Schlagwort-Archive: Robert Saemann-Ischenko

Sie nennen mich Willi – ein Schweißhundwelpe erzählt

Eine Kolumne von Robert Saemannn-Ischenko

7. Folge: Wie auf der Sklavengaleere

Dass der Tag mit diesem anstrengenden Aufstehen beginnt, ist schade, aber hinnehmbar, solang es dann flott Frühstück gibt. Richtig blöd dagegen finde ich, dass mein Mensch so ein Frühsportfanatiker ist und ich jeden Morgen rausmuß. Alles, was ich brauche, habe ich nämlich daheim: Fressen, Schlafplätze für alle Temperaturen, einen Garten mit Blumen in perfekter Abbeißhöhe. Und den Fernseher. Umgekehrt gibt es im Dschungel auf der anderen Seite des Zauns nur Dornen, Gräben, Nesseln, Bäche. Alles ist entweder naß oder sticht. Manchmal auch beides. Keine Ahnung, was mein Mensch in diesem Dschungel will. Vermutlich weiß er es selber nicht.

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Nasse Tage in Cowal

Rotkahlwild-„Jagd auf eigene Faust“ in Cowal/Schottland im November 2014 – Ein Reisebericht von Robert Saemann-Ischenko

1. Tag

Naß, nasser, Cowal im November. Selbst die Eingeborenen der Halbinsel im Südwesten Schottlands geben zu, es sei wet. Noch nicht very, aber immerhin quite. Nach einer halben Stunde Ansitz ist das Wachs runter von den Bergschuhen und der Regen drin im altersschwachen Fernglas. Wobei „Anlage“ es besser treffen würde: Ich kauere im Heidekraut und strecke mich nur alle fünf Minuten so weit hoch, dass ich gerade eben durchs Gras über den Horizont schielen kann – ist es schon da, das Rotwild, dessentwegen wir hier sind? Nö. Nur Regen, den der Sturm in so dichten Schauern von links nach rechts über den Kahlschlag treibt, dass er die Fernsicht nimmt wie Nebel. Dabei könnte man hier weit schauen, denn die für die wenig zimperliche schottische Forstwirtschaft typischen Harvester haben hier Dutzende Hektar Fichtenwald in eine Mondlandschaft verwandelt. Das dürre Gras zwischen den Stümpfen würde in Deutschland kein Rotwild interessieren, den schottischen Kollegen aber genügt’s, der Menge an Losung nach zu urteilen.

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Eine Kolumne von Robert Saemannn-Ischenko

6. Folge: Her mit dem Käse!

Mein Fazit der ersten Tage in diesem Deutschland: Wäre ich doch in der Slowakei geblieben!

Ich hatte sozusagen kaum meinen Koffer ausgepackt, als es schon losging. Gleich am allerersten Morgen sind wir spazierengegangen. Dachte ich jedenfalls. Das war aber kein Spaziergang, das war ein Überlandmarsch! Das waren klar über 100 Meter! Noch dazu tickt der Typ nicht ganz sauber: Hier hat’s überall 1a Wege, sogar im letzten Waldzipfel – und was macht er? Marschiert ungerührt durchs Dicke. Sogar durch die Himbeeren ist er gestiefelt, vor denen Mama uns immer gewarnt hat. Ihren Merkspruch konnten wir alle schon mit zwei Wochen aufsagen: Ein BGS geht bloß durch Beeren/wenn er sich nicht mehr kann wehren/Dornen nimmt er nur für schwarzes Wild in Kauf/sonst führt weit außenrum des Schweißis Lauf!

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Eine Kolumne von Robert Saemannn-Ischenko

5. Folge: Schaf. Karpaten, Südwestlage.

Die erste Nacht im neuen Heim war so lala. Ich durfte mit hoch ins Schlafzimmer der beiden, und dort haben sie mich in ne Kiste gepackt, aus der ich nicht rauskonnte. Wollte ich aber gar nicht, weil: Schlafen ist ja wohl das Schönste auf der Welt. Außer Fressen natürlich. Manchmal kommt Schmusen noch davor, aber nur, wenn ich nicht müde bin. Allerdings bin ich immer müde. Und wenn ich’s nicht bin, werde ich es vom Schmusen. In der Kiste jedenfalls lag ein Fell. Von meinem Vorgänger, dachte ich zuerst, aber meine Schnüffelanalyse ergab: kein Hund, sondern Schaf. Karpaten, Südwestlage. Aber auch schon lange tot. Vermutlich an Überhitzung gestorben, so lang wie das Haar an dem Fell war. Mir war’s recht, denn mir ist so schnell nichts zu warm.

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Eine Kolumne von Robert Saemannn-Ischenko

4. Folge: Verdammt, das ist Gemüse!

Schon wieder eine Pause. Mann, die müssen aber auch wirklich ständig pinkeln, diese Menschen!

Ach nee, ist gar keine Pause, wir sind da, meinen die. Und dass das nun 1200 Kilometer waren. Keine Ahnung, ob das viel ist, aber fest steht auf jeden Fall: Ich habe selten so gut geschlafen!

Aber auch selten so einen Kohldampf geschoben!

Immerhin das merken die mal. Schon kommt der große Kerl mit dem Napf, in dem er mir bisher immer diese Pinscherportionen gegeben hat. Los, das muß schneller gehen! Mal schauen, was es gibt. Und vor allem, wieviel.

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Eine Kolumne von Robert Saemann-Ischenko

3. Folge: Zurücktrampen kann ich immer noch…

Gääääähn! Woah, habe ich gut geschlafen auf diesem Wunderbett. Und zwar, ohne dass ich ständig eine Pfote im Auge hatte oder einer mir genau ins Ohr schnarcht.

Oder haben die mir was gegeben? Man hört ja viel von diesen K.o.-Tropfen, und ich kenne diese Menschen hier kaum. Die hören sich nicht an, als wären sie von hier, da geht’s ja schon los. Außerdem flüstern sie immerzu, wenn ich schlafe – was die wohl zu verbergen haben?

Hm, hm, hm. Riechen tue ich allerdings keine Gefahr.

Also sind sie entweder harmlos. Oder gute Schauspieler…

Naja, ich bleibe erst mal bei ihnen und schaue, was sie mir zu bieten haben. Zurücktrampen kann ich immer noch.

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Eine Kolumne von Robert Saemann-Ischenko

2. Folge: Boah, habe ich Hunger!

Ich bin dann wohl doch eingeschlafen, glaube ich. Nicht richtig natürlich, eher so dösmäßig, schließlich halte ich den Haufen hier ja zusammen, ne. Als ich wieder aufgewacht bin, war jedenfalls Mama immer noch weg. Und die anderen Pupsis auch, wobei die mir in letzter Zeit schon ganz schön auf die Rute gegangen sind. Nie haben die mich in Frieden fressen lassen, nie durfte ich in Ruhe unsere Decke zernagen, immer kam mindestens einer dieser Rüpel und hat gestört. Ein Benehmen wie bei Terriers unterm Sofa! Ich habe denen empfohlen, mal die Vaterschaft klären zu lassen, aber das gab gleich eine Rüge von Mama, dabei stimmt’s.

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Eine Kolumne von Robert Saemann-Ischenko

1. Folge: Weg von Mama, verdammt!

Wau, hier geht’s ja ab! Gestern abend kamen neue Menschen vorbei und haben mich besucht. Meine Geschwister schon auch, aber vor allem mich, das habe ich genau gemerkt. Die haben mich voll genau angeschaut und überall begrabbelt und ständig hochgehoben, und dazu haben sie gequietscht, als würde ihnen jemand auf die Pfoten treten. Mama fand die nett, aber Mama findet immer alle nett. Tante Jolana ist da schon kritischer, die bellt immer erst mal wie wild. Aber wenn man genau hinhört, merkt man, dass sie auch nur auf den Schoß will. Wobei es mit dem Hinhören bei den Menschen so eine Sache ist, die merken ja nicht viel. Wenn ich mit meinen sechs Schwestern und Brüdern in der Vorzeigekiste bin (Mama nennt sie immer „Catwalk“, keine Ahnung warum), wissen die Menschen nach ein paar Wuseleinheiten nicht mehr, wer wer ist, obwohl wir uns ja nun echt total unterschiedlich anhören und -riechen. Und von tiefer Nase haben diese Zweibeiner auch noch nichts gehört, das sagt ja schon alles.

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