Schlagwort-Archive: New York Times

Arktische Kindheit

Die New York Times (NYT) zeigt einen Kurzfilm des französischen Dokumentar- bzw. Dokufiktionfilmers Samuel Collardey mit dem Titel Arctic Boyhood. Der kurze Clip ist eine Auskopplung aus Collardeys Film “A Polar Year” [Ein Polarjahr], in dem er ein Jahr lang die Bewohner des 60-Seelen-Dorfs Tiniteqilaaq im Osten Grönlands begleitet. Neun Monate des Jahrs ist das Dorf durch Schnee und Eis vom Rest der Welt abgeschlossen. Die Kurz-Doku zeigt einen Tag im Leben des acht Jahre alten Tunumiit-Jungen Asser Boassen, der bei seinen Großeltern aufwächst und davon träumt, eines Tages ein großer Jäger zu werden. Schon in dem nur wenige Minuten langen Kurzfilm gelingt es Collardey, die Atmosphäre des arktischen Dorfs einzufangen. Die atemberaubenden Naturaufnahmen und die Intensität der Sequenzen, die den Jungen bei Jagdausflügen mit dem Großvater zeigen oder seine Großmutter von den Taten des mythischen Jägers Qajaarngaa erzählt – das muss man gesehen haben. SE

Beitragsbild: Arctic Boyhood von Samuel Collardey auf der Internetseite der NY Times (Screenshot).

Um Elche zu jagen: Trump-Sohn schüttelt Personenschützer ab

Donald Trump Jr., der älteste Sohn von Donald Trump, bekanntlich Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, hat sich der Personenschützer vom Secret Service entledigt, um im kanadischen Yukon Territory Elche zu jagen. Schon bei der Anreise wurde er auf dem Flughafen von Whitehorse erkannt – ausgerechnet von einer Freundin des New York Times-Reporters Luke Dittrich, der ebenfalls auf dem Weg nach Yukon war, wo er (seufz!) ein Apartment besitzt. Trump Jr. reiste mit einem normalen Linienflug an, Economy Class, sein Gepäck bestand aus einem auffallenden Koffer für einen Jagdbogen und einem Seesack, seine Begleiter waren ein älterer Mann, vermutlich ein Mitjäger sowie ein Jugendlicher, geschätzt Anfang 20 – beide sahen so gar nicht nach Secret Service aus. Luke Dittrich schreibt, dass es leicht für ihn gewesen wärem Trump Jr.’s Aufenthaltsort zu recherchieren: Der Yukon sei riesig und winzig – die Landmasse von Frankreich und eine Bevölkerung von 33.897, die allermeisten davon in Whitehorse, man kennt sich in der Outfitter-Szene.

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Hühner retten Wildtiere

Über einen so interessanten wie pragmatischen Ansatz, afrikanische Wildtiere vor der lokalen Ausrottung zu bewahren, berichtet Richard Conniff in der New York Times. In “Chickens Can Help Save Wildlife” beschreibt er den durch die rasante Bevölkerungszunahme enorm gestiegenen Druck auf Wildtierpopulationen in vielen afrikanischen Ländern. Nicht nur, dass menschliche Siedlungen, Weiden und Anbauflächen immer mehr Wildnisflächen und damit Habitate beanspruchen – für viele Menschen in Afrika stellen durch Fallen, Schlingen oder Schusswaffen illegal erbeutete Wildtiere, das sogenannte Bushmeat, die einzige oder hauptsächliche Proteinquelle dar. Modernere Waffen, Kraftfahrzeuge, kommerzielle Vermarktung und das Bevölkerungswachstum hätten zu einem regelrechten Overkill geführt, schreibt Conniff. 15 Millionen Wildtiere werden pro Jahr im brasilianischen Amazonasgebiet gewildert, 579 Millionen in Zentralafrika. 301 terrestrische Säugetier-Spezies sind durch die Bushmeat-Produktion von Ausrottung bedroht, darunter Bonobos und Gorillas.

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Leseempfehlung: Schafe – die “ultimative jagdliche Herausforderung”

Warum Jäger die eigentlichen Naturschützer sind – Trophäenjagd als Artenschutz

In einem reich bebilderten Artikel “The Ultimate Pursuit in Hunting: Sheep” von John Branch berichtet die New York Times über eine der exklusivsten Jagdarten: Die Jagd auf Wildschafe gilt Eingeweihten als die jagdliche Herausforderung. Zum einen, weil die Jagd auf die scheuen und wachsamen Tiere wochenlanges Pirschen in Hochgebirgslagen erfordert und dem Jäger damit physische Strapazen auferlegt und jagdliches Können verlangt wie kaum eine andere, zum anderen, weil zuvor glamouröse Summen als Eintrittsgeld zu entrichten sind. Lizenzen für den Abschuss eines Trophäenträgers – sehr alter männlicher Tiere, die an der Reproduktion oft nicht mehr teilnehmen und ohnehin bald eines natürlichen Todes sterben würden – werden für sechsstellige Dollarbeträge versteigert. Der Rekord liegt bei 480.000 Dollar für eine Lizenz auf ein Rocky Mountains Dickhornschaf, die 2013 in Montana versteigert wurde. Zu behaupten, dass die Wildschafjagd ein Sport für reiche Männer sei, sei absolut korrekt, sagt ein von der NY Times interviewter Schafjäger, der hinzufügt: “Aber wenn es die reichen Männer nicht gäbe, wären auch die Schafe nicht mehr da.”

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Lesefrüchte 3: Jagdverbot entzieht Dorf die Existenzgrundlage

Aufmerksame Jawina-Leser haben ähnliche Geschichten schon gehört, aber das macht nichts: Manche unliebsame Wahrheit kann man nicht oft genug verbreiten: Vor zwei Jahren hat Botswana die umstrittene Trophäenjagd verboten, die New York Times hat sich in dem abgelegenen Dorf Sankuyo im Okawango-Delta umgesehen und die verheerenden Folgen des Jagdverbots dokumentiert: “A Hunting Ban Saps a Village’s Livelihood” ist der Artikel von Norimitsu Onishi überschrieben. Ein Dorfbewohner bringt es auf den Punkt: “Früher, als es die Jagd gab, wollten wir diese Tiere beschützen, weil wir gut an ihnen verdient haben – heute haben wir keinen Nutzen von ihnen. Die Elefanten und Büffel zerstören unsere Felder und nachts kommen die Löwen in unsere Kraals.” Großraubwild wird zudringlicher, wenn es dunkel wird, trauen sich die verängstigten Dorfbewohner nichts mehr ins Freie.

Auch die Einkommenssituation der Dorfbewohner hat sich drastisch verschlechtert: Über Jahre hinweg haben die Abschuss- und Lizenzgebühren der Trophäenjäger und die Einnahmen für Tracking, Trophäenaufbereitung und andere Dienstleistungen Geld nach Sankuyo gebracht – Geld, das verwendet wurde, um Toiletten und Brunnen zu bauen und Häuser für die Ärmsten. Die Erlöse aus der Tropäenjagd finanzierten Stipendien für die Jungen und Renten für die Alten. Im Jahr 2010 hat Sankuyo 600.000 Dollar an der (nachhaltigen!) Erlegung von gerade einmal 120 Tieren verdient – das ist vorbei. “Das war das, was den Leuten den Schutz der natürlichen Ressourcen nahebrachte: Wir haben ihnen gesagt, dieser Löwe oder Elefant hat deine Toilette oder deinen Brunnen bezahlt”, sagt Sankuyos Bürgermeister.

Der Artikel liefert auch eine (von vielen) Begründungen dafür, warum Foto-Tourismus kein Ersatz für die Trophäenjagd ist: Foto-Touristen kommen meist nur an spektakuäre, gut erschlossene Orte – abgelegene Käffer wie Sankuyo, die für Jäger gerade interessant sind, lassen sie links liegen. Jäger benötigen weniger Infrastruktur, wenige Jäger bringen mehr Geld als ein ganzes Rudel Touristen, weshalb Jagdreisende nicht die üblen Auswirkungen des Massentourismus mit sich bringen.

Die Jagd dient den zwei großen Zielen, Einkommen zu generieren und die Tiere zu schützen, resümiert ein im Artikel zitierter Experte für Wildtiermanagement: Ironischerweise wurden weniger Tiere getötet, als es die Jagd gab. In Folge des Jagdbanns kehrt der Hass auf die Tiere zurück. SE

Beitragsbild: Der zitierte Artikel in der New York Times.

Leseempfehlung 1: Bericht aus “Prädatorland”

In der New York Times vom 15. August berichtete Stephen Castle unter dem Titel “Wolves, Resurgent And Protected, Vex Swedish Farmers” über die Probleme schwedischer Farmer und Schafszüchter mit der wachsenden Wolfspopulation in der Provinz Värmland. Der Farmer Ulf Ekholm, dessen Schafe hinter fünf Litzen Stromzaun weiden, bewacht von zwei massigen Wolfshunden, beschreibt die Situation als einen “Belagerungszustand”. Er hat einen schönen Spitznamen für diesen “anscheinend so idyllischen und üppigen Winkel skandinavischer Landschaft” gefunden: Prädatorland.

Die Schafzüchterin Elsa Lund Magnussen sagt, ein Wolfsangriff würde ihren Betrieb “für fünf Jahre zerstören”, es wäre “ein Desaster”. Aber sie scheint zu wissen, dass dieser Angriff eines Tages kommen wird. Ein Jäger beschreibt, wie er auf einer Elchjagd im Jahr 2008 seinen Hund durch eine Wolfsattacke verloren hat: “Das ist etwas, was du nie vergisst, wenn du deinen Hund so schreien hörst”, wird Claes Goran Lindberg zitiert. Zwei Monate später erwischte es seinen anderen Hund: Lindberg fand nur Kopf und Hals, den Rest hatte der Wolf gefressen. Lindberg sagt: “Wenn du die Spuren der Wölfe im Schnee siehst, macht es keinen Spaß, die Kinder zum Spielen rauszulassen.”

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Schimpansenjagd und Haute Cuisine

Jawina Lektüre-Empfehlung: Die Online-Ausgabe der New York Times bringt zwei sehr unterschiedliche Stories zu Jagd-Themen: Die packende und sehr nachdenklich stimmende Geschichte einer gescheiterten Schimpansenjagd erzählt David Goldenberg in “Hunting a Chimp on a Killing Spree.” Darin berichtet er, wie er als frischgebackener College-Absolvent und angehender Primatenforscher einen Spezialauftrag erhält: Einen Schimpansen zu erlegen, der infolge von Waldrodung und Wilderei in diesem Teil Ugandas – ganz artuntypisch – zu einem Einzelgänger geworden war. Er hatte gelernt, sich in den verbliebenen Waldinselchen einzurichten und sich zur Not ein Lager auf dem Erdboden zu bereiten, wenn keine Bäume zur Stelle waren. Er ging auf den Plantagen der Eingeborenen zu Schaden und schlürfte hin und wieder ein Schlückchen Bananenbier aus der hohlen Hand. Doch leider nicht nur das: Zur Anreicherung des Speiseplans mit Protein war er dazu übergegangen, Kinder zu erbeuten, was ihm den Namen Saddam (nach dem ehemaligen irakischen Dikator) eingebracht hatte.

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