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Quasimodogeniti

Auf den Palmsonntag folgt der Ostersonntag. Gelegentlich wird auch für diese Zeit ein Merkvers genannt: Osterzeit, wenig Beut. Dennoch streichen die Schnepfen auch um Ostern herum noch, wenn der Strich auch allmählich nachlässt. Der Spruch kommt wohl eher daher, dass die wackeren Weidgesellen die miese Stimmung ihrer besseren Hälften fürchteten, falls sie an Ostern zur Jagd rausgegangen wären. Deshalb war um diese Zeit die Strecke sehr gering.

Quasimodogeniti wird der erste Sonntag nach Ostern genannt. Quasi modo geniti infantes, halleluja, rationabile sine dolo lac concupsicite, halleluja, lautete es zu Beginn der Messe. Die Übersetzung könnte auch für uns Jäger ein gutes Motto sein: Wie neugeborene Kinder, Halleluja, verlangt nach der vernünftigen, unverfälschten Milch, Halleluja. Die vernünftige Milch, nach der wir verlangen sollen, könnte doch für uns Jäger das Wissen um neue wildbiologische Erkenntnisse sein und deren Umsetzung in der Jagdpraxis. Da haben wir nämlich noch sehr viel Luft nach oben. Halleluja ist übrigens ein Imperativ: Preist Gott!

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Judica

Judica, das sind sie auch noch da!

Das ist der Merkvers für den 5. Fastensonntag. Judica me, Deus! heißt es in der Messe. Richte mich, Gott! lautet die Übersetzung.

Falls es ein solches Gericht Gottes tatsächlich irgendwann gibt, muss der Schnepfenjäger sich keine Sorgen machen. Er ist pfleglich mit der Schöpfung umgegangen.

Oft wird von Jagdkritikern die Jagd auf Tiere, die man nicht verwertet bzw. verwerten kann, abgelehnt, um es vorsichtig zu formulieren. Ich habe die von mir erlegten Schnepfen stets mit Behagen verzehrt, und ich habe die Malerfedern als Trophäe, also als Erinnerungsstück aufgehoben. Schnepfendreck, die im Naturzustand gebratenen Därme der Schnepfe, habe ich mir allerdings nicht einverleibt. Was die Verwertung angeht, hat Wilhelm Busch ein köstliches Gedicht verfasst:

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Oculi

Am dritten Fastensonntag beginnt die Messe so: Oculi mei semper ad dominum: Meine Augen sind stets auf den Herrn gerichtet.

Oculi, da kommen sie, heißt entsprechend der Merkvers für heute, wobei unsere Augen früher ab diesem Tag jedoch absolut säkular vor allem auf die Schnepfen gerichtet waren. Ab jetzt ist also mit den nach Norden und Osten ziehenden Zugschnepfen zu rechnen und vor allem mit dem eigentlichen Schnepfenstrich. Der abendliche Strich wird allgemein dem Balzverhalten, dem Suchen der Schnepfenhähne nach Hennen zugerechnet. Nur wenige Hennen streichen abends; meist sitzen sie auf dem Boden und machen die Hähne mit leisen Rufen auf sich aufmerksam. Es gibt aber heute auch eine ganz andere Deutung. Doch dazu erst später mehr.

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Reminiscere

“Die wenigsten Jäger kennen noch den Frühjahrsschnepfenstrich aus eigener Erfahrung. Hast Du da schon gejagt, als ein paar Idioten mit fadenscheinigen Artenschutzargumenten den Schnepfenstrich abgewürgt haben?”, fragte mich Hans-Dieter Pfannenstiel letztens in einer Mail. Nein, habe ich nicht. “Vielleicht sollte man den Jägern wenigstens den alten Merkspruch in Erinnerung bringen, indem JAWINA an jedem der Fastensonntage in der Quadragesima und am ersten Sonntag nach Ostern den passenden Teil des Merkspruchs mit einer Übersetzung bzw. Erklärung des dahinter stehenden Bibelspruchs bringt. Wär das was?” Das wär was, fand ich, und so entstand die Idee zu dieser kleinen Beitragsserie, die mit dem heutigen “Reminiscere – putzt die Gewehre” ihren Anfang nimmt.

Reminiscere

Reminiscere miserationum tuarum: Denk an Dein Erbarmen, Herr. So lautet der Introitus der heiligen Messe am heutigen zweiten Fastensonntag. Was hat das mit Jagd und Jägern zu tun, werden nun jüngere Mitglieder der grünen Zunft fragen. Man kann es ihnen nicht verdenken. Der Zauber des Schnepfenstrichs ist den älteren Jägern unter uns allerdings sicher noch wohlbekannt. Seit vielen Jahren ist die Frühjahrsbejagung der Schnepfe jedoch bei uns leider mit einem Verbot belegt. Artenschutz wurde als Grund vorgeschoben. Seit 2002 wurde die Schnepfe sogar in die Vorwarnliste der Roten Liste aufgenommen. Heute kann man sich nur noch wehmütig an die Frühjahrsabende im Revier erinnern, wenn ein Vogel nach dem anderen mit zunehmender Dämmerung verstummte und dann plötzlich das Quorren und Puitzen zu hören war.

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