Schlagwort-Archive: Nachtsichttechnik

IWA-Nachlese: IRay – Wärmebild-Gigant aus China

Oder: Der Abstieg Deutschlands und weiter Teile Europas zu bloßen Absatzmärkten

Es ist kein Zufall, wenn einem die Wärmebildkameras und Nachtsichtgeräte bekannt vorkommen, die das chinesische Unternehmen IRay auf seinem relativ bescheidenen Messestand auf der IWA 2019 zeigt. Und nein, IRay ist beileibe nicht der böse chinesische Plagiator. Vielmehr beliefert der Wärmebild-Gigant diverse deutsche und europäische Optikfirmen, die IRay-Produkte unter ihrem Namen vertreiben. Schon ab relativ kleinen Stückzahlen bietet IRAy seinen Kunden ein Branding an, das es hiesigen Anbietern ermöglicht, IRay-Erzeugnisse unter ihren Markennamen zu vertreiben. Auf dem Messetisch von IRay finden sich sogar Produkte, die für einschlägig bekannte deutsche Nachtsicht-Anbieter gebrandet sind. Und umgekehrt: Schaut man sich die Messeneuheiten an den Ständen jener Anbieter an, so leuchtet einem beim Einschalten auf dem Display mitunter das IRay-Logo entgegen.

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Genehmigung von Nachtzielgeräten für Jäger: “Rechtlich äusserst zweifelhaft”

In Bayern und Baden-Württemberg genehmigen Behörden Nachtziel-Vorsatzgeräte für Jäger. Begründet wird dies mit dem Risiko eines ASP-Ausbruchs und der Notwendigkeit, die Wildschweinbestände zu reduzieren. Doch viele Juristen halten die Genehmigungspraxis für rechtswidrig – der Schwarze Peter wird dem gutgläubigen Jäger zugeschoben. Wir haben mit Friedrich von Massow, dem Justiziar des Deutschen Jagdverbands (DJV) über das Problem gesprochen.

JAWINA: Herr von Massow, wie beurteilen Sie die Rechtslage und das Vorgehen der Behörden aus juristischer Sicht?

Friedrich von Massow: Die in Bayern und Baden-Württemberg praktizierte “Genehmigung” halten wir rechtlich für äußerst zweifelhaft. Es handelt sich genau genommen auch nicht um Genehmigungen (das wäre ein Fall von § 40 Abs. 4 WaffG – solche Genehmigungen erteilt das BKA aber nicht). Eine solche Beauftragung (nach § 40 Abs. 2 WaffG) ist aber für die Schwarzwildjagd (ausgenommen allenfalls in einem eng begrenzten Modellprojekt) nicht möglich. Eine dennoch erfolgende “Beauftragung” wäre rechtswidrig.

– Es gibt mehrere Gutachten, die zum gleichen Ergebnis kommen (natürlich mit deutlich ausführlicherer Begründung), u.a. vom Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages (https://www.bundestag.de/blob/556764/3aa9a9129908cc8c4b115f69715c13f5/wd-3-070-18-pdf-data.pdf ), ein Gutachten, das der Bayerische Jagdverband in Auftrag gegeben hat, sowie einen Aufsatz von Dietlein/Hermes.

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Baden-Württemberg: Nachtzieloptik auf Zeit?

Die Ankündigung des baden-württembergischen Landwirtschaftsministeriums (MLR), die Verwendung von Nachtsicht- und Wärmebild-Vorsatzgeräten für Zielfernrohre “zeitlich befristet und örtlich begründet” zuzulassen, hat für Verwirrung unter Jägern gesorgt: Wer kauft sich ein teures Vorsatzgerät, wenn er es nur zeitlich befristet nutzen kann? Wir haben nachgefragt.

„Die im Rahmen unseres 12-Punkte-Maßnahmenkatalogs festgelegten Punkte zum Schutz unserer Haus- und Wildschweinbestände vor der Afrikanischen Schweinepest werden Zug um Zug umgesetzt. Ab heute treten die Erleichterungen für eine effektive und dringend notwendige Absenkung der hohen Schwarzwildbestände in Kraft“, sagte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk MdL, am Donnerstag (1. März) in Stuttgart. Ab sofort kann Schwarzwild auf ganzer Fläche auch in den Monaten März und April bejagt werden. Die Regelung sei befristet bis zum 28. Februar 2019. Eine entsprechende Durchführungsverordnung sei in Kraft getreten. Auch wenn Schwarzwild nun grundsätzlich ganzjährig bejagt werden dürfe, sei der Schutz der zur Aufzucht der Jungtiere notwendige Elterntiere zu beachten. Darüber hinaus seien die jagdrechtlichen Schranken für die Verwendung bestimmter Nachtsichtoptiken gefallen, heißt es in einer Pressemitteilung des MLR vom heutigen Tag.

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Schweiz: Jäger schoss Schafe durch Nachtzielgerät

Der Jäger, der Anfang Januar vier Schafe erschossen hat (JAWINA berichtete), weil er sie mit Wildschweinen verwechselte, nutzte bei der Tat ein Nachtsichtzielgerät, dessen Einsatz vom Kanton Thurgau genehmigt worden war. Das verdeutlicht, dass der Einsatz der von manchen als jagdliches Universalheilmittel gepriesenen Nachtsichtzieloptiken nicht ohne Risiko ist: Erst vor wenigen Monaten hat ein amerikanischer Jäger mit einem Wärmebildzielgerät eine Frau erschossen (JAWINA berichtete). Die Frau kniete bei der Schussabgabe, was zu der verhängnisvollen Verwechselung mit einem Wildtier geführt haben mag. Abgesehen davon, dass der Einsatz von Nachtsichtzieloptiken in Deutschland immer noch weitgehend illegal ist, sollte das Gefahrenpotenzial der Geräte nicht ignoriert werden.

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Gefährliche Blender

Behörde ordnet Rückruf von Infrarot-Laseraufhellern für Nachtsichtgeräte an – Gefährdungspotenzial als hoch eingeschätzt: Gefahr von Netzhautschädigungen

Das Regierungspräsidium Tübingen hat die Firma Gutzeit in Warthausen (Landkreis Biberach) zu einem Rückruf der von ihr vertriebenen Infrarot-Laseraufheller der “IR Laser Fire-Linie” verpflichtet. In einem Schreiben, dass der Redaktion Jawina vorliegt, fordert das Unternehmen Kunden auf, gekaufte Geräte zurückzusenden. Es werde überprüft, ob eine Reduzierung der Laser-Abstrahlung auf die rechtlich zulässige Leistung erfolgen könne. In dem Schreiben weist die Firma darauf hin, dass nur noch Geräte der Laserklassen 1 und 1M zulässig seien. Die verkauften IR-Aufheller waren unter Klasse 3B klassifiziert. Das bedeutet, “dass es sich um ein Produkt handelt, welches ausschließlich im gewerblichen Bereich und unter Einhaltung bestimmter Schutzvorschriften einsetzbar ist, so Dr. Nora Manzke von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA): “Als “Verbraucherprodukte” sind sie unzulässig.” Laser der Klasse der Klasse 3B gelten als gefährlich für die Augen, häufig auch für die Haut. “Infrarotaufheller  scheinen ein relativ seltenes Produkt zu sein,” so Dr. Manzke weiter, “Daher können unsere Experten nicht auf Erfahrungen mit diesen Produkten zurückgreifen.” Dieser Mangel an Erfahrungen dürfte erklären, warum diverse illegale Laserprodukte von behördlichem Einschreiten unbehelligt zum Beispiel in Jagdzeitschriften feilgeboten werden.

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