Schlagwort-Archive: Konflikte

Schweiz: Region will Herdenschutzhunde verbieten

Gemeindepräsident: “Wir haben jetzt zwei Probleme: den Wolf und die Hunde.”

In der Region Andermatt im Schweizer Kanton Uri ist eine Initiative gestartet worden, die ein Totalverbot von Herdenschutzhunden in der Gemeinde anstrebt. Anlass sind Konflikte mit Wanderern und Mountainbikern, die nach Angaben des Talammanns (Gemeindepräsidenten) Hans Regli von den Hunden verängstigt, zur Umkehr gezwungen und mitunter auch gebissen worden seien. Gegenüber der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) erklärte Regli: “Solange hier Touristen nicht sicher wandern können, sondern von Herdenschutzhunden angegriffen werden, können wir nicht ruhig schlafen.”

Die Interessengemeinschaft “Keine Herdenschutzhunde” fordert ein Verbot der Herdenschutzhunde im Urserental, laut NZZ eine Fläche von 175 Quadratkilometern. Der Präsident der IG, Columban Russi, beklagte in der NZZ, dass die Hunde die Touristen von den Wegen vertreiben, die mit viel Geld unterhalten werden. Sie richteten mehr Schaden an, als sie nützten. Ein Herdenschutzexperte bestritt laut NZZ, dass es die Probleme im geschilderten Ausmaß gebe, räumte jedoch ein, dass in anderen Kantonen wegen der Herdenschutzhunde bereits Wanderwege gesperrt oder verlegt werden mussten. In Andermatt wird jetzt über Alternativen zu einem Totalverbot beraten. SE

Beitragsbild: Herdenschutzhunde. Foto: SE

Die Red. dankt JAWINA-Leser JE für den Hinweis!

Berliner Stadtschweine: Gekommen, um zu bleiben

Der Berliner Wildreferent Derk Ehlert rät Bewohnern, sich an Wildschweine im Stadtgebiet besser zu gewöhnen – sie würden eher mehr, nicht weniger.

Ein Wildschwein in der Großstadt – in Berlin ist das längst keine Seltenheit mehr. Immer mehr Bachen und Keiler verschlägt es in Gärten und Sportanlagen am Stadtrand. Dabei kommt es oft zu Zusammenstößen zwischen Mensch und Tier. Erst am vergangenen Freitag erschrak ein 81-Jähriger in Berlin-Köpenick so sehr über ein Wildschwein in seinem Garten, dass er einen Herzinfarkt erlitt und starb. Doch die Tiere sind weit weniger aggressiv, als gemeinhin angenommen, sagte der Wildreferent des Landes Berlin, Derk Ehlert. Nur in zwei Fällen seien die Vierbeiner mit besonderer Vorsicht zu genießen: Wenn sie verletzt seien oder wenn die Bachen Frischlinge hätten.

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Berlin: Sauenplage hausgemacht

Die ausufernde Schwarzwildpopulation verursacht im Berliner Stadtgebiet massive Schäden, die Gefahr eines Ausbruchs von Schweinepest steigt, Konfrontationen zwischen Sau und Mensch nehmen zu. Jetzt musste ein Mensch sterben, von einem Wildschwein auf seinem eigenen Grundstück angegriffen. Ein Gutachten aus dem Jahr 2010 belegt: Hauptverantwortlich für die Berliner Sauenplage sind die Berliner Forsten.

Berlin ist „bezüglich seiner Wildschweindichte im urbanen Raum ohne Beispiel“, heißt es im Gutachten, das Bruno Hespeler im Auftrag des Landes Berlin erstellt hat. An Schuldzuweisungen für diese Situation herrscht kein Mangel: Mal hieß es, die übereifrigen Jäger im Umland würden die armen Borstentiere so scharf bejagen, dass sie Zuflucht in der Hauptstadt suchten. Dann wieder schossen sich die Medien auf jene – in Wahrheit wohl nicht allzu breiten – Bevölkerungsschichten ein, die aus falsch verstandener Tierliebe Wildschweine füttern. Zur Abwechslung sollten dann die Eigenheimbesitzer Schuld sein, die ihre Anwesen nicht wildschweinsicher einfrieden.

Doch Bruno Hespelers Gutachten benennt die wahren Verantwortlichen: Es sind die Berliner Forsten – oder genauer gesagt einige Berliner Forstämter – die viel zu wenig Sauen schießen, eine groteske und unverantwortliche Überhege betreiben und obendrein die Reduktion durch Begehungsscheininhaber und Stadtjäger nach Kräften hintertreiben.

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