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Jagd und Medien: Juchhe, ein Klischee!

Neulich unterhielt ich mich mit einem Journalisten-Kollegen, der für ein Berliner Revolverblatt als Lokalreporter unterwegs ist. Seine Job Description sieht ungefähr so aus: Polizeifunk abhören, vor der Rettungswache rumlungern und bei einem vielversprechendem Vorfall den Einsatzkräften hinterherbrettern, um möglichst als erster am Ort des Geschehens zu sein. Am Tat- oder Unfallort angelangt gilt es dann, sich mit Edelstahlellenbogen durch die Horden der Gaffer und Retter zu drängen (man ist nämlich nie als erster da), um schöne scharfe Farbfotos von geschockten Zeugen, blutüberströmten Opfern und rauchenden Wracks zu machen und dabei möglichst noch ein paar O-Töne einzufangen. Wobei es zunehmend zum Problem wird, dass die Gaffer die Bilder und Filmchen von ihren Smartphones dann schon längst ins Netz geladen haben.

Der Kollege erzählte von einem Unfall, den er letztens im Rahmen seiner beruflichen Pflichten dokumentiert hat: Manta-Manni war mit seiner Breiter-härter-tiefer-Karre im tiefsten Wedding unterwegs, hatte die die Wirkung von ein paar Bierchen auf seine Reaktionsfähigkeit unter-, die Straßenlage seines Opels überschätzt, und war infolgedessen mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit gegen einen Betonpoller gerast. Die Kiste überschlug sich und blieb übelst zerknautscht mit dem hilflos eingequetschten Manta-Manni darin auf dem Dach liegen. Die Feuerwehr schnitt ein Loch in die Tür, zerrte den blutüberströmten Typen heraus, worauf der sagte: “Alles klar Jungs, ich bin okay!” Köstlich, fanden der Kollege und ich, da weiß man gleich, welchen Fernsehsender der guckt. “Aber das ist ja so klischeemäßig, das kann man ja nicht schreiben.”, sagte der Kollege.

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ThüringenForst legt den Klassiker „Sylvicultura Oeconomica“ neu auf

Zum Tag des Buches (am heutigen 8. Mai) denken viele Leser an die neuesten Romane, Krimis oder Essays. Für Förster hingegen ist es eine gute Gelegenheit, wieder einmal den Forstklassiker schlechthin, die Sylvicultura Oeconomica von Hans Carl von Carlowitz in die Hand zu nehmen. Gerade 2013 macht dies besonderen Sinn: Denn der Klassiker ist 300 Jahre alt geworden. 1713 durch den ein Jahr später verstorbenen Bergbau- und Forstexperten des sächsischen Hofes veröffentlicht, gilt dieses Werk als Geburtsstunde eines ursprünglich forstlichen Begriffs, der später einmal die ganze Welt erobern sollte: Die Nachhaltigkeit.

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Bücher: Dreimal Wilderei

Horst Eberhöfer, Der Wilderer im Nationalpark

Umschlag_EberhoeferIm 53 000 Hektar großen Nationalpark Stilfserjoch herrscht seit 1983 Jagdverbot. Und weil das Südtiroler Reviersystem das Jagdrecht an den Wohnort koppelt, dürfen die Menschen dort keine Jäger sein. Das fanden die ungerecht. Auch wollten die Bergler nicht zuschauen, wie die explosionsartig anwachsenden Rotwildbestände den für den Lawinenschutz wichtigen Bannwald kahlfraßen. So wurde der Nationalpark zu einer Hochburg der Wilderei. Ob Horst Eberhöfer so gute Gründe brauchte, ist indes fraglich, er wäre wohl ohnehin Wilderer geworden. Denn eigentlich, meint Eberhöfer, wäre der „gewöhnliche, zivilisierte Jäger“ viel lieber Wilderer, in dem noch „die Leidenschaft des Steinzeitmenschen“ am Werk sei. Mit geradezu steinzeitlicher Leidenschaft ist auch Eberhöfers Buch geschrieben. Er schildert, wie ihn sein Jagdtrieb weder arbeiten, noch schlafen lässt, wie Wilderei zur Sucht wird, wie ihn die Lust am Risiko dazu bringt, den dicksten Hirsch unter den Augen der Carabinieri zu schießen. Doch er verschweigt auch die Gefahren nicht: Die Hausdurchsuchungen, Verfolgungsjagden und Gefängnisaufenthalte ebenso wenig, wie Selbstekel und schlechtes Gewissen, die ihn befallen, wenn er „blind tötet“, statt zu jagen. Ein packendes Buch, das man in einem Zug durchliest.

143 Seiten, 18,50 Euro, ISBN 88-88118-16-0, Provinz Verlag w www.provinz-verlag.com

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