Schlagwort-Archive: Wildschaden

NRW: Gericht ordnet “Entfernung” der Bielefelder Muffelherde an

Das nordrhein-westfälische Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster hat die “komplette Bielefelder Muffelwild-Herde zum Tode verurteilt”, schreibt die Neue Westfälische (NW) und bringt den Sachverhalt damit durchaus treffend auf den Punkt: Weil die Wildschäden unzumutbar seien, die die gerade einmal 12-köpfige Herde reinrassiger Mufflons in den Wäldern des Klägers, der Johannes Klasing’schen Familienstiftung, anrichte, muss die Stadt Bielefeld über den Antrag auf Ab­schuss der Muffelwildherde neu entscheiden. Und dies, obwohl sich die anderen betroffenen Waldbesitzer wie auch die Stadt Bielefeld “bis zuletzt vehement für die kleine Herde der reinrassigen Tiere eingesetzt” hatten, wie die NW berichtet. Bei der Johannes Klasing’schen Familienstiftung handelt es sich übrigens um eine nicht gemeinnützige Familienstiftung, deren Stiftungszweck eine Informationsseite des NRW-Innenministeriums mit “Unterstützung der eigenen Familie” angibt. Dieser Aufstellung der Detmolder Bezirksregierung nach geht es konkret um die “Gewährung von Unterrichtsgeldern, Aussteuern, Renten an ledig bleibende Töchter”.

Einem Gutachten erleidet diese Stiftung Wildschäden in Höhe von 5000 Euro pro Jahr durch die 12 Mufflons , was die Stadt und die anderen Waldbesitzer laut NW bezweifeln. Zudem setzten diese auch den Artenschutz höher an – was etwa vor dem Hintergrund der vergleichsweise exorbitanten Kosten durch Wolfsrisse, die mit der Begründung Artenschutz bedenkenlos dem Steuerzahler aufgebürdet werden, nur allzu verständlich erscheint.

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Mecklenburg-Vorpommern: “Wildwirkungsmonitoring aus Grundlage von Tatsachen, Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen”

Streit um Rotwildbejagung setzt sich fort – Zoff zwischen SPD-Politikern Backhaus und Heydorn

Nachdem sich der Mecklenburger SPD-Landtagsabgeordnete Jörg Heydorn, der auch Verwaltungsratsmitglied ist, auf die Seite der Öko-Förster geschlagen hat und seinen Parteikollegen, den Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus öffentlich attackierte, sieht sich das Landwirtschaftsministerium veranlasst, eine Stellungnahme zu veröffentlichen. Bei dem Streit geht es um die Wildbewirtschaftung im MV-Landeswald, insbesondere um die Rotwildbestände in der Hegegemeinschaft Schuenhagen-Franzburg (HG). Das Forstamt Schuenhagen hatte wegen angeblich überhöhter Rotwildbestände und untragbarer Wildschäden zusätzlich Abschüsse in der Schonzeit beantragt. Bei einer Ortsbegehung der vorgeblich geschädigten Wälder ließ sich dann jedoch keine Schädigung belegen (JAWINA berichtete). Dennoch warnt der SPD-Abgeordnete Heydorn in einem Brief vor Waldschäden. “Immer mehr Rotwild in Forstamtsbereichen wie Schuenhagen-Franzburg oder in der Nossentiner Heide mache dem Forst durch Verbiss und durch das Abfressen von Baum-Rinde – sogenanntes Schälen – zu schaffen, so Heydorn einem NDR-Beitrag zufolge. Heydorn kritisiert, dass Backhaus die bereits erteilte Abschussgenehmigung kassiert hat. Es sei ihm schleierhaft, welche Gründe dazu geführt haben. Dass die behaupteten Wildschäden nicht nachzuweisen waren und die Genehmigung folglich aufgrund falscher Tatsachenbehauptungen erteilt wurde, ficht den SPD-Abgeordneten, der selbst Jäger ist, offenbar nicht an.

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Mecklenburg-Vorpommern: Ortstermin zur Bejagung von Rotwild in der Schonzeit

Keine Verbissschäden, kein Gutachten, Wald “voll intakt und vollkommen ungefährdet”

Nach Beantragung durch das Forstamt (FA) Schuenhagen, dessen Amtsleiter, und den ergangenen Bescheid des Landkreises (LK) Vorpommern-Rügen vom 12.04.2019 bzw. der Obersten Jagdbehörde (OJB) Mecklenburg-Vorpommern (M-V) vom 23.04.2019 zur Erlaubnis der Bejagung von Rotwild in der Schonzeit hatte die zuständige Hegegemeinschaft (HG) Hochwild Schuenhagen-Franzburg umgehend einen Ortstermin auf den betroffenen Flächen vorgeschlagen und erbeten. Dieser wurde von Behördenseite abgelehnt. Erst nach der Zurücknahme der Erlaubnis und durch Anordnung von Minister Dr. Backhaus zeigte sich die Landesforstanstalt zögerlich zu einem Ortstermin bereit. Die Rotwildfreigabe in der Schonzeit hatte bereits zuvor Minister Dr. Backhaus einkassiert (JAWINA berichtete).

Am 10.05. konnten sich der Vorstand der Landesforst und die HG in Schuenhagen auf eine Begehung der vorgegebenen Schadflächen verständigen. Hierzu hatte die HG unabhängige Sachverständige mit eingeladen.

Im Antrag des Amtsleiters des Forstamtes Schuenhagen waren Schadflächen mit 54 bis 60% Verbiss „nachweislich“ angegeben und ein Gutachten gemäß Verbissinventurverfahren benannt. Diese waren dann ursächlich für die Begründung der Erlaubnis der Schonzeit-Bejagung durch die Behörden.

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Mecklenburg-Vorpommern: Landkreis genehmigt die Bejagung von Rotwild in der Schonzeit

Der Landkreis Vorpommern-Rügen hat auf Antrag des Forstamtes (FA) Schuenhagen für dieses den Abschuss von Rotwild in der Schonzeit im Landeswald genehmigt. Damit soll auf angeblich hohe Wildtierkonzentrationen und Verbiss reagiert werden.

Rotwild hat in Mecklenburg-Vorpommern derzeit Schonzeit. Diese beginnt am 01.02. und endet zuerst für einjährige Stücke am 31.05. und für Muttertiere (Alttiere) mit ihren Kälbern am 31.07. Wildbiologisch absolut sinnvoll, in dieser Zeit sollen die Alttiere in ihrem heimlichen Verhalten und an den von ihnen ausgewählten Orten zum Setzen der Kälber nicht gestört werden. Eine Bejagung in der Schonzeit hat schwerwiegende Folgen für den Verband der Rotwildfamilie, kritisiert die Hegegemeinschaft Hochwild Schuenhagen – Franzburg (HG). Diese Feststellung wird durch die wildbiologische Forschung unterstützt.

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Niedersachsen: Jagdstörer versuchen Wolfsabschuss zu verhindern – Betretungsverbot für Wald verhängt

+++ Mecklenburg-Vorpommern: 17 Nandus abgeschossen, 40 bis 50 sollen noch erlegt werden  +++

In Niedersachsen versuchen Wolfsfreunde, den behördlich genehmigten Abschuss des “Problemwolfs” GW717m zu sabotieren. Dem Leitwolf des Rodelander Rudels wird eine Vielzahl von Nutztierrissen zur Last gelegt, unter den Beutetieren befinden sich auch Pferde, Rinder und Alpakas. Gegen die bereits mehrfach verlängerte Abschussgenehmigung haben Wolfsfreunde erfolglos geklagt, jetzt versuchen Aktivisten, durch nächtliche Jagdstörungen die Entnahme des Wolfs zu verhindern. Damit verhindern sie jedoch auch, dass Wildschweine effektiv bejagt werden, die auf Wiesen und Äckern derzeit massive Schäden anrichten, wie der Kreislandwirt des Kreises Nienburg/Weser gegenüber dem NDR beklagt. Deshalb hat die Jagdgenossenschaft Sonnenborstel der Gemeinde Steimbke nun ein Betretungsverbot für die betroffenen Waldflächen der Gemeinde verhängt. Es gilt zunächst für eine Woche in der Zeit von 18 bis 8 Uhr.

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Niedersachsen: Projekt zur Schätzung von Frassschäden durch Wildgänse vorgestellt

NLWKN und Landwirtschaftskammer stellen im Rheiderland erste Ergebnisse vor  

Durchziehende Wildgänse führen im nördlichen Niedersachsen zu Fraßschäden auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. Auf einer Informationsveranstaltung in Jemgum stellten der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und die Landwirtschaftskammer Niedersachsen am Dienstag ein aktuelles Projekt vor, das in der Modellregion Rheiderland ein System zur einfachen Schätzung von Ertragseinbußen auf Grünland in Vogelschutzgebieten entwickelt hat.

Im Rheiderland liegen große Teile der landwirtschaftlich genutzten Flächen innerhalb des EU-Vogelschutzgebietes 06 Rheiderland. „Eine Vergrämung der regelmäßig rastenden, teils streng geschützten Arten ist hier aufgrund der geltenden Schutzbestimmungen ausgeschlossen”, erklärt Walter Schadt, Aufgabenbereichsleiter für Naturschutzprojekte und Flächenmanagement in der zuständigen NLWKN-Dienststelle Brake-Oldenburg. Vor allem Weißwangengänse und Blessgänse rasten im Winter regelmäßig in der Region. Sie sorgen bei ihrem Aufenthalt immer wieder für Schäden auf Äckern und Grünland.

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Brandenburg: Selbstgenehmigender Antrag auf Schonzeitaufhebung für Rehböcke

+++ Norwegen: Wolfsdemos mobilisieren Tausende +++ Niedersachsen: Grüne wollen Wölfe vor Wildunfällen schützen +++ Mecklenburg-Vorpommern: Backhaus warnt vor illegalen Wolfsabschüssen +++ Sachsen: Wolf bei Oschatz gesichtet +++ Bayern: Bauern und Naturschützer kritisieren Aktionsplan Wolf +++

Mitte 2018 wurden Oberste Jagdbehörde (OJB) und Landesforst (LFB) im Brandenburger Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft (MLUL) zusammengelegt (JAWINA berichtete). Damals befürchteten Kritiker, dass damit “der Bock zum Gärtner” gemacht und einer rücksichtslosen Wald-vor-Wild-Politik der Weg geebnet werde – sie sollten Recht behalten, wie von der OJB dem LFB genehmigte Schonzeitaufhebungen für Rehböcke im Januar zeigen.

Mit einem Bescheid vom 21.12. 2018 gibt die OJB dem Antrag einer Brandenburger Oberförsterei auf Schonzeitaufhebung für Rehböcke auf Drückjagden im Januar statt. Nach bislang unbestätigten Informationen von JAWINA sollen sämtliche Brandenburger Oberförstereien von der OJB unter Androhung von Konsequenzen gedrängt worden sein, gleichlautende Anträge zu stellen. Die angeführten Begründungen für die Genehmigung lassen aufhorchen.

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Warnschüsse und Geschrei: Übergriffige Wölfe erzwingen Änderung der Jagdstrategie

Bedenkliche Entwicklung: Auf Bewegungsjagden in Brandenburg kommen Wölfe den Stöberhunden bedrohlich nahe und lassen sich weder durch Geschrei und Händeklatschen, ja nicht einmal durch Warnschüsse vertreiben.

Auf einer Drückjagd, die am 25.10. auf Flächen des Stifts Neuzelle (Landkreis Oder-Spree) stattfand, spielten sich Szenen ab, die jedem Hundeführer nachdenklich stimmen werden: Mehrfach hetzten Wölfe die eingesetzten Stöberhunde, in einem Fall verfolgten vier Wölfe einen Hund und kamen diesem dabei bedrohlich nahe. Vier weitere Fälle wurden beobachtet, in denen Einzelwölfe einen Jagdhund verfolgten. Mindestens sieben, möglicherweise elf Wölfe wurden in dem ca. 1.600 ha großen Revier an dem Tag gesichtet. Mit Schreien und In-die-Hände-klatschen versuchten die durchgehenden Hundeführer und Jagdgäste die Wölfe zu vertreiben, zwei Mal mussten gar Warnschüsse in die Luft abgegeben werden – ohne großen Erfolg. “Um Konflikte zu vermeiden haben wir die Hundeführer telefonisch gebeten, ihre Hunde nach Möglichkeit an die Leine zu nehmen”, berichtet der Forstbetriebsleiter Boris Schnittker auf Anfrage von JAWINA.

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“Im Sachsenforst greift der Wildtierhass von ÖJV und ANW um sich”

Unbeirrt von wissenschaftlicher Kritik, die dem Sachsenforst “keinesfalls zu viel Rotwild, aber falsche Bejagung” attestierte und vor einer Ausrottung des Rotwilds warnt, setzt der Staatsbetrieb weiterhin auf eine Jagdstrategie, die sich mit wenigen Worten umschreiben lässt: Totschießen, was geht. Einer ahnungslosen Politik wird die der Ertragssteigerung dienende rücksichtslose Schädlingsbekämpfung als angebliche Notwendigkeit im Zuge des “ökologischen Waldumbaus” verkauft. Wir haben mit Karsten Bergner gesprochen, Vorsitzender der Hegegemeinschaft Erzgebirge und profiliertester Kritiker des Staatsbetriebs Sachsenforst (SBS).

JAWINA: Herr Bergner, Sie kritisieren die sächsische Landesforst für deren Bejagungsstrategie – was werfen Sie dem Forst konkret vor?

Es geht in erster Linie darum, dass Sachsenforst weniger eine Bejagungs- als vielmehr eine „Hau- drauf- Strategie“ verfolgt. Er handelt nicht auf dem aktuellen Stand der ökologischen und wildbiologischen Erkenntnisse. Ein Grundbesitzer hat kein Recht, “Bewirtschaftungshindernisse” auf Kosten der Allgemeinheit zu entfernen. In dem Sinn kann der SBS nicht einfach sagen, Wirtschaften ohne Pflanzenfresser geht leichter (glauben wir) und deshalb beseitigen wir die erst mal. Das ist nicht zulässig und es ist auch nicht sinnvoll. Artgerechte und dem Lebensraum angepasste (nicht einem betriebswirtschaftlichem Ziel angepasste) Wilddichten stehen einer ordnungsgemäßen Waldwirtschaft, dem Artenreichtum von Sachsens Wäldern nicht entgegen. Man muss sein Handwerk eben beherrschen und Wildtiere artgerecht lenken und steuern. Beispiele, dass das geht, gibt es zu Hauf- auch aus dem SBS! Hier sei nur Berufsjäger Friedrich genannt, der mit vernünftigen Strategien die Wildschäden im Revier Steinbach innerhalb von zwei Jahren auf ein absolut akzeptables Maß senkte. Herr Friedrich kam auch zu der Überzeugung, dass 75% der Wildschäden des SBS hausgemacht sind – ein Umstand, der dazu führte, dass Herr Friedrich heute kein Angestellter des Staatsbetrieb Sachsenforst mehr ist. Bereits Cäsar hatte ja schon die Angewohnheit, die Überbringer schlechter Botschaften zu töten…

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Schweiz: Jäger im Kanton Baselland fordern Nachtzielgeräte für die Waldjagd

Im Schweizer Kanton Baselland herrscht eine ziemlich spezielle Rechtslage, was den Einsatz von Nachtzielgeräten (NZG) für die Schwarzwildbejagung angeht: Schon vor einigen Jahren hat der Kanton acht NZG angeschafft, die er mittels Ausnahmebewilligung an Jäger ausleiht (!), wie die Basellandschaftliche Zeitung (BZ) berichtet. Seit Oktober 2017 dürfen sich Jäger in dem Kanton NZG auch persönlich anschaffen – allerdings nur für die Jagd auf dem Feld, das Verbot, NZG im Wald einzusetzen blieb bestehen, so die BZ. Auf die rechtliche Situation haben sich mittlerweile anscheinend auch die Sauen eingestellt: Sie kommen, so klagt ein Jäger, mitunter über Wochen nicht aus dem Wald, weil sie wüssten, dass ihnen draußen Gefahr droht. Über 80 Prozent der Schwarzwildabschüsse im Kanton Baselland wurden im Feld durchgeführt. Im Jahresbericht des kantonalen Jagdverbands Jagd Baselland beklagen die Jäger nun, dass für “eine effiziente Bejagung in der Nacht im Wald die notwendigen Bewilligungen zum Einsatz von Nachtzielgeräten” fehlen würden.

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