Schlagwort-Archive: Tuwa

Russland: Fake News – Bär soll Mann wochenlang gefangen gehalten haben

Ein Braunbär soll einem Mann in der zur russischen Föderation gehörenden autonomen Republik Tuwa die Wirbelsäule gebrochen und das bewegungsunfähige Opfer wochenlang als Vorrat in seiner Höhle gefangen gehalten haben. Das berichtet die Siberian Times unter Berufung auf die russische Tageszeitung Izvestia und die Nachrichtenagentur EADaily. Auf der verlinkten Internetseite der Siberian Times sind Fotos des übel zugerichteten angeblichen Bärenopfers zu sehen. Dem Bericht zufolge soll eine Gruppe von Jägern den kaum noch lebenden Mann gefunden haben, weil ihre Hunde vor der Höhle stehen blieben, Laut gaben und sich weigerten, weiterzuziehen. Das Bärenopfer sei ungefähr einen Monat in der Höhle gewesen, heißt es. In einem Video soll zu sehen sein, wie er im Krankenhaus die Augen öffnet und seinen Vornamen Alexander nennt. An sein Alter und den Nachnamen könne er sich nicht erinnern. Schöne Geschichte – nur stimmt sie nicht.

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Um ihrer Großmutter zu helfen: Vierjährige läuft kilometerweit durch Sibirien

Die vierjährige Saglana Salchak ist acht Kilometer weit durch die sibirische Taiga gelaufen, um Hilfe für ihre Großmutter zu holen – in einer Gegend, in der Wolfsrudel regelmäßig das Vieh reißen und in der es derzeit noch bis zu 34 Grad Kälte gibt. Das Mädchen lebte mit seinen Großeltern auf einer entlegenen Farm in der russischen Tuwa-Region nahe der mongolischen Grenze. Als die Großmutter sich eines Morgens nicht mehr bewegte, zog Saglana nach Absprache mit ihrem blinden Großvater los, um die Nachbarn zu verständigen. Sie nahm nur ein Paket Streichhölzer mit, um im Notfall Feuer machen zu können. Der Guardian erzählt diese bewegende Geschichte, die FAZ bringt die deutsche Version davon. Fast hätte das Mädchen demnach die Nachbarn noch verfehlt. Die alarmierten Rettungskräfte kümmerten sich erst um das Mädchen, die die Reise aber abgesehen von einer leichten Unterkühlung gut überstanden hat. Für die Großmutter kam jede Hilfe zu spät, sie war an einem Herzinfarkt verstorben. Gegen die Mutter des Mädchens wurde wegen Vernachlässigung ihrer elterlichen Pflichten ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Sie hätte wissen müssen, das ihre betagten Eltern die Sicherheit des Kindes nicht gewährleisten könnten. SE

Beitragsbild: Headline des verlinkten Beitrags im Guardian. (Bildschirmfoto, Ausschnitt).

Der Geist des Altai

Galsan Tschinags tuwinische Geschichten

Dass es Galsan Tschinag und seine Bücher überhaupt gibt, ist fast schon ein kleines Wunder. Anfang der Vierziger Jahre wurde er im Altai-Gebirge geboren. Er gehört zum Stamm der Tuwa oder Tuwiner, deren Oberhaupt er heute ist. Tuwa, eine autonome Republik und Teil der Russischen Föderation, liegt im südlichsten Zipfel Sibiriens an der Grenze zur Mongolei. Der tuwinischen Tradition gemäß wuchs Galsan Tschinag als Nomade auf, zog mit dem Vieh von der Sommer- auf die Winterweide, ritt auf den kleinen, harten, zähen Pferden zur Jagd, lauschte abends in der Jurte den Gesängen der Schamanin. Aus dieser unendlich fernen und fremden Welt berichtet er – und das faszinierenderweise auf deutsch. So erhalten seine deutschsprachigen Leser eine eindringliche Schilderung des archaischen Lebens der Tuwiner aus erster Hand – und zugleich eine ziemlich präzise Vorstellung von der Härte einer wirklich “naturnahen” Existenz.

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