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Mein Freund, der Fuchs

Ich kenne einen erfolgreichen Schwarz- und Rehwildjäger, der keine Füchse schießen kann. Er sagt, die seien seinen Hunden – er hat sieben Terrier – zu ähnlich. Der Mann muss es wissen: Er ist Tierarzt, und seine Nachbarn und deren Kinder haben ihm immer alles gebracht, was lahm, krank, angefahren oder sonstwie nicht fit genug war, um schnell genug der menschlichen Fürsorge zu entfliehen: Igel, Tauben, Krähen, Greifvögel (Falkner ist er auch) und eben auch den einen oder anderen Fuchs. Er hat alle diese Viecher verarztet, aufgepäppelt (notfalls auch eingeschläfert) und möglichst wieder ausgewildert. Bei dem einen Jungfuchs, den ein Nachbar leicht verwundet in seinem Garten aufgelesen hatte, gestaltete sich die Auswilderung indes schwierig, weil der Fuchs schnell zahm wurde. Es gibt herrliche Fotos, wie der Fuchs mit den Terriern auf der Wohnzimmercouch herumlümmelt, zusammengerollt auf dem Schoß seines Pflegers ratzt oder die Erdbeerbeete im Garten plündert. Aber der Fuchs wurde größer, unternahm immer längere Ausflüge, blieb das erste Mal und dann immer öfter über Nacht weg und war schließlich erst Tage, dann Wochen am Stück unterwegs. Er schaute aber immer wieder bei seinen zwei- und vierbeinigen Freunden vorbei. Jahr für Jahr, bis er irgendwann für immer ausblieb.

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