Schlagwort-Archive: Muttertierschutz

Interview: Von waidgerechter Jagd zu Kill-for-Cash-Partys?

Der bekannte Nachsuchenführer, Jagdautor und Tierfotograf Seeben Arjes ist bei einer Anhörung im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz im September, bei der es um das Gesetz zur Änderung des Niedersächsischen Jagdgesetzes ging, für den Deutschen Tierschutzbund aufgetreten. Wir wollten wissen, wie es dazu kam – und ob, wie und warum sich seine Einstellung zur Jagd grundlegend geändert hat.

JAWINA: Herr Arjes, Sie haben Im September für den Deutschen Tierschutzbund (DTB), der für seine jagdkritische bis jagdfeindliche Haltung bekannt ist, an einer Sitzung des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz im niedersächsischen Landtag zur Änderung des Niedersächsischen Jagdgesetzes teilgenommen. Wie ist es zu dieser Kooperation mit dem DTB gekommen? Sind die auf Sie oder sind Sie auf den DTB zugegangen?

Der DTB ist mir nicht als jagdfeindlich bekannt. Er wendet sich gegen Tierquälerei, egal von wem diese ausgeht.

Durch meine Vorträge und Artikel in Magazinen werde ich nicht nur von Jägern als Anwalt der Tiere wahrgenommen. So bedienen sich bereits mehrere Vereine, Verbände und auch politische Parteien meiner Beratung. Politisch bin ich als langjähriges Mitglied und Funktionär am meisten für die CDU tätig.

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Mangelnder Tierschutz im Staatsbetrieb Sachsenforst: DeWiSt fordert Einhaltung des Muttertierschutzes bei der Rotwildjagd

Die Bundesländer Bayern und Sachsen nennen sich beide nicht nur Freistaat, beide gehen auch sehr rigoros bei der Jagd auf Rotwild, Gams oder Rehwild vor – vor allem in den staatseigenen Wäldern, beklagt die Deutsche Wildtier Stiftung (DEWiSt): Während in Bayern bereits seit 2005 die Doktrin „Wald vor Wild“ herrscht, hat der Staatsbetrieb Sachsenforst vor wenigen Jahren sein besonderes Interesse an bäumeknabbernden Wildtieren entdeckt. Im sächsischen Erzgebirge wurde jüngst die Abschussfreigabe von Rotwild für die laufende Jagdsaison stark erhöht: Fast 400 Tiere dürfen nun mehr erlegt werden als ursprünglich vorgesehen!

„Oberstes Gebot bei der Jagd auf Rotwild ist die Beachtung des Tierschutzes“, sagt Dr. Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung. Aber dies scheint im konkreten Fall fraglich zu sein. In mehreren Erzgebirgsrevieren der staatlichen Forstbetriebe Neudorf und Eibenstock wurden in den vergangenen zwei Jahren deutlich mehr Alttiere erlegt als Kälber. „Wenn der gesetzlich vorgeschriebene Muttertierschutz beim Rotwild eingehalten wird, muss die Jagdstrecke der Kälber immer höher sein als die der Alttiere“, so Kinser. Zwangsläufig müssen in den staatlichen Forstbetrieben Rotwildkälber verwaist sein, die aus dem Rudel ausgestoßen werden und kaum eine Chance haben, den Winter im Erzgebirge zu überstehen. Im Einzelfall kann es sich dabei um den Tatbestand einer Straftat handeln, von dem die Eigentümer des Waldes, also die Bürger des Freistaats Sachsen, wohl kaum etwas ahnen.

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Bündnis für Wald und Wild verabschiedet Erfurter Erklärung

Stärkung von Hegegemeinschaften und des Muttertierschutzes bei der Rotwildbejagung gefordert

Am 1. September fand in Erfurt das vom Bündnis für Wald und Wild e.V. veranstaltete Symposium “Artgerechte Wildbewirtschaftung in der heutigen Kulturlandschaft” statt. Nach zwei Fachvorträgen – Karl-Heinz Müller sprach über die Rolle der Hegegeminschaften, Dr. Christine Miller stellte wissenschaftliche Erkenntnisse zur Abhängigkeit von Rotkälbern von den Elterntieren vor – verabschiedeten die Anwesenden die Erfurter Erklärung. Die Erfurter Erklärung wird die Grundlage für das weitere Agieren des Bündnisses für Wald und Wild zu den Themen Hegegemeinschaften und Muttertierschutz sein, wie auf der Internetseite des Bündnisses angekündigt wird. “Immer häufiger wird in Forstkreisen der Grundsatz „Wald vor Wild“ propagiert und umgesetzt”, heißt es in der Erfurter Erklärung. “Dabei übersieht man, dass sich Wald und Wild nicht im Konflikt miteinander befinden. Vielmehr sind sie zum Spielball zwischen den wirtschaftlichen Interessen des Menschen und den biologischen Grundbedürfnissen des Wildes geworden.”

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