Schlagwort-Archive: Schutzstatus

EuGH: Wolf auch in menschlichen Siedlungen streng geschützt

+++ Mecklenburg-Vorpommern: Amtlich bestätigt – Wolf tötet komplette Schafherde +++ 

Der in der Habitatrichtlinie vorgesehene strenge Schutz bestimmter geschützter Tierarten erstreckt sich auch auf Exemplare, die ihren natürlichen Lebensraum verlassen und in menschlichen Siedlungsgebieten auftauchen. Daher können der Fang und der Transport eines in einem Dorf angetroffenen Wolfs nur gerechtfertigt sein, wenn sie unter eine von der zuständigen nationalen Behörde gewährte Ausnahme fallen.

In seinem Urteil Alianța pentru combaterea abuzurilor (C-88/19) vom 11. Juni 2020 hat sich der Gerichtshof zum räumlichen Anwendungsbereich des strengen Schutzsystems für bestimmte Tierarten geäußert, das Art.12 Abs.1 der Richtlinie 92/43 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen1(im Folgenden: Habitatrichtlinie) vorsieht. Dabei hat der Gerichtshof bestätigt, dass dieses strenge Schutzsystem für die in AnhangIV Buchst. a der Richtlinie genannten Arten, darunter den Wolf, auch für Exemplare gilt, die ihren natürlichen Lebensraum verlassen und in menschlichen Siedlungsgebieten auftauchen.

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Österreich: Neue Studie zur Rückkehr des Wolfs in den Alpenraum

Wildtierbiologe spricht sich für Management aus – Herabstufung des Status in der FFH Richtlinie angestrebt

Durchziehende Wölfe in Salzburg, Rudel in anderen Bundesländern und zahlreiche Risse von Nutztieren in den vergangenen Jahren sorgen für Verunsicherung, vor allem in der Almwirtschaft, sowie für emotionale Diskussionen quer durch alle Gesellschaftsschichten. Auf Initiative des Salzburger Landesrats Josef Schwaiger hat Klaus Hackländer von der Universität für Bodenkultur Wien ein Gutachten über die Auswirkungen der Rückkehr dieses Beutegreifers erstellt. Darin spricht sich der Wildtierbiologe für ein Wolfs-Management aus.

Das Ziel ist für Landesrat Josef Schwaiger klar: „Die traditionelle, alpenländische Landwirtschaft muss auch künftig ohne aufwendige Begleitmaßnahmen möglich sein. Zudem muss die Artenvielfalt erhalten bleiben und übermäßige Wildschäden, vor allem in Schutzwäldern, verhindert werden. Dafür sind derzeit die Gesetzte der EU ungeeignet. Wie müssen uns daher um eine Änderung des Schutzstatus des Wolfs bemühen. Wenn sich diese in großer Zahl bei uns ansiedeln, wird sich das Gesicht unseres ganzen Landes ändern.“

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Bayern: Landwirtschaftsministerin Kaniber fordert Neubewertung des Schutzstatus von Wölfen

Die Weidewirtschaft gerade im Alpenraum hat eine herausragende Bedeutung für den Erhalt der Kulturlandschaft und der Biodiversität. Zudem ist die Weidetierhaltung besonders tierwohlgerecht. Diese Errungenschaften sind aber durch die Zuwanderung von Wölfen massiv bedroht, erklärte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) anlässlich der diesjährigen Hauptalmbegehung in Mittenwald.

Eine Warnung seien die Zustände in den Gebieten Deutschlands, in denen Wölfe schon in immer größerer Zahl auftreten. Dort würden Schäfer und Bauern bei ihren Versuchen, ihre Tiere zu schützen, vor große Herausforderungen gestellt. Kaniber fordert deshalb, eine erneute Diskussion um den Schutzstatus des Wolfs. Sie hat konkrete Erwartungen an Berlin und Brüssel. „Unser bayerischer ‚Aktionsplan Wolf‘ kann nicht der Schlusspunkt sein. Wir brauchen europaweit eine Neubewertung des Themas, deshalb sind Bundesregierung und die neue EU-Kommission gefordert.“

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Sachsen-Anhalt: Abstimmung zum Wolf – jagen oder nicht?

Auf MDR Sachsen-Anhalt findet eine Umfrage zum Thema “Wie soll Sachsen-Anhalt mit dem Wolf umgehen?” statt. Zur Auswahl stehen die Antworten:  Der Wolf muss konsequent geschützt werden!, Der Wolf darf gejagt werden! und: Ich bin mir unschlüssig. Zum Zeitpunkt, da dieser Artikel erstellt wurde (29.04., 19.32 Uhr) liegen die Befürworter einer Bejagung des Wolfs mit 67 Prozent deutlich vorn. SE

Beitragsbild: Vorläufiges Abstimmungsergebnis zum Wolf auf MDR Sachsen-Anhalt (Screenshot).

Die Red. dankt JAWINA-Leser JG für den Hinweis!

Sachsen-Anhalt: Über 80 Prozent für Überprüfung des Schutzstatus von Wölfen

+++ Schleswig-Holstein: Radfahrer meldet Wolfssichtung im Kreis Ostholstein +++ Mecklenburg-Vorpommern: Schaf bei Rostock gerissen +++ Mecklenburg-Vorpommern: Wolf bei Rostock – Jagdverband warnt vor Wolfsangriffen auf Kinder +++ Österreich: Ein Wolf reißt 49 Nutztiere +++

Bürger fordern mehr Transparenz

Die CDU-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt befragte die Bürgerinnen und Bürger zum Wolf. Die Bürgerumfrage soll eine Bestandsaufnahme sein und Grundlagen für eine – an den Interessen der Bürger ausgerichteten – parlamentarischen Arbeit bieten. Dazu wurde ein wissenschaftlich fundierter, bürgernaher Fragebogen erarbeitet, der die Haltung der Sachsen-Anhalter zum Wolf in einer Online- und einer Repräsentativbefragung abfragte. Gestern stellten die Abgeordneten und Mitglieder der Arbeitsgruppe Umwelt und Energie der CDU-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt, Detlef Gürth und Bernhard Daldrup, zusammen mit dem renommierten Wissenschaftler Prof. Dr. Michael Stubbe von der Gesellschaft für Wildtier- und Jagdforschung, die Ergebnisse dieser Umfrage vor. Dazu erklärt Detlef Gürth, der sich federführend mit der Thematik Wolf befasst:

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Rechtsanwalt Dr. Granzin: “Kann diesen ganzen Hybridisierungs-Unsinn nicht mehr hören”

Ziemlich häufig gehen Anfragen in der Red. ein, in denen nach dem Wahrheitsgehalt eines im Netz kursierenden Gerüchts gefragt wird: Demnach soll das Verfahren gegen den holländischen Jagdgast, der in Brandenburg einen Wolf erschoss, eingestellt werden – und zwar mit der Begründung, das erlegte Tier sei kein Wolf, sondern ein Hybrid. Das erscheint widersinnig, weil auch Wolfshybriden streng geschützt sind. Bedenklich an dem Gerücht ist, dass unbedarfte Zeitgenossen dadurch verführt werden könnten, einen Wolf zu erlegen, dem sie aufgrund irgendwelcher Merkmale die Rassereinheit abgesprochen haben – auch dazu kursieren ja vermeintlich unfehlbare Ansprechhilfen auf einschlägigen Seiten. Sicherheitshalber haben wir bei Dr. Heiko Granzin, dem Anwalt des Wolfsschützen noch einmal nachgefragt. Seine Antwort lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: “Ich kann diesen ganzen Hybridisierungs-Unsinn nicht mehr hören. Alle möglichen ahnungslosen Gestalten – nicht zuletzt eine Menge ahnungslose Rechtsanwälte – faseln  ohne Sinn und Verstand ständig davon, dass es sich um einen Hybriden gehandelt habe”, so Dr. Granzin

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Bundestag lehnt Anträge von AfD und FDP zur Regulierung der Wolfspopulation ab

In seiner gestrigen (21.02.) Sitzung hat sich der Deutsche Bundestag mit Anträgen von AfD und FDP beschäftigt, die eine Bejagung des Wolfs ermöglichen sollten. Beide Anträge wurden abgelehnt.

In dem Antrag der AfD “Herdenschutz und Schutz der Menschen im ländlichen Raum – Wolfspopulation intelligent regulieren” hatte die Fraktion u.a. gefordert, bestehende gesetzliche Grundlagen zur Entnahme von Problemtieren und Wolfsmischlingen konsequent umzusetzen, auf Landes- und Regionalebene spezifische Obergrenzen für Wolfspopulationsdichten festzulegen und die Bejagung des Wolfs zu ermöglichen, wenn diese Obergrenzen erreicht sind. “Eine bürokratische Einzelfallprüfung soll bei Überschreitung dieser Obergrenzen entfallen”, heißt es in dem Antrag.

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Prof. Pfannenstiel: Wolfs-Lobby täuscht Öffentlichkeit

Im Celler Kurier ist ein Interview mit Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel zum Thema Wolf erschienen. Es geht u.a. um die Probleme mit dem Wolf in der Kulturlandschaft, das Versagen von Herdenschutzmaßnahmen, den Schutzstatus des Wolfs in verschiedenen EU-Ländern – und die Probleme, in Deutschland ein praktikables Wolfsmanagement durchzusetzen, weil Politik und Naturschutzverbände miteinander auf ungute Weise verbandelt sind. Leseempfehlung!

Beitragsbild: Headline des empfohlenen Beitrags im Celler Kurier (Screenshot)

Die Red. dankt den JAWINA-Lesern TU, KB und SG für ihre Hinweise!

Baden-Württemberg: Grüner Umweltminister für Wolfsabschüsse

Der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) hat sich in einem Brief an den EU-Kommissar für Umwelt, Maritime Angelegenheiten und Fischerei, Karmenu Vella, gewandt, um ein effizeientes Wolfsmanagement und damit “letale Entnahmen” im Ländle zu ermöglichen – letztlich aus Artenschutzgründen. Denn wenn Weidetierhalter die Nebenerwerbs- oder Hobbyhaltung wegen des Wolfs aufgeben, lassen sich “beweidungsabhängige FFH-Lebensraumtypen” nicht erhalten. Auch werde “von einigen Bevölkerungskreisen eine pauschale Entnahme von Wölfen vermehrt gefordert.” Den Schutzstatus des Wolfs will Untersteller jedoch nicht ändern. Wir dokumentieren das Schreiben Untersteller an die EU im Wortlaut.

Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg

Management von Arten des Anhangs IV der FFH-Richtlinie

Sehr geehrter Herr Kommissar,

in Baden-Württemberg gibt es zahlreiche natürliche Lebensräume, die ihre Existenz einer jahrhundertelangen Beweidung verdanken. Zu nennen sind hier insbesondere Lebensräume von europaweiter Bedeutung, die innerhalb Deutschlands ihr Hauptvorkommen u.a. in Baden-Württemberg haben. So sind beispielsweise Wacholderheiden (FFH-Code 5130), Kalk-Magerrasen und Kalk-Pionierrasen (FFH-Code 6210 und 6110) kennzeichnend für die Schwäbische Alb, trockene Heiden (FFH-Code 4030) und artenreiche Borstgrasrasen (FFH-Code 6230) haben ein Hauptvorkommen im Schwarzwald. Vielfach liegen diese Lebensräume in Bereichen, die beispielsweise aufgrund ihrer Steilheit oder Kleinparzelliertheit nicht mit Maschinen bewirtschaftbar sind und die deshalb aufgrund ihrer extensiven Bewirtschaftung durch Beweidung einen hohen naturschutzfachlichen Wert für die Biodiversität darstellen. Die Erhaltungszustände dieser FFH-Lebensraumtypen sind ungüstig-schlecht.

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Kärnten: Landtagsausschuss einstimmig für Absenkung des Schutzstatus von Wölfen

“Deutschland hat die Rückkehr des Wolfs verschlafen, jetzt haben sie ein Riesenproblem.”

Die im Ausschuss für ländlichen Raum und Infrastruktur im Landtag des österreichischen Bundeslands Kärnten vertretenen Fraktionen haben einstimmig für eine Absenkung des Schutzstatus von Wölfen gestimmt. Mit dem Beschluss soll die Erstellung von Managementplänen und die Entnahme von Wölfen ermöglicht werden. Der Antrag wird nun im Landtag behandelt und dann an die Bundesregierung weitergereicht. Angestrebt wird ein Schulterschluss aller österreichischen Bundesländer, um eine Senkung des Schutzstatus für das gesamte Bundesgebiet zu erreichen.  Der Kärntner ÖVP-Landtagsabgeordnete Ferdinand Hueter erklärte, dies Vorgehensweise ermögliche es, geschlossen an Brüssel heranzutreten. Almwirtschaft und Wolf seien unvereinbar. Denn letztlich ist die Änderung des Schutzstatus nur auf EU-Ebene möglich. Verschiedene Länder erhöhen derzeit den Druck auf die EU, den Wolf von Anhang IV in Anhang V der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) zu überführen. Dies würde eine Bejagung des Wolfs ermöglichen. FPÖ-Landesparteiobmann Gernot Darmann betonte, dass es nicht um eine Ausrottung des Wolfs, sondern um “maßvolle Regulierung” gehe: In Deutschland sei die Rückkehr des Wolfes verschlafen worden, sekundierte der FPÖ-Landtagsabgeordnete Harald Trettenbrein im ORF: “Jetzt haben sie ein Riesenproblem.” red.

Beitragsbild: Almwirtschaft in Österreich. Foto: SE