger dürfen demnach so viele Rehe in ihrem Revier schießen, wie sie wollen / können. Bei der Bewirtschaftung von Rot-, Dam- und Muffelwild entfallen die Güteklassen. Dies führe dazu, so der MDR, dass dann auch “gut entwickelte jüngere Hirsche und Widder geschossen werden dürfen.” Wie sich dies auf die Altersstruktur der Bestände auswirken wird, bleibt abzuwarten.

Auch die Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft in Hegegemeinschaften dürfte als zwiespältig bewertet werden, ermöglichten die Hegegemeinschaften doch eine Bewirtschaftung großräumig agierender Schalenwildbestände über die oftmals allzu engen Reviergrenzen hinaus. Der MDR sieht die Gefahr, dass “einige Jäger zu Beginn der Jagdsaison ihr Revier “leer” schießen, um möglichst viel Beute zu machen” während Nachbarreviere “trotz hoher Pacht leer ausgehen” könnten.

Der Erlaubnis, Schalldämpfer auf Jagdwaffen verwenden zu dürfen, stehen weitreichende Einschränkungen für Jagd und Jäger entgegen: So sollen Jagdzeiten künftig auf dem Verordnungsweg festgelegt werden können, was es zum Beispiel ermöglicht, ohne Beteiligung des Gesetzgebers ganzjährige Schonzeiten festzulegen. Der Landesforstbetrieb ThüringenForst, der sich bislang selbst beaufsichtigte, soll künftig auch von den Unteren Jagdbehörden überwacht werden. SE

Beitragsbild: Mehr Tierschutz? Das werden nicht alle so sehen – von Hund gewildertes Reh… Foto: SE

2 Gedanken zu „Thüringen: Abschuss wildernder Hunde und Katzen soll erschwert werden

  1. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Wieder möchte eine Ministerin, die volkstümlich ausgedrückt von Tuten und Blasen keine Ahnung hat, in einem Bundesland das Jagdgesetz ändern, wobei sie den ideologischen Tierschutz und rabiate Wald-vor-Wild-Protagonisten als Berater nutzt. Der Reihe nach:
    Jagdschutz – Abschuss wildernder Hunde und streunender Katzen – mal anders. Man muss einen Hund immer zweifelsfrei wiedererkennen, ihn mehrfach beim Wildern erwischt haben, dann einen Antrag auf Abschussgenehmigung stellen und ihn schließlich erneut in flagranti erwischen, bevor man eingreifen kann. Ja geht´s denn noch? Vergrößert man den Radius um einen Kreismittelpunkt von 200 auf 400 Meter dann steigt die entsprechende Fläche von 12,5 Hektar auf 50 Hektar. Je nach Größe eines Dorfes kann man sich ausrechnen, wie enorm das Katzenschongebiet anwächst und wie vielen Tausend Vögeln und Kleinsäugern das das Leben kostet. Wie soll man, im Zweifelsfall der Jagdbehörde, glaubhaft machen, dass keine Verwechslungsgefahr mit einer Wildkatze vorlag? Absoluter Irrsinn im Zeichen falsch verstandener Tierliebe der urbanisierten Bevölkerung!
    Eine Pflichtmitgliedschaft in einer Hegegemeinschaft (HG) ist nur dann sinnvoll, wenn dadurch gesichert wird, dass die Abschusspläne a l l e r Reviere über den Tisch der HG gehen. Es geht aber auch anders. Brandenburg kennt keine Pflichtmitgliedschaft, dennoch werden die Pläne a l l e r Reviere im Wirkungsbereich der HG unabhängig von deren Mitgliedschaft von der HG bearbeitet bzw. berücksichtigt.
    Ein behördlich bestätigter Abschussplan für Rehwild kann durchaus wegfallen, wenn trotz offener Abschusshöhe gewisse Richtlinien im Abschuss eingehalten werden: 60% jung (Kitze, Jährlinge, Schmalrehe) und 40 % alt (Böcke und Ricken) sowie 60% weiblich und 40% männlich. In Brandenburg ist das nicht der Fall. Was die Oberschlauen aber nicht berücksichtigen: man kann dann auch, wenn man extremer Liebhaber des Rehwildes ist, die Jagd auf Rehe schlicht einstellen! Es fragt sich, ob die Jagdrechtsinhaber in Thüringen sich eine solche Entmündigung und Teilenteignung gefallen lassen. In Brandenburg hat sich m. W. bisher nicht ein Jagdgenosse in dieser Hinsicht gerührt.
    Die Abschaffung der Güteklassen war längst überfällig. Mit qualifiziertem Abschussplan muss man aus genetischer den Abschuss gut entwickelten männlichen Jungwildes nicht kritisch sehen, wenn man sich an die Zahlen im Plan hält.
    Wenn Jagdzeiten auf dem Verordnungsweg festgesetzt werden können, ist der staatlichen (rot-grün-linken) Willkür Tür und Tor geöffnet. Sollte das so kommen, ist der LJV Thüringen gut beraten, dagegen zu klagen.
    Längst überfällig ist auch, die Selbst(nicht)kontrolle des Landesforstbetriebs zu beenden und ihn wie üblich dem Wirken der Unteren Jagdbehörden zu unterstellen.

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  2. Joachim Orbach

    “Als ich jung war, glaubte ich, ein Politiker müsse intelligent sein. Jetzt weiß ich, dass Intelligenz wenigstens nicht schadet.” Sagen diese Worte von dem Völkerrechtler und einer der Väter des Grundgesetzes Prof. Dr. Carlo Schmid ( SPD ) nicht so einiges über Politiker aus? Trifft dieses nicht auch für ein Bundesland ( wie z.B. NRW ) deutlich zu, wenn es ein teilweise verfassungswidriges, eigentumsschädliches und ideologisch geprätes Landesjagdgesetz hat. Hierzu Prof. Dr. Friedhelm Farthmann in der FAZ ( SPD u. ehem. Minister in NRW ) : ” Das neue Landesjagdgesetz ist das schlechteste Gesetz, das den NRW – Landtag je verlassen.” Ich kann daher Herrn Prof. Dr. Pfannenstiel nur zustimmen, wenn er der Meinung ist: ” Wieder möchte eine Ministerin, die volkstümlich ausgedrückt von Tuten und Blasen keine Ahnung hat, in einem Bundesland das Jagdgesetz ändern, wobei sie den ideologischen Tierschutz und rabiate Wald-vor-Wild-Protagonisten als Berater nutzt.” Jäger, Grundeigentümer und alle Landnutzer sollten sich frühzeitig gegen derartige Gesetze wehren und entsprechende sachliche Öffenlichkeitsarbeit betreiben. Wir dürfen die Deutungshoheit über die Jagd und die Natur nicht dem ideologischen Tierschutz und den Wald-vor-Wild-Protagonisten überlassen. Mit SACHLICHER Öffentlichkeitsarbeit fängt man aber rechtzeitig an und nicht wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist! Und hierzu kann jeder seinen Beitrag leisten, wie z.B. Kommentare ( Jagdblogs ) oder Leserbriefe ( Tageszeitungen )…………… Auch sollte man entsprechende Ansprüche an seinen Verband / Verbände stellen. Politiker/ Parteien die einen derartigen Unsinn nicht unterstützen sollte man auch ansprechen.

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