Schlagwort-Archive: Schnepfenstrich

Quasimodogeniti

Auf den Palmsonntag folgt der Ostersonntag. Gelegentlich wird auch für diese Zeit ein Merkvers genannt: Osterzeit, wenig Beut. Dennoch streichen die Schnepfen auch um Ostern herum noch, wenn der Strich auch allmählich nachlässt. Der Spruch kommt wohl eher daher, dass die wackeren Weidgesellen die miese Stimmung ihrer besseren Hälften fürchteten, falls sie an Ostern zur Jagd rausgegangen wären. Deshalb war um diese Zeit die Strecke sehr gering.

Quasimodogeniti wird der erste Sonntag nach Ostern genannt. Quasi modo geniti infantes, halleluja, rationabile sine dolo lac concupsicite, halleluja, lautete es zu Beginn der Messe. Die Übersetzung könnte auch für uns Jäger ein gutes Motto sein: Wie neugeborene Kinder, Halleluja, verlangt nach der vernünftigen, unverfälschten Milch, Halleluja. Die vernünftige Milch, nach der wir verlangen sollen, könnte doch für uns Jäger das Wissen um neue wildbiologische Erkenntnisse sein und deren Umsetzung in der Jagdpraxis. Da haben wir nämlich noch sehr viel Luft nach oben. Halleluja ist übrigens ein Imperativ: Preist Gott!

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Palmarum

Der Merkvers für den Palmsonntag, Palmarum tralarum, ist eher nichtssagend. Fast hat man den Eindruck, den Urhebern ist nicht viel zum Thema Schnepfenstrich eingefallen. Palmarum bzw. Palmsonntag wird der 6. Sonntag der Passionszeit genannt. Früher begann die Messe mit Psalm 21: Domine, ne longe facias auxilium tuum a me, ad defensionem meam aspice, libera me de ore leonis, et a cornibus unicornium humilitatem meam. Die Übersetzung ist: Herr, mit Deiner Hilfe sei mir nicht fern! Schau her und beschütze mich! Befreie mich aus dem Rachen des Löwen, vor dem Horn des Einhorns rette mich Armen!

Das ist übrigens ganz nebenbei wieder ein schöner Hinweis darauf, wie wörtlich man die Bibel nehmen bzw. eher nicht nehmen sollte. Mit Einhorn wird ja vermutlich nicht der Narwal (Monodon monoceros) gemeint sein.

Auch um den Palmsonntag herum ist mit gutem Strich zu rechnen, vorausgesetzt das Wetter passt. Bei starkem Wind oder Sturm bleibt man besser zu Hause. Nach meiner Erinnerung war der Strich immer dann besonders ausgeprägt, wenn es nach einem sonnigen Frühlingstag gegen Abend deutlich kühler wurde und leichter Dunst wie ein Zauberschleier über dem Land lag. Wenn dann die letzte Drossel verschwieg, stieg die Spannung fast ins Unerträgliche, und oft genug ging man eilig in Voranschlag weil man meinte, den Vogel mit dem langen Gesicht schaukelnd vorbeistreichen zu sehen.

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Judica

Judica, das sind sie auch noch da!

Das ist der Merkvers für den 5. Fastensonntag. Judica me, Deus! heißt es in der Messe. Richte mich, Gott! lautet die Übersetzung.

Falls es ein solches Gericht Gottes tatsächlich irgendwann gibt, muss der Schnepfenjäger sich keine Sorgen machen. Er ist pfleglich mit der Schöpfung umgegangen.

Oft wird von Jagdkritikern die Jagd auf Tiere, die man nicht verwertet bzw. verwerten kann, abgelehnt, um es vorsichtig zu formulieren. Ich habe die von mir erlegten Schnepfen stets mit Behagen verzehrt, und ich habe die Malerfedern als Trophäe, also als Erinnerungsstück aufgehoben. Schnepfendreck, die im Naturzustand gebratenen Därme der Schnepfe, habe ich mir allerdings nicht einverleibt. Was die Verwertung angeht, hat Wilhelm Busch ein köstliches Gedicht verfasst:

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Laetare

Am vierten Fastensonntag, auch Rosensonntag genannt, soll Jerusalem sich freuen. Laetare, Jerusalem! heißt es zu Beginn der Messe und unser Merkvers lautet: Laetare, das ist das Wahre. Aber auch der Schnepfenjäger darf Freude empfinden. Das Wahre übrigens deshalb, weil der Strich jetzt in vollem Gang ist. Man kann also vermehrt mit in der Abenddämmerung streichenden Schnepfen rechnen.

Beim Verbot der Schnepfenjagd im Frühjahr spielten Artenschutzgründe die Hauptrolle, obwohl die EU-Vogelrichtlinie die Bejagung auch im Frühjahr unter bestimmten Voraussetzungen durchaus zulässt. Aber wie so oft hat Deutschland seine angeblichen EU-Pflichten auch in diesem Punkt eifrig, gründlich und sofort übererfüllt. Selbstverständlich können unterschiedliche Parameter wie Klima, Prädation oder Habitatverluste den Besatz lokal stark beeinflussen. Es kann aber auch bei uns keine Rede davon sein, dass die Jagd sich negativ auf die Besätze auswirkt. Hier kommt die sog. kompensatorische Sterblichkeit ins Spiel. Alle Tiere jeder Population sterben irgendwann durch Verhungern, Krankheit oder Prädation. Das ist eigentlich eine Binsenweisheit. Übrigens sterben Tiere außer im Zoo generell nur selten an reiner Altersschwäche! Wenn die Jagd also die natürliche Mortalität nicht übertrifft, hat sie keinen Einfluss auf Populationsgrößen. Im Umkehrschluss heißt das übrigens in Bezug auf Beutegreifer auch, nur wenn man möglichst flächendeckend und in jedem Jahr mindestens den gesamten Zuwachs abschöpft, kann man den Verliererarten der Kulturlandschaft wirklich helfen.

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Reminiscere

“Die wenigsten Jäger kennen noch den Frühjahrsschnepfenstrich aus eigener Erfahrung. Hast Du da schon gejagt, als ein paar Idioten mit fadenscheinigen Artenschutzargumenten den Schnepfenstrich abgewürgt haben?”, fragte mich Hans-Dieter Pfannenstiel letztens in einer Mail. Nein, habe ich nicht. “Vielleicht sollte man den Jägern wenigstens den alten Merkspruch in Erinnerung bringen, indem JAWINA an jedem der Fastensonntage in der Quadragesima und am ersten Sonntag nach Ostern den passenden Teil des Merkspruchs mit einer Übersetzung bzw. Erklärung des dahinter stehenden Bibelspruchs bringt. Wär das was?” Das wär was, fand ich, und so entstand die Idee zu dieser kleinen Beitragsserie, die mit dem heutigen “Reminiscere – putzt die Gewehre” ihren Anfang nimmt.

Reminiscere

Reminiscere miserationum tuarum: Denk an Dein Erbarmen, Herr. So lautet der Introitus der heiligen Messe am heutigen zweiten Fastensonntag. Was hat das mit Jagd und Jägern zu tun, werden nun jüngere Mitglieder der grünen Zunft fragen. Man kann es ihnen nicht verdenken. Der Zauber des Schnepfenstrichs ist den älteren Jägern unter uns allerdings sicher noch wohlbekannt. Seit vielen Jahren ist die Frühjahrsbejagung der Schnepfe jedoch bei uns leider mit einem Verbot belegt. Artenschutz wurde als Grund vorgeschoben. Seit 2002 wurde die Schnepfe sogar in die Vorwarnliste der Roten Liste aufgenommen. Heute kann man sich nur noch wehmütig an die Frühjahrsabende im Revier erinnern, wenn ein Vogel nach dem anderen mit zunehmender Dämmerung verstummte und dann plötzlich das Quorren und Puitzen zu hören war.

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Schnepfenjagd in Österreich: EU droht mit Verfahren

Die EU droht dem österreichischen Bundesland Salzburg mit einem Verfahren wegen der Frühjahrs-Jagd auf Waldschnepfen, wie der ORF berichtet. Die EU kritisiert die Jagd im März und April, weil sie in der Brut- und Nistzeit der Schnepfen stattfindet – deshalb widerspreche sie der Vogelschutzrichtlinie. Die Balzjagd auf die Waldschnepfe – der sogenannte Schnepfenstrich – ist eine uralte jagdliche Tradition in allen Ländern, in denen die Schnepfe brütet. Der Leiter der Salzburger Agrarbehörde, Franz Hauthaler, bestätigte gegenüber dem ORF den Eingang eines entsprechenden Schreibens von der EU. Gegenüber dem Sender erklärte Hauthaler in vorauseilendem Gehorsam, dass die Verordnung, die die Jagd auf Waldschnepfen im Salzburger Land regle, “Ende 2015 ohnehin auslaufe.” Es sei “derzeit nicht geplant und vorgesehen, in einer neuerlichen Verordnung auch die Frühjahrsbejagung der Waldschnepfe wieder aufzunehmen, sofern nicht ganz triftige Gründe auftreten, die die Argumente der EU-Kommission entkräften könnten.“

“Ganz triftige Gründe, die die Argumente der EU-Kommission entkräften könnten”, könnten Hauthaler und andere Interessierte in Prof. Dr. Heribert Kalchreuters Standardwerk “Die Sache mit der Jagd” und den dort zitierten und beschriebenen Untersuchungen zur Waldschnepfe (Kosmos Verlag, 2003. S.223f.) finden. Einleitend stellt Kalchreuter fest: “So pragmatisch die Frage der Balzjagd in Amerika untersucht wurde, so emotionsbefrachtet sind diesbezügliche Diskussionen vor allem im deutschsprachigen Raum.” Kalchreuter fasst die Forschungsergebnisse wie folgt zusammen: “Im Allgemeinen beteiligen sich nur Schnepfenhähne an den abendlichen Balzflügen. Da sich die Geschlechter der Waldschnepfe an Größe und Gefieder kaum unterscheiden lassen, bietet nur die Balzjagd die Möglichkeit zu geschlechtsspezifischer Bejagung.” […] Nachteilige Auswirkungen der Balzjagd auf die Populationsentwicklung (der eher durch Habitatverluste und intensivierte Landnutzung gefährdeten Art) konnten demnach nie nachgewiesen werden, was auch wenig erstaunlich ist, da hierbei nur balzende Hähne geschossen werden, die sich an der Brutpflege nicht beteiligen und sofort durch “Reservehähne” ersetzt werden.

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