Schlagwort-Archive: Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel

“Reset-Knopf drücken”: Prof. Pfannenstiel fordert Neuanfang bei der DVO Jagd

+++ LJVB-Präsident veröffentlicht ebenfalls Offenen Brief zur DVO: “Die geplanten Änderungen werden wir gut ertragen können. Sie sind weder der Untergang des Jagdverbandes noch der Untergang weidgerechter Jagd.” +++

Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel hat aus Anlass der skandalösen Durchführungsverordnung zum Brandenburger Jagdgesetz (DVO Jagd) einen Offenen Brief an den Brandenburger Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) geschrieben, in dem er sein “Entsetzen” über die geplanten Bejagungsrichtlinien und Jagdzeiten äußert. Wir veröffentlichen das Schreiben im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Minister,

in Ihrem Hause wurde eine Novellierung der Durchführungsverordnung zum Jagdgesetz des Landes Brandenburg erarbeitet. Der DVO-Entwurf wurde vor knapp drei Wochen den Unteren Jagdbehörde der Landkreise im Sinne einer „breiten Partizipation“ zugeleitet. Die dafür zugemessene Zeit ließ allerdings eine intensive Beteiligung kaum zu. Zudem wurde im Begleitschreiben betont, dass einmal die fachliche Beratung nahezu abgeschlossen sei und zudem die vorliegende „Fassung von allen beteiligten Seiten mitgetragen wird.“ Letztere Aussage kann sich allerdings lediglich auf die den Landesjagdbeirat konstituierenden Personen beziehen.

Weiterlesen

Bemerkungen zu Hund-Wolf-Hybriden

Ein Beitrag von Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel

Granlund (2015) diskutiert die Frage der Hybridisierung ausführlich. Seiner Meinung nach handelt es sich bei den gegenwärtig in Deutschland lebenden Wölfen ausschließlich um Hybriden, was bedeutet, dass unsere Schutzmaßnahmen reinrassigen Wölfen eher schaden. Ähnlicher Meinung ist Geist (2016).

Boitani et al. (2015) halten geringe Akzeptanz, Lebensraumverlust durch Infrastrukturmaßnahmen, Verfolgung, Hybridisierung mit Hunden, schlechtes Management und Unfalltod für die wichtigsten Bedrohungen für den Wolf in Europa. Das hindert einen der Autoren dieser Arbeit nicht daran, sich so zur Hybridisierung zu äußern:

Zitat: „Für die deutschen Wölfe stellt sich das Hybridproblem nicht, weil es keine frei herumstreifenden Hunde gibt wie z. B. in Italien oder Griechenland. Wandernde Jungwölfe finden einen wölfischen Geschlechtspartner oder bleiben einsam. Dennoch ist ein intensives Monitoring der Wölfe auch aus der Sicht der Hybridenvermeidung eminent wichtig. Es gilt, den Anfängen zu wehren.“ (Wotschikowsky 2014).

Die Möglichkeit, dass aus dem Süden oder aus dem Osten zuwandernde Hybriden ihre Gene nach Deutschland mitbringen, wird anscheinend vollkommen ausgeblendet oder möglicherweise bewusst verschwiegen.

Botani weist 1983 auf die hohe Wahrscheinlichkeit der Wolf-Hund-Hybridisierung in Italien hin. Dort gibt es sehr viele verwilderte Haushunde in den Wolfsgebieten. Auch Randi et al. haben 2011 das hohe Risiko der der Einschleppung von Hundegenen in den Genpool der italienischen Wölfe betont. Noch 1999 fanden Vilá und Wayne einen geringen Hybridisierungsgrad italienischer Wölfe. 2014 haben Randi et al. dann für die von ihnen untersuchten italienische Wölfe festgestellt, dass die Frequenz von rückgekreuzten Individuen und solchen mit Introgressionen von Hundegenen inzwischen bei fast 90 Prozent liegt. Die Häufigkeit bei F1- und F2-Hybriden liegt bei über 12 Prozent. In Deutschland liegt der Fall insoweit anders, als es hier nicht annähernd so viele verwilderte Haushunde in der freien Natur gibt wie in Italien. Glaubt man jedoch den Zahlen des Landesumweltamtes Brandenburg (2019), dann gehen immerhin 22 Prozent der Risse von Weidevieh und Gehegewild auf das Konto von Hunden. Die Zahl möglicher Geschlechtspartner des Wolfs in Form von Haushunden scheint also auch bei uns nicht gegen Null zu gehen. Zudem gibt es ja dokumentierten Genaustausch zwischen den europäischen Subpopulationen des Wolfs (Landesumweltamt Brandenburg 2019), was die Wahrscheinlichkeit der Einschleppung von Hundegenen in unsere Subpopulation erhöht.

Die Frage nach Hybriden wird bei uns als nahezu bedeutungslos abgetan. Linnell und Boitani haben allerdings schon 2011 eine Schutzstrategie für den Wolf angemahnt, die konsequent nach Hybriden fahndet und dabei kostengünstige Monitoringverfahren nutzt. Es gibt auch außerhalb Italiens von Untersuchungen, die in Sachen Hybridisierung ein anderes Bild zeigen als das, was uns in Deutschland eingeredet wird. Für Spanien haben beispielsweise Godinho et al. (2011) häufiges Vorkommen von Hybridisierung anhand genetischer Merkmale festgestellt. Auch morphologisch-anatomische Merkmale deuten gelegentlich auf Hybridisierung hin. Ein Beispiel dafür ist das Vorhandensein einer Daumenkralle bei manchen “Wölfen” in der Toskana (Ciucci et al. 2011). Die Daumenkralle fehlt reinrassigen Wölfen, ist jedoch für große Hunderassen typisch.

2003 gab es bereits einen Fall der Hybridisierung Wolf-Hund in der Lausitz. Damals ist es nicht gelungen, alle Hybriden einzufangen, auch wenn das BMU anderes feststellt.

Zitat: „In Deutschland wird seit einiger Zeit ein intensives, auch genetisches Monitoring der Wolfspopulation durchgeführt. Seit einem Hybridisierungsfall im Jahr 2003 – die Tiere sind seinerzeit allesamt der Natur entnommen worden – konnte in dem umfangreichen genetischen Probenmaterial, das von den Ländern erhoben wird, bis 2017 kein weiterer Nachweis für einen Wolfshybriden geführt werden. In Thüringen wurden 2018 drei Wolfshybride getötet. Das Thema Hybridisierung besitzt in Deutschland dennoch bisher nur eine kleine Relevanz.“

Bei der vom BMU erwähnten Hybridisierung in Thüringen auf dem Standortübungsplatz Ohrdruf sind nach wie vor zwei der ursprünglich sechs Hybriden in freier Wildbahn. Die Angaben des BMU über den Verbleib der Hybriden sowohl in der Lausitz als auch in Ohrdruf entsprechen nicht den Tatsachen. Man kann das nur als weiteren Versuch werten, abzuwiegeln und zu beschönigen, wenn es um den Wolf in Deutschland geht!

Auch in Estland und Lettland wurden ebenfalls Hund-Wolf-Hybriden molekulargenetisch nachgewiesen (Andersone et al. 2002, Hindrikson et al. 2012). In Lettland wurden dabei auch erstmals für Europa Nachkommen einer Haushündin und eines Wolfsrüden gefunden. Bei den bisher dokumentierten Hybridisierungsfällen waren Wolfsfähen von Hunderüden gedeckt worden. Da zwischen unseren Wölfen und den nordosteuropäischen ebenfalls Genaustausch besteht und unser Wolfsbestand ja größtenteils von Osteuropa seinen Ursprung genommen hat, ist die Ausbreitung von Hundegenen auch aus dieser Richtung denkbar.

Die Veröffentlichung aller in Deutschland am Wolf erhobenen genetischen Daten in einer allgemein zugänglichen Datenbank steht nach wie vor aus. Insofern ist es nicht verwunderlich, wenn diejenigen Aussagen zu Herkunft, Verwandtschaft und zum Hybridisierungsgrad unserer Wölfe oft in Zweifel gezogen werden, die unter Bezug auf diese genetischen Daten von Behörden und manchen Naturschutzverbänden gemacht werden.

Wenn unsere Wölfe, wie von einigen Wissenschaftlern durchaus diskutiert (siehe oben), ohnehin zu einem erheblichen Prozentsatz Hybriden sind, dann sind unsere Artenschutzmaßnahmen Artvernichtungsmaßnahmen. Zur Erhaltung der Art Canis lupus hilft dann nur entschlossenes Handeln, also Fang oder Erlegung aller Hybriden. Der Schutzstatus der FFH-Richtlinie und des Naturschutzgesetzes darf für Hybriden nicht gelten. Die offizielle Rechtslage ist allerdings nach Angaben des BMU (2019 b) eine andere.

Zitat: „Hybriden in den ersten vier Generationen unterliegen dem gleichen Schutzstatus wie Wölfe. Dies ergibt sich aus der Verordnung (EG) Nummer 1497/2003 zur Änderung der Verordnung (EG) Nummer 338/97 der Kommission des Rates über den Schutz von Exemplaren wild lebender Tier- und Pflanzenarten durch Überwachung des Handels. Der Wolfs ist im Anhang A der oben genannten Verordnung aufgeführt und damit gemäß § 10 Absatz 2 Nummer 11a) Bundesnaturschutzgesetz eine streng geschützte Art. Daraus ergibt sich, dass auch Hybriden dem Artenschutz unterliegen. Hybriden dürfen demnach im Rahmen der Jagdausübung nicht wie Hunde geschossen werden. Für ihr Entfernen aus der Natur bedarf es immer einer naturschutzrechtlichen Ausnahmegenehmigung nach Paragraph 45 Absatz 7 Nummer 2 Bundesnaturschutzgesetz. Dies ist aus Artenschutzsicht ausdrücklich zu begrüßen, da ansonsten die Gefahr bestünde, dass Wölfe als vermeintliche Hybriden geschossen werden.

Aus Sicht des internationalen Artenschutzes sind Hybridisierungen zwischen Wildtierarten und ihren domestizierten Formen, in diesem Fall Wölfen und Haushunden, eindeutig unerwünscht und sollen unter allen Umständen vermieden werden. Wenn es bereits zu Hybridisierungen gekommen ist, gilt es daher, alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um eine weiterer Ausbreitung von Haushundgenen in der Wolfspopulation zu verhindern. Vorhandene Hybriden sollten so schnell wie möglich aus der Natur entnommen werden.“
Die vom BMU angemahnte Vorgehensweise beim Entfernen von Hybriden aus der Natur ist ein gutes Beispiel dafür, wie die um den Wolf herum entstandene Vielfalt von Rechtsvorschriften und die Unzahl von Organisationen, die sich offiziell und anderweitig um den Wolf kümmern, unser Jagdrecht aushöhlen. Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel

Beitragsbild: Ein Wolf. Oder? Foto: Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel

Kurze Replik zu den Ausführungen von RA Jens Ole Sendke

Ein Beitrag von Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel

Hier zeige ich der geneigten Leserschaft Bilder eines LR, einen „Fels in der Brandung der Zeit“, wie es der von mir hochgeschätzte Rechtsanwalt Jens Ole Sendke ausgedrückt hat. Bei meiner vorerst letzten Jagd in Namibia konnte ich mich von den überragenden Qualitäten dieses Gefährts überzeugen. Allerdings wäre es ehrlicher zu sagen, ich musste mich überzeugen lassen. Denn dieser Fels, auf den Jens Ole Sendke anscheinend einen Großteil seines Privatlebens aufgebaut hat, bescherte uns einen nächtlichen Gewaltmarsch durch die von ihm so eindrucksvoll beschrieben Wildnis des südlichen Afrikas. Ich sage deshalb uns, weil meine Frau, als Ehefrau eines Jägers durchaus einschlägig leidgeprüft, diesen Marsch auch durchstehen musste. Doch der Reihe nach.

Weiterlesen

Zurück zur englischen Blechschüssel

Ein Beitrag von Jens Ole Sendke

Die Ausführungen des von mir geschätzten Prof. Dr. Pfannenstiel zu klassischen Land Rovern im Allgemeinen und seinem KIA im Besonderen verdienen es durchaus, in einen größeren Gesamtzusammenhang gestellt zu werden. Die von Prof. Dr. Pfannenstiel empirisch ermittelten  Sachverhalte und dargebotenen subjektiven Wahrnehmungen können natürlich nur vor dem Hintergrund von Tatsachen durch die Leser richtig bewertet und eingeordnet werden. Guter Journalismus (wie bei JAWINA üblich) und echte Wissenschaft orientieren sich ausschließlich an  Fakten!

Die vorgestellte „koreanische Reisschüssel“ (Man tut dem Hersteller KIA unrecht, da dort nie Küchengeräte hergestellt wurden, sondern KIA 1944 zur Produktion von Fahrrädern gegründet wurde) ist also neun Jahre alt und hat 130.000 km auf dem Tacho. In einer Zeit, in der Neuwagen für drei Jahre geleast werden und drei Jahre alte Diesel-PKW als „ältere Diesel“, die aus Umweltschutzgründen mit Fahrverboten belegt werden müssen, bezeichnet werden, scheinen neun Jahre für ein Auto ein biblisches Alter zu sein.  … wäre da nicht dieser Fels in der Brandung der Zeit, unbeeindruckt umspült von der Vergänglichkeit: der klassische Land Rover! Nach Angaben des Herstellers sind ca. 2/3 der seit 1948 (da baute KIA noch Fahrräder) hergestellten Land Rover noch heute in Betrieb. Es wundert den Fachmann deshalb kaum, dass der 1954 gebaute Land Rover von Sir Winston Churchill (KIA fahrende herausragende Persönlichkeiten – außer Prof. Dr. Pfannenstiel – sind leider nicht bekannt) „UKE 80“ im Jahr 2012 in einer Scheune wiederentdeckt wurde und als Gebrauchtwagen sogar noch einen ordentlichen Preis erzielte. Oder dass im vergangenen Jahr einer der Land Rover der Oxford & Cambridge Far Eastern Expedition (1955) aus Singapur zurück geholt (dass ein KIA die Strecke London – Singapur absolviert hat, ist leider auch nicht bekannt) und mittlerweile mit seinem Originalkennzeichen „SNX 891“ im Vereinigten Königreich wieder für den Straßenverkehr zugelassen wurde. Der Autor (leider keine wirklich herausragende Persönlichkeit) besitzt übrigens einen Land Rover, der 30 Jahre alt ist und 472.000 km auf der Uhr hat. Das entspricht zehn Leasing-Fahrzeugen (s.o.), wenigstens drei KIA Sorento und außerdem gut 16 Mal der Strecke London – Singapur. DAS ist wirkliche Langlebigkeit, Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung! Einen Land Rover kauft man sich eben nur ein Mal, der ist ein Auto fürs ganze Leben!

Weiterlesen

Pfannenstiel kontert mit koreanischer Reisschüssel

Den englischen und japanischen Blechkisten setzt Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel seine “koreanische Reisschüssel” entgegen – leider außer Konkurrenz, da die (flexibel gehandhabten) Teilnahmebedingungen eine mindestens zweistellige Zahl beim Alter und eine mindestens dreistellige beim Kilometerstand voraussetzen:

Diese koreanische Reisschüssel stammt aus dem Jahr 2009 und hat knapp 130000 km auf dem Tacho. Es ist mein dritter Sorento. Das sagt wohl einiges aus hinsichtlich der Qualität und Zuverlässigkeit des Wagens. Wie man sieht, kann man damit auch regelmäßig 1000 Liter Wasser zur trockenen Suhle bringen. Über die englische Blechkiste habe ich mich als erster Vorsitzender des VLRG echauffiert (VLRG – Verband der Land Rover-Geschädigten). Diesen Verband habe ich im Jahre 2000 gegründet, nachdem ich mehr als 5000 km mit einem Land Rover damals älteren Baujahrs in Namibia unterwegs war.

Weiterlesen

Prof. Pfannenstiel: Wolfs-Lobby täuscht Öffentlichkeit

Im Celler Kurier ist ein Interview mit Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel zum Thema Wolf erschienen. Es geht u.a. um die Probleme mit dem Wolf in der Kulturlandschaft, das Versagen von Herdenschutzmaßnahmen, den Schutzstatus des Wolfs in verschiedenen EU-Ländern – und die Probleme, in Deutschland ein praktikables Wolfsmanagement durchzusetzen, weil Politik und Naturschutzverbände miteinander auf ungute Weise verbandelt sind. Leseempfehlung!

Beitragsbild: Headline des empfohlenen Beitrags im Celler Kurier (Screenshot)

Die Red. dankt den JAWINA-Lesern TU, KB und SG für ihre Hinweise!

Der Wolf in unserer Kulturlandschaft

Ein Beitrag von Prof. Dr. rer. nat. Hans-Dieter Pfannenstiel, Diplom-Biologe

Deutschland ist Wolfsland

Deutschland gehört zum angestammten Vorkommensgebiet der Art Canis lupus. Der Wolf breitet sich in einer Kulturlandschaft aus, die sich seit seiner Ausrottung erheblich verändert hat: z. B. stark gewachsene Zahl von Menschen und Siedlungsräumen, extreme Verdichtung von Verkehrswegen. Ohne Begrenzung der Zahl der Wölfe bzw. Festlegung von Gebieten, in denen Konflikte mit Menschen sehr wahrscheinlich sind, wird die Situation in absehbarer Zeit unbeherrschbar werden.

Der Wolf – eine bedrohte Art?

Die Art Canis lupus ist weder gefährdet noch gar vom Aussterben bedroht, trotz häufiger gegenteiliger Bekundungen. Im nördlichen Eurasien und in Nordamerika gibt es seit jeher große vitale Populationen. Der Artenschutz liefert keine wildbiologischen oder populationsökologischen Gründe, weswegen der Wolf nicht in Deutschland planmäßig bejagt werden könnte, wie es viele unsere Nachbarn in Europa tun, ohne ihren jeweiligen Wolfsbeständen zu schaden. Artenschutz wird gelegentlich mit Tierschutz verwechselt. Diese Verwechslung führt dazu, dass der ideologisch motivierte Naturschutz hierzulande den Wolf unter allen nur denkbaren Umständen für unantastbar hält. Dieser Einstellung liegt auch eine weitere Verwechslung zu Grunde. Oft werden Population und Bestand nicht sauber definiert und auseinandergehalten. Dieser Unterschied ist aber deshalb sehr wichtig, weil die EU-Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen, genannt Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-R) von Populationen im Sinne der biologischen Definition und nicht von lokalen Beständen spricht.

Weiterlesen

Symposium Artenschutz und Prädatoren: “Schonzeit für Jungtiere von Prädatoren provoziert weitere Verluste rückläufiger Arten”

Lässt die Bejagung von Waschbär und Co. den Raubwildbestand erst recht in die Höhe schnellen? Dieses von Jagdgegnern und Tierschützern bejahte Dogma wiesen der Biologe Prof. Hans-Dieter Pfannenstiel sowie Fangjagdexperten auf dem Symposium „Artenschutz und Prädatoren“ der Jägervereinigung Oberhessen am 29.8. in Grünberg (Kreis Gießen) entschieden zurück. Pfannenstiel: „Die Lebensraumkapazität bildet die Obergrenze. Bejagung senkt die Prädatorendichte.“

Zwar versuche das Raubwild (ebenso wie Schalenwild) Bejagung durch eine höhere Reproduktionsrate auszugleichen. „Aufgabe der Jäger ist es daher“, so der Zoologe, „zur Hege des Niederwilds und zum Schutz bedrohter Arten die Beutegreifer (einschließlich Schwarzwild) dauerhaft unterhalb dieser Kapazitätsgrenze zu halten“. Deshalb ist nach den Worten des emeritierten Hochschullehrers der FU Berlin eine intensive und dauerhafte Prädatorenbejagung unerlässlich. Pfannenstiel: „Eine Schonzeit auch für Jungtiere von Prädatoren provoziert weitere Verluste rückläufiger Arten.“

Weiterlesen

ÖJV attackiert Pfannenstiel

Der Ökologische Jagdverband Brandenburg (ÖJVB) hat eine Erwiderung auf die von Prof. Pfannenstiel verfasste Denkschrift “Der Wolf in unserer Kulturlandschaft – geht das konfliktfrei?” veröffentlicht. Darin fordert der ÖJVB die Rückkehr zu einer “sachlichen Auseinandersetzung”. Wie das gelingen soll, wenn man selbst anstelle von Sachargumenten polemische und persönliche Angriffe auf Andersdenkende vorbringt, erschließt sich nicht. Auf den Menschen, statt auf die Sache zu zielen, war schon immer ein untrügliches Anzeichen für den Mangel an Argumenten. Im folgenden dokumentieren wir den Wortlaut der Pressemitteilung des ÖJVB.

Es wird Zeit, die Stimmungsmache gegen den Wolf und das staatliche Wolfsmanagement zu beenden. Der Ökologische Jagdverein Brandenburg fordert die im Forum Natur zusammengeschlossenen Verbände auf, zu einer sachlichen Auseinandersetzung zurückzukehren

Mit der am 26. Januar dieses Jahres in Kraft getretenen Wolfsverordnung beschreibt das Land Brandenburg nach intensiven Beratungen mit allen betroffenen Interessengruppen, wie mit Wölfen umzugehen ist, die für die Weidewirtschaft oder für die Sicherheit der Menschen zu einem unkalkulierbaren Risiko geworden sind. Die konsequente Vergrämung und gegebenenfalls die Entnahme solcher Tiere sind unabdingbar, um das mit dem Managementplan des Landes verfolgte Ziel einer möglichst konfliktarmen Nachbarschaft von Mensch und Wolf in der Kulturlandschaft zu erreichen. Das Land hat sich aus guten Gründen dazu entschieden, notwendig werdende Abschüsse einzelner Wölfe oder bestimmter Rudel außerhalb des Jagdrechts zu regeln. Grundlage für eine solche Maßnahme ist immer eine Behördenentscheidung des Landesamtes für Umwelt. Auf dieser und nur auf dieser Grundlage handeln die mit der Wolfsjagd Beauftragten, in erster Linie die Jagdausübungsberechtigten in den entsprechenden JagdbezirkenJäger, die noch nicht ganz den Kontakt zur gesellschaftlichen Realität verloren haben, sind angesichts der brutalen Polarisierung, die jeder Wolfsabschuss mit sich bringt, dankbar dafür, dass der Staat in dieser Angelegenheit die Verantwortung übernimmt.

Weiterlesen

Der Wolf in unserer Kulturlandschaft – geht das konfliktfrei?

Der Wildbiologe Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel, hat die folgenden Gedanken zum Wolf in der Kulturlandschaft gestern (23.03.) an die Fraktionsvorsitzenden im Landtag Brandenburg, an alle Präsidenten der Landesjagdverbände und des DJV, an das Forum Natur Brandenburg und an den Deutschen und Brandenburger Bauernverband geschickt. Es werde höchste Zeit, so Pfannenstiel, “dass wir Jäger mit einer Stimme sprechen und die Vogel-Strauß-Politik beenden, bevor die Akzeptanz für den Wolf im ländlichen Raum bei Null angelangt ist.” Rückmeldung “von Kritik und guten Gedanken zum Thema” sind ausdrücklich erwünscht.

Der Wolf – eine bedrohte Art?

Die Art Canis lupus ist nicht vom Aussterben bedroht, trotz häufiger gegenteiliger Bekundungen von Politik und Ökofantasten. Im nördlichen Eurasien und in Nordamerika gibt es seit jeher große vitale Populationen. Der Artenschutz liefert keine wildbiologischen oder populationsökologischen Gründe, weswegen der Wolf nicht in Deutschland planmäßig bejagt werden könnte, wie es viele unsere Nachbarn in Europa tun, ohne ihren jeweiligen Wolfsbeständen zu schaden. Artenschutz wird gelegentlich mit Tierschutz verwechselt. Diese Verwechslung führt dazu, dass der ideologisch motivierte Naturschutz hierzulande den Wolf unter allen nur denkbaren Umständen für unantastbar hält. Dieser Einstellung liegt auch eine weitere Verwechslung zu Grunde. Oft werden Population und Bestand nicht sauber definiert und auseinandergehalten. Dieser Unterschied ist aber deshalb sehr wichtig, weil die EU-Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen, genannt Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-R) von Populationen im Sinne der biologischen Definition und nicht von lokalen Beständen spricht.

Weiterlesen