Schlagwort-Archive: Mahd

Wildtier-Stiftung: Zahl von 100.000 totgemähten Rehen nicht frei erfunden

Deutsche Wildtier Stiftung: Auf 2,3 Millionen Hektar sind 92.000 Kitze bedroht. Bauernbund: Tote Rehkitze beim Mähen nicht zu verhindern

Die Zahl von „100.000 totgemähten Rehen“ ist nicht frei erfunden, sondern nach statistischen Kriterien berechnet; das ist ein großer Unterschied, stellt die Deutsche Wildtier Stiftung klar. Die FAZ hatte berichtet, dass die genannte Zahl “frei erfunden” sei, andere Medien hatten die Meldung aufgegriffen, darunter die Bild-Zeitung in gewohnt reißerischer Manier. Die Wildtier Stiftung meint, da Landwirte sich nicht selbst anzeigten, wenn sie ein Rehkitz ausgemäht haben, liegen natürlich keine gesicherten Zahlen über den tatsächlichen Verlust von Rehkitzen bei der Grünlandmahd im Frühjahr vor. Also sei man auf Hochrechnungen angewiesen. In Mecklenburg Vorpommern wurden in diesem Frühjahr auf 500 Hektar 40 Rehkitze per Oktokopter gefunden und vor dem Mähtod gerettet. Das bedeutete, dass acht Rehkitze auf 100 Hektar vom Mähtod bedroht waren.

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Hessen: Gemeinsam gegen den Mähtod

Der Landesjagdverband Hessen hat am 19. April eine Expertenrunde nach Lich zum Runden Tisch „Jungwildrettung“ eingeladen. Gemeinsam wollen alle Beteiligten schon in dieser Mähsaison durch eine engere Zusammenarbeit noch mehr Rehkitze, Junghasen und Bodenbrüter vor dem Mähtod retten. Denn immer noch sterben jedes Jahr rund 90.000 Rehkitze unter dem Kreiselmäher, so schätzt die Deutsche Wildtierstiftung.

„Wichtig ist eine schnelle und reibungslose Kommunikation zwischen allen Beteiligten. Der Jäger muss einige Tage vor dem Mähtermin informiert sein und kann dann den Einsatz mit den Helfern organisieren“, so Dr. Nikolaus Bretschneider-Herrmann, Vize-Präsident des Landesjagdverbandes.

Am Vorabend vor den Mähtermin werden Scheuchen, Radios oder spezielle Wildwarnsysteme auf der Wiesenfläche platziert, die Muttertiere davon abhalten sollen ihren Nachwuchs auf dieser Wiese abzulegen oder sie aus der Wiese zu holen. Ungewohnte optische und akustische Signale werden auch von speziellen „Wildwarnern“ abgegeben, die im Handel verfügbar sind. Die Scheuchen dürfen allerdings nur kurz vor dem Mähen eingesetzt werden, da sich das Wild sonst schnell daran gewöhnt. Auch kann der Landwirt bereits am Vorabend einen Streifen anmähen, damit das Wild die Gefahr rechtzeitig erkennt und über Nacht flüchtet.

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Wildtierverluste bei der Mahd vermeiden

Landesjägerschaft, Landvolk und Landwirtschaftskammer Niedersachsen sprechen gemeinsame Empfehlungen aus

Die Mahd von Grünland oder Energiepflanzen wie Grünroggen steht an. Der Termin fällt zusammen mit der Brut- und Setzzeit vieler Wildtiere, die in Wiesen und Grünroggen ihren Nachwuchs aufziehen und sicher wähnen. Doch „Ducken und Tarnen“ schützt zwar vor dem Fuchs, nicht aber vor dem Kreiselmäher. Darauf machen Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. (LJN), Landvolk Niedersachsen und Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) aufmerksam. Für die jetzt bevorstehenden Mäharbeiten geben die drei Institutionen ihren Mitgliedern gemeinsame Empfehlungen.

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Rauchmelder als Kitzretter

Auf Wiesen in der schleswig-holsteinischen Gemeinde Bönebüttel (Kreis Plön) sind in der letzten Zeit merkwürdige Installationen zu sehen, vor allem aber zu hören: Auf Weidezaunpfählen auf Kunststoff ist ein rundliches Gerät angebracht, das einen durchdringenden Piepton ausstößt. Ein Gefrierbeutel schützt das Gerät vor Regen, ein Stück Flatterband erhöht die Sichtbarkeit für die Fahrer der Erntemaschinen. Es handelt sich um Rauchmelder, die von den engagierten Weidmännern des Hegerings 8 der Kreisjägerschaft Plön zu Kitzrettern umfunktioniert wurden. “Es war nicht unsere Idee”, betont Jens Teegen, Naturschutzbeauftragter der Jägerschaft, “Ein Jäger aus einem Nachbarrevier hat uns den Tipp gegeben.” Dort sind die elektronischen Quäken schon erfolgreich im Einsatz. “Das gute an den rettenden Rauchmeldern ist: Es ist nicht teuer, es geht schnell und ist überhaupt kein Aufwand”, erklärt Teegen im Gespräch mit JAWINA. Und es funktioniert: “Auf den Wiesen, die wir mit Rauchmeldern bestückt haben, ist kein einziges Kitz ausgemäht worden”, berichtet er stolz.

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Kommentar: Alle Jahre wieder…

Hunderttausende Wildtiere werden vorsichtigen Schätzungen zufolge Jahr für Jahr in Deutschland bei Erntearbeiten getötet, verstümmelt, plattgewalzt, zu blutigem Brei zerhäckselt. Jahr für Jahr produziert der Deutsche Jagdverband (DJV) Broschüren, Flyer, Pressemitteilungen und Videos, in denen für die wildtierfreundliche Mahd – von innen nach außen – geworben wird. Doch dass die Tod und Tierquälerei zwar nicht ausschließende, aber wenigstens auf ein unvermeidliches Maß reduzierende Erntemethode tatsächlich angewendet wird, habe ich noch nie gesehen. Und das, obwohl es, was den Zeit- und Energieaufwand angeht, ziemlich gleichgültig ist, ob nun von innen nach außen oder umgekehrt geerntet wird. Gefordert ist lediglich ein Umdenken, eine Umgewöhnung – aber selbst das ist offenbar schon zu viel verlangt.

Viele Jagdpächter berichten über die frustrierende Verweigerung jeglicher Kooperation von Seiten der Landwirte. Da wird jedes Jahr vor der Erntesaison aufs Neue darum gebeten, doch bitteschön vor der Mahd Bescheid zu sagen, damit die Felder abgesucht, Rehkitze geborgen und das sinnlose und qualvolle Sterben minimiert werden können – um dann bei der Fahrt durchs Revier feststellen zu müssen, dass die Wiesen – über denen Krähen und Bussarde kreisen, um sich an den Kadavern zu mästen –  wieder einmal ohne Ankündigung gemäht wurden. Ein Anruf, eine SMS oder Whatsapp, die dem Landwirt im Wildschadensfall wenig Schwierigkeiten bereiten – leider zu viel verlangt, wenn es um den Schutz von Wildtieren geht.

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