Schlagwort-Archive: Robert Saemann-Ischenko

Sie nennen mich Willi – ein Schweißhundwelpe erzählt

Eine Kolumne von Robert Saemann-Ischenko

14. Folge: Büchsenöffner

Neulich hat mich eine Frau aus Hamburg Büchsenöffner genannt. Keine Ahnung, was sie meint, ich habe fürs Büchsenöffnen eigentlich Personal. Also habe ich meine Freundin Melli gefragt, die ist in einem rumänischen Waisenhaus aufgewachsen und kennt das Leben. Melli sagt, der Spruch bedeutet, ich sei ein sehr hübscher Kerl, auf den die Frauen dermaßen was von abfahren würden, dass man mich gezielt einsetzen könnte, um welche kennenzulernen, und in Hamburg würden Hosen Büchsen heißen, ich wüßte schon, dass ich mir darauf aber nichts einbilden solle, sonst würde sie mich gleich mal auf den Rücken drehen und in die nächste Mistpfütze tauchen, bis ich nicht mehr wüßte wo oben und unten und ob ich Männlein oder Weiblein wäre.

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Ihm bleibt ein Vierteljahr zu leben…

Jawina-Autor Robert Saemann-Ischenko, Verfasser der beliebten Willi-Kolumne, hat einen spannenden Thriller geschrieben, in dem es auch um Jagd geht. Eine gute Idee für den jagdlichen Weihnachts-Gabentisch, finden wir…

Er erinnerte sich an den Moment, da ihm aufgefallen war, dass Jäger ganz offiziell nach Weißrußland einreisen durften; auch in diese Gegend, die der Wisentjäger Lukaschenko jeden Herbst besuchte. Und das samt vertrautem Gewehr und mit eigener Munition. Diese Erkenntnis hatte ihn elektrisiert; nach und nach hatte er in seinem Kopf lose Enden dazu verknüpft, bis schließlich sein Plan vollständig gewesen war. Er hatte ihn umgesetzt. Sich in einen Jäger verwandelt. Kein Gesetz gebrochen. Alles in seinem Kopf gelassen, keine Spuren hinterlassen. Niemand ahnte, dass es ihn gab und was er vorhatte.

Schön, dass alte Männer als harmlos galten. Wie hatte der Historiker Alexander Demandt in seinem Buch „Das Attentat in der Geschichte“ geschrieben? „Alte Männer begegnen uns unter den Attentätern nicht; Verwegenheit legt sich mit den Jahren.“
Dieser Theoretiker. Idealismus war keine Frage der Jahre, und die Verwegenheit wurde oft nur leiser. Einer wie er mußte nicht mal sein Leben aufs Spiel setzen, weil es sozusagen keines mehr in ihm gab.                        (Aus „So ich dir“)

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“Von Furcht weiß ich nichts”

Warum in den Märchen der Brüder Grimm Jäger als harte Burschen voller Mitgefühl gezeichnet werden – ein Text von Robert Saemann-Ischenko.

Teil 2

Noch gefährlicher als Räuber, Wolf & Co.: Zwerge und Zauberinnen, Geister und Dämonen. Dieses Jenseitspersonal verflucht und verwandelt bevorzugt unschuldige Menschen („Jorinde war in eine Nachtigall verwandelt, die sang zicküth, zicküth“; aus „Jorinde und Joringel“), zwischendurch bestraft es aber auch mal aufs Krasseste die Richtigen, etwa das hartherzige Mädchen aus „Die drei Männlein im Walde“:

Da sprachen die kleinen Männer untereinander: »Was sollen wir ihm schenken, weil es so unartig ist und ein böses, neidisches Herz hat, das niemand etwas gönnt?« Der erste sprach: »Ich schenk ihm, dass es jeden Tag hässlicher wird.« Der zweite sprach: »Ich schenk ihm, dass ihm bei jedem Wort, das es spricht, eine Kröte aus dem Munde springt.« Der dritte sprach: »Ich schenk ihm, dass es eines unglücklichen Todes stirbt.«

Überhaupt sind in den frühen Märchen der Grimms drakonische Strafen allgegenwärtig, ebenso Angst und Einsamkeit, Willkür und Rohheit, Gewalt und Tod. Das Leben vieler Figuren ist bis ins Detail bestimmt von einer unerschütterlich erscheinenden und sozial fast undurchlässigen Ordnung – der König war von nahezu gottgleicher Allmacht, aber auch schon Dorfvorsteher oder beispielsweise der Lehrherr hatten die Macht, anderen das Leben zur Hölle zu machen.

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„Von Furcht weiß ich nichts“

Warum in den Märchen der Brüder Grimm Jäger als harte Burschen voller Mitgefühl gezeichnet werden – ein Text von Robert Saemann-Ischenko.

Teil 1

Von fast allem, was sich über die „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm sagen läßt, trifft auch das Gegenteil zu. Sie huldigen der Tugendhaftigkeit und der Kernfamilie, die Märchen – bersten aber immer noch vor Lebens- und sonstiger Lust. Manche spielen in einer rein literarischen Mittelalterkulisse, andere schildern mit fast schon soziologischer Genauigkeit das bäuerliche Deutschland des 17. und 18. Jahrhunderts („Das Heiraten ist eine Freude und ist auch eine Qual“, heißt’s so schön in „Die drei Männlein im Walde“). Im Wald der Märchen wollen einerseits immerzu Räuber, Tiere und Hexen dem Menschen ans Leben, doch findet er genau und nur dort auch Schutz und Beschützer. Ein Berufsstand allerdings kommt bei den Grimms durchweg und fast ausnahmslos positiv weg, und das sind die Jäger.

Aus einem historischen Einzugsbereich von über 500 Jahren stammen die Märchen, die Jacob und Wilhelm Grimm zusammengestellt haben. Schwänke finden sich darin ebenso wie mündlich überlieferte Volksmärchen, von Schriftstellern verfaßte Kunstmärchen, Legenden, Ursprungsgeschichten. Eine kleine statistische Auswertung ergibt, dass in 211 Märchen der Grimms Jagd/Jagen/Jäger 31mal erwähnt wird, also in jedem siebten. Und zwar spielt die Jagd naturgemäß in den volkstümlichen Schwänken keine Rolle – eine um so größere aber in den Märchen mit mittelalterlichem Kolorit.

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Sie nennen mich Willi – ein Schweißhundwelpe erzählt

Eine Kolumne von Robert Saemann-Ischenko

13. Folge: Total im Hier und Jetzt

Es ist ja bekannt, dass Menschen keinen Zeitbegriff haben und total im Hier und Jetzt leben. Weiter als bis zu meiner nächsten Mahlzeit denken auch der Sergeant und seine Frau normalerweise nicht. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass sie was vorhaben. Das könnte mir natürlich an meinem kleinen haarigen Hintern vorbeigehen, nur haben die beiden leider etwas mit MIR vor.

Am Anfang waren es nur kleine Zeichen, doch die Hinweise haben sich verdichtet, und mittlerweile gibt es leider keinen Zweifel mehr: Die Menschen haben längst über meine Karriere, ja mein ganzes Leben entschieden: Man zwingt mich tatsächlich, Schweißhund zu werden. Nur wegen meiner Rasse – als würden Münsterländer im Münsterland leben und Wachtel Wachtel jagen. Tschüs Saunameister, servus Profisamenspender, ade Matratzentester und all die anderen Traumberufe – mein Lebensinhalt soll darin bestehen, zu unmöglichen Zeiten an unwirtlichen Orten Tieren hinterherzuschnüffeln, die völlig zu Recht stinksauer sind und deren größter und meist auch letzter Wunsch darin besteht, mir mein seidenweiches Fell über die Schlappohren zu ziehen.

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Sie nennen mich Willi – ein Schweißhundwelpe erzählt

Eine Kolumne von Robert Saemann-Ischenko

Folge 12: Permanent im Stadium des Schlafentzugs

Mein großes Vorbild sind Löwen, weil: Die schlafen zwanzig Stunden am Tag. ZWANZIG Stunden! Das könnte ich auch, ich darf nur nicht. Weil ich ständig geweckt werde und zu Tätigkeiten gezwungen werde, die Löwen aus guten Gründen meiden: sinnlos durch Wälder laufen, sinnlos schwimmen, sinnlos vor Supermärkten warten. Das ist aber kein Grund, es nicht zu versuchen. Das mit den zwanzig Stunden, meine ich. Würden ja immerhin ungefähr vier Stunden für alles andere bleiben.

Meine Traumaufteilung für diese Zeit wäre: zwei Minuten strullern und so, zehn Minuten Dinge zerstören und/oder vergraben, drei Stunden achtundvierzig Minuten fressen.

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Sie nennen mich Willi – ein Schweißhundwelpe erzählt

Eine Kolumne von Robert Saemann-Ischenko

Folge 11: Freie Liebe

Seit heute nennen sie mich Wüstling. Keine Ahnung wieso. Naja, eine klitzekleine schon. Es könnte mit dieser Pudeldame zu tun haben, die mich im Schloßgarten Erlangen verführt hat. War schon eine ältere Lady, aber gut in Form. Sehr beweglich. Und apricotfarben, schick! Erst haben wir uns nur kennengeschnüffelt, wie üblich. Hat aber gut gerochen, die Pudelin, sehr gut sogar, nach Hund und Hündin und Freude und Fangenspielen und Katzengulasch im Kerzenschein… Dann sind wir so umeinandergehüpft und sie davon und ich hinterher, dann umgekehrt, dann wieder so herum, ihre Menschen haben noch fröhlich erzählt, die Senta sei läufig, aber der kleine Maskenmann sei ja noch ein Welpe und insofern drohe keine Gefahr, und mein Mensch hat irgendwas gesagt, aber was, das habe ich schon nicht mehr gehört.

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Eine Kolumne von Robert Saemann-Ischenko

Folge 10a (außerplanmäßig): Kleinanzeige

Haaaaaaaaaalooooooooooooo da draußen! Hört mich jemand? Hiiiiilfeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee! Mayday, all stations, BGS in Not, mayday! Diese Pfeifen! Schwächlinge! Halbe Heringe! Einfaltspinsel, zweibeinige!

Die fahren womöglich im Herbst nicht nach Schottland! Was mir ja eigentlich schnurzpiepe sein kann, nur habe ich noch keinen Frühlingsschein oder wie das heißt, so dass ich auf die Nulpen angewiesen bin. Heißt: Ich komme auch nicht nach Schottland, wenn die nicht fahren, und das würde ich kaum überleben, sooooooo schön war das da nämlich letztes Jahr, au weia, ich darf gar nicht dran denken, sonst laufe ich gleich los.

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Ab damit – die Blaser R8 Kastrat

Ein Erfahrungsbericht von Robert Saemann-Ischenko

Das Problem: Ich brauche endlich eine richtige Nachsuchenwaffe. Zu sehr nervt mich mein Repetierer, der die üblichen Riemenbügel und einen normal langen Lauf hat. Also weit über meine Schulter aufragt, ständig mit dem Pistolgriff in den Rücken dötzt sowieso immerzu & überall hängenbleibt.

Erster Gedanke: Da ich mit meinem unkaputtbaren Plastikgewehr, einer Blaser R8 Professional Success im Kaliber .308, sehr zufrieden bin und weiterhin nur ein Gewehr für alles einsetzen will, überlege ich, einfach den Blaser Nachsuchenlauf zu kaufen. Der ist mit 50 Zentimetern ja schön kurz und hat einen an der Mündung angebrachten Riemenbügel, außerdem diese schicker Fluchtvisierung. Ich müßte also nur noch seitlich am Hinterschaft der R8 einen Riemenbügel anbringen lassen, schon hätte ich meine Nachsuchenwaffe. Ein Anruf später weiß ich, dass der Lauf über 1400 Euro kostet. Also ungefähr 28 Euro pro Zentimeter. Hier gilt offenbar die alte Coupé-Regel: Je weniger (Auto bzw. Lauf), desto teurer. Okay, das wird nix. Selbst wenn ich den ollen Lauf für einen anständigen Preis verticken kann, ist der Aufpreis für den Umstieg wesentlich zu hoch.

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Eine Kolumne von Robert Saemannn-Ischenko

10. Folge: Berufliche Zukunft

Jetzt bin ich sechzehn. Nicht Jahre, nur Wochen, jedoch immerhin. Zeit, über meine berufliche Zukunft nachzudenken. Ich weiß nicht, was der Sergeant und seine Frau mit mir vorhaben, die reden zwar den ganzen Tag, aber nicht über die wichtigen Sachen, jedenfalls nicht mit mir. Aber denen werde ich das mit der Berufswahl keinesfalls überlassen, die Zeiten sind vorbei, in denen man über Hunde einfach so hinwegentschieden hat. Wir sind auch Menschen!

Ich habe ausführlich mit meinen Kumpels aus der Welpengruppe der Forchheimer Jägerschaft geredet und blicke jetzt durch. Diese ganzen kalbsgroßen Deutsch Irgendwashaar sagen, dass sie Vorstehhunde werden müssen, weil sie sonst nix beigebracht bekommen. Ein paar von denen haben richtig Angst vor der Zukunft, weil sie sagen, dass es bald nix mehr vorzustehen gibt, und sie dann umschulen müssen auf Brauereigaul oder Türsteher oder sonst was ihrer Größe Angemessenes.

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Eine Kolumne von Robert Saemannn-Ischenko

9. Folge: Gemüsescheiß im Essen

Kein schlechtes Wort über meine Heimat! Hey, liebe Familie/die Stunde hat geschlagen/es lebe Mutter Sláva!

Aber was ich hier zu fressen bekomme, das ist schon unglaublich. Fast habe ich ein schlechtes Gewissen. Am Anfang gab’s ja die selben Stinkpellets wie daheim. Getrocknete Kaninchenköttel, haben wir immer gescherzt. Nach denen gab’s andere Pellets, die haben leider weniger gestunken, aber auch okay geschmeckt.

Dann aber ging’s los: Fleisch gab’s! Von der Kuh! Von irgendjemandem in mühevoller Arbeit vorgekaut! Sie nennen es Hackfleisch, vermutlich weil es nur für Hunde ist, die in der Rudelhackordnung ganz oben stehen so wie ich. Kannte ich gar nicht, und ich muß sagen: geiles Zeug.

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Eine Kolumne von Robert Saemannn-Ischenko

7. Folge: Wie auf der Sklavengaleere

Dass der Tag mit diesem anstrengenden Aufstehen beginnt, ist schade, aber hinnehmbar, solang es dann flott Frühstück gibt. Richtig blöd dagegen finde ich, dass mein Mensch so ein Frühsportfanatiker ist und ich jeden Morgen rausmuß. Alles, was ich brauche, habe ich nämlich daheim: Fressen, Schlafplätze für alle Temperaturen, einen Garten mit Blumen in perfekter Abbeißhöhe. Und den Fernseher. Umgekehrt gibt es im Dschungel auf der anderen Seite des Zauns nur Dornen, Gräben, Nesseln, Bäche. Alles ist entweder naß oder sticht. Manchmal auch beides. Keine Ahnung, was mein Mensch in diesem Dschungel will. Vermutlich weiß er es selber nicht.

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Nasse Tage in Cowal

Rotkahlwild-„Jagd auf eigene Faust“ in Cowal/Schottland im November 2014 – Ein Reisebericht von Robert Saemann-Ischenko

1. Tag

Naß, nasser, Cowal im November. Selbst die Eingeborenen der Halbinsel im Südwesten Schottlands geben zu, es sei wet. Noch nicht very, aber immerhin quite. Nach einer halben Stunde Ansitz ist das Wachs runter von den Bergschuhen und der Regen drin im altersschwachen Fernglas. Wobei „Anlage“ es besser treffen würde: Ich kauere im Heidekraut und strecke mich nur alle fünf Minuten so weit hoch, dass ich gerade eben durchs Gras über den Horizont schielen kann – ist es schon da, das Rotwild, dessentwegen wir hier sind? Nö. Nur Regen, den der Sturm in so dichten Schauern von links nach rechts über den Kahlschlag treibt, dass er die Fernsicht nimmt wie Nebel. Dabei könnte man hier weit schauen, denn die für die wenig zimperliche schottische Forstwirtschaft typischen Harvester haben hier Dutzende Hektar Fichtenwald in eine Mondlandschaft verwandelt. Das dürre Gras zwischen den Stümpfen würde in Deutschland kein Rotwild interessieren, den schottischen Kollegen aber genügt’s, der Menge an Losung nach zu urteilen.

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Eine Kolumne von Robert Saemannn-Ischenko

6. Folge: Her mit dem Käse!

Mein Fazit der ersten Tage in diesem Deutschland: Wäre ich doch in der Slowakei geblieben!

Ich hatte sozusagen kaum meinen Koffer ausgepackt, als es schon losging. Gleich am allerersten Morgen sind wir spazierengegangen. Dachte ich jedenfalls. Das war aber kein Spaziergang, das war ein Überlandmarsch! Das waren klar über 100 Meter! Noch dazu tickt der Typ nicht ganz sauber: Hier hat’s überall 1a Wege, sogar im letzten Waldzipfel – und was macht er? Marschiert ungerührt durchs Dicke. Sogar durch die Himbeeren ist er gestiefelt, vor denen Mama uns immer gewarnt hat. Ihren Merkspruch konnten wir alle schon mit zwei Wochen aufsagen: Ein BGS geht bloß durch Beeren/wenn er sich nicht mehr kann wehren/Dornen nimmt er nur für schwarzes Wild in Kauf/sonst führt weit außenrum des Schweißis Lauf!

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5. Folge: Schaf. Karpaten, Südwestlage.

Die erste Nacht im neuen Heim war so lala. Ich durfte mit hoch ins Schlafzimmer der beiden, und dort haben sie mich in ne Kiste gepackt, aus der ich nicht rauskonnte. Wollte ich aber gar nicht, weil: Schlafen ist ja wohl das Schönste auf der Welt. Außer Fressen natürlich. Manchmal kommt Schmusen noch davor, aber nur, wenn ich nicht müde bin. Allerdings bin ich immer müde. Und wenn ich’s nicht bin, werde ich es vom Schmusen. In der Kiste jedenfalls lag ein Fell. Von meinem Vorgänger, dachte ich zuerst, aber meine Schnüffelanalyse ergab: kein Hund, sondern Schaf. Karpaten, Südwestlage. Aber auch schon lange tot. Vermutlich an Überhitzung gestorben, so lang wie das Haar an dem Fell war. Mir war’s recht, denn mir ist so schnell nichts zu warm.

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4. Folge: Verdammt, das ist Gemüse!

Schon wieder eine Pause. Mann, die müssen aber auch wirklich ständig pinkeln, diese Menschen!

Ach nee, ist gar keine Pause, wir sind da, meinen die. Und dass das nun 1200 Kilometer waren. Keine Ahnung, ob das viel ist, aber fest steht auf jeden Fall: Ich habe selten so gut geschlafen!

Aber auch selten so einen Kohldampf geschoben!

Immerhin das merken die mal. Schon kommt der große Kerl mit dem Napf, in dem er mir bisher immer diese Pinscherportionen gegeben hat. Los, das muß schneller gehen! Mal schauen, was es gibt. Und vor allem, wieviel.

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Eine Kolumne von Robert Saemann-Ischenko

3. Folge: Zurücktrampen kann ich immer noch…

Gääääähn! Woah, habe ich gut geschlafen auf diesem Wunderbett. Und zwar, ohne dass ich ständig eine Pfote im Auge hatte oder einer mir genau ins Ohr schnarcht.

Oder haben die mir was gegeben? Man hört ja viel von diesen K.o.-Tropfen, und ich kenne diese Menschen hier kaum. Die hören sich nicht an, als wären sie von hier, da geht’s ja schon los. Außerdem flüstern sie immerzu, wenn ich schlafe – was die wohl zu verbergen haben?

Hm, hm, hm. Riechen tue ich allerdings keine Gefahr.

Also sind sie entweder harmlos. Oder gute Schauspieler…

Naja, ich bleibe erst mal bei ihnen und schaue, was sie mir zu bieten haben. Zurücktrampen kann ich immer noch.

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Eine Kolumne von Robert Saemann-Ischenko

2. Folge: Boah, habe ich Hunger!

Ich bin dann wohl doch eingeschlafen, glaube ich. Nicht richtig natürlich, eher so dösmäßig, schließlich halte ich den Haufen hier ja zusammen, ne. Als ich wieder aufgewacht bin, war jedenfalls Mama immer noch weg. Und die anderen Pupsis auch, wobei die mir in letzter Zeit schon ganz schön auf die Rute gegangen sind. Nie haben die mich in Frieden fressen lassen, nie durfte ich in Ruhe unsere Decke zernagen, immer kam mindestens einer dieser Rüpel und hat gestört. Ein Benehmen wie bei Terriers unterm Sofa! Ich habe denen empfohlen, mal die Vaterschaft klären zu lassen, aber das gab gleich eine Rüge von Mama, dabei stimmt’s.

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Eine Kolumne von Robert Saemann-Ischenko

1. Folge: Weg von Mama, verdammt!

Wau, hier geht’s ja ab! Gestern abend kamen neue Menschen vorbei und haben mich besucht. Meine Geschwister schon auch, aber vor allem mich, das habe ich genau gemerkt. Die haben mich voll genau angeschaut und überall begrabbelt und ständig hochgehoben, und dazu haben sie gequietscht, als würde ihnen jemand auf die Pfoten treten. Mama fand die nett, aber Mama findet immer alle nett. Tante Jolana ist da schon kritischer, die bellt immer erst mal wie wild. Aber wenn man genau hinhört, merkt man, dass sie auch nur auf den Schoß will. Wobei es mit dem Hinhören bei den Menschen so eine Sache ist, die merken ja nicht viel. Wenn ich mit meinen sechs Schwestern und Brüdern in der Vorzeigekiste bin (Mama nennt sie immer „Catwalk“, keine Ahnung warum), wissen die Menschen nach ein paar Wuseleinheiten nicht mehr, wer wer ist, obwohl wir uns ja nun echt total unterschiedlich anhören und -riechen. Und von tiefer Nase haben diese Zweibeiner auch noch nichts gehört, das sagt ja schon alles.

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