Schlagwort-Archive: Kälber

Baden-Württemberg: Führende Alttiere geschossen? Wildbiologin zeigt Jäger an

Ende Januar wurden im Rotwildgebiet drei von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) besenderte Hirsche – zwei Alttiere und ein Hirsch – im Abstand von wenigen Tagen von Jägern erlegt. Die dortigen Jäger waren im Vorfeld darüber informiert worden, dass sich besenderte Hirsche in ihren Revieren befinden, die auf keinen Fall abgeschossen werden dürften, berichtete die Pforzheimer Zeitung, Dr. Christine Miller, Wildbiologin und Vorsitzende des Vereins Wildes Bayern, hat, wie sie gegenüber JAWINA bestätigte, Anzeige gegen die Erleger gestellt. Hier sei “auf Tiere angelegt und abgedrückt worden, ohne zu wissen, auf was geschossen wird“, vermutet Miller. Sie gehe davon aus, dass die erlegten Alttiere Kälber führten, die durch den Abschuss verwaist wurden. Das Fleisch der erlegten Tiere kann wegen der vorausgegangenen Narkotisierung zwecks Anbringung der Senderhalsbänder nicht verwertet werden. Dr. Miller betonte gegenüber JAWINA, dass es bei der Anzeige nicht allein um die vermuteten Verstöße gegen Jagdgesetz, Tierschutz und Weidgerechtigkeit gehe, sondern auch darum, auf die Konsequenzen der im baden-württembergischen Jagd- und Wildtiermanagementgesetz (JWMG) erfolgten Aufweichung des Nachtjagdverbots für Alttiere und Kälber aufzuzeigen.

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Mangelnder Tierschutz im Staatsbetrieb Sachsenforst: DeWiSt fordert Einhaltung des Muttertierschutzes bei der Rotwildjagd

Die Bundesländer Bayern und Sachsen nennen sich beide nicht nur Freistaat, beide gehen auch sehr rigoros bei der Jagd auf Rotwild, Gams oder Rehwild vor – vor allem in den staatseigenen Wäldern, beklagt die Deutsche Wildtier Stiftung (DEWiSt): Während in Bayern bereits seit 2005 die Doktrin „Wald vor Wild“ herrscht, hat der Staatsbetrieb Sachsenforst vor wenigen Jahren sein besonderes Interesse an bäumeknabbernden Wildtieren entdeckt. Im sächsischen Erzgebirge wurde jüngst die Abschussfreigabe von Rotwild für die laufende Jagdsaison stark erhöht: Fast 400 Tiere dürfen nun mehr erlegt werden als ursprünglich vorgesehen!

„Oberstes Gebot bei der Jagd auf Rotwild ist die Beachtung des Tierschutzes“, sagt Dr. Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung. Aber dies scheint im konkreten Fall fraglich zu sein. In mehreren Erzgebirgsrevieren der staatlichen Forstbetriebe Neudorf und Eibenstock wurden in den vergangenen zwei Jahren deutlich mehr Alttiere erlegt als Kälber. „Wenn der gesetzlich vorgeschriebene Muttertierschutz beim Rotwild eingehalten wird, muss die Jagdstrecke der Kälber immer höher sein als die der Alttiere“, so Kinser. Zwangsläufig müssen in den staatlichen Forstbetrieben Rotwildkälber verwaist sein, die aus dem Rudel ausgestoßen werden und kaum eine Chance haben, den Winter im Erzgebirge zu überstehen. Im Einzelfall kann es sich dabei um den Tatbestand einer Straftat handeln, von dem die Eigentümer des Waldes, also die Bürger des Freistaats Sachsen, wohl kaum etwas ahnen.

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Bündnis für Wald und Wild verabschiedet Erfurter Erklärung

Stärkung von Hegegemeinschaften und des Muttertierschutzes bei der Rotwildbejagung gefordert

Am 1. September fand in Erfurt das vom Bündnis für Wald und Wild e.V. veranstaltete Symposium “Artgerechte Wildbewirtschaftung in der heutigen Kulturlandschaft” statt. Nach zwei Fachvorträgen – Karl-Heinz Müller sprach über die Rolle der Hegegeminschaften, Dr. Christine Miller stellte wissenschaftliche Erkenntnisse zur Abhängigkeit von Rotkälbern von den Elterntieren vor – verabschiedeten die Anwesenden die Erfurter Erklärung. Die Erfurter Erklärung wird die Grundlage für das weitere Agieren des Bündnisses für Wald und Wild zu den Themen Hegegemeinschaften und Muttertierschutz sein, wie auf der Internetseite des Bündnisses angekündigt wird. “Immer häufiger wird in Forstkreisen der Grundsatz „Wald vor Wild“ propagiert und umgesetzt”, heißt es in der Erfurter Erklärung. “Dabei übersieht man, dass sich Wald und Wild nicht im Konflikt miteinander befinden. Vielmehr sind sie zum Spielball zwischen den wirtschaftlichen Interessen des Menschen und den biologischen Grundbedürfnissen des Wildes geworden.”

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Österreichischer Politiker will Absenkung des Schutzstatus von Wölfen beantragen

DNA-Untersuchungen bestätigen: Wölfe für gerissene Schafe im Schwarzwald und gerissene Kälber im Allgäu verantwortlich

Nachdem die Schweiz bei der Berner Konvention die Rückstufung des Schutzstatus von Wölfen gefordert hat (JAWINA berichtete), will nun auch der stellvertretende Landeshauptmann Niederösterreichs, Stephan Pernkopf, die EU-Kommission auffordern, “den Wolf von der Artenschutzliste zu streichen”, wie heute.at berichtet. Wegen des zu erwartenden exponentiellen Wachstums der Wolfspopulation sei kein Schutzstatus mehr notwendig, so Pernkopf. Regulierungsmaßnahmen hingegen seien “unbedingt nötig”. Im Interview mit dem ORF ergänzte Pernkopf: “Der Wolf ist in Europa kein gefährdetes Tier, es gibt etwa 30.000 Wölfe. Die Sicherheit der Menschen muss oberste Priorität haben.” Die Kritik von Naturschutzverbänden an der in Niederösterreich neuerdings zulässigen Vergrämung von Wölfen mit Schreckschüssen und Gummigeschossen (JAWINA berichtete), bezeichnete Pernkopf als “zynisch und ignorant”. Die 31 zuletzt vom Wolf gerissenen Schafe seien durch Zäune geschützt gewesen. “Was soll man da noch mehr machen?”, fragt Pernkopf. Dies seien ” theoretische Diskussionen”, die er zurückweise.

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Brandenburg: Familienbetrieb verliert in einem Jahr 21 Kälber und 1 Pony an Wolf

Streit um Wolfsrisse eskaliert – Hausverbot für Nabu-Rissgutachter

21 Rinder und ein Reitpony hat der Brandenburger Landwirt Ralf Högemann in seinem 500-Hektar-Familienbetrieb innerhalb nur eines Jahres an Wölfe verloren. Die Wölfe, manchmal einer, manchmal zwei oder drei, schleichen “morgens, mittags, abends und nachts” um den Betrieb, bis auf 100 Meter nähern sie sich seinem Wohnhaus, Högemann fährtet sie auf dem Weg zwischen den Ställen, den Kindern hat er verboten dort zu spielen, wie der Landwirt in der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ) berichtet. Vier Wochen lang hat er aus Angst vor Wolfsangriffen auf der Weide übernachtet. Inzwischen fürchtet Högemann um seine Existenz: Wir sind ein Familienbetrieb, ein kleines Unternehmen, wir wissen nicht, wie es weitergehen soll, klagt er in der MAZ. Für keinen der Wolfsrisse hat er bislang eine Entschädigung erhalten.

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Bayern: DNA-Untersuchung bestätigt: Kälber im Allgäu von Wolf gerissen

Aktionsplan Wolf geht in Verbändeanhörung

Ende Juli und Anfang August wurden im Landkreis Oberallgäu (Burgberg; Wertach) mehrere Kälber tot aufgefunden. Zur weiteren Abklärung beauftragte das Landesamt für Umwelt (LfU) die genetische Analyse gesicherter Speichelspuren am nationalen Referenzlabor. Die nun vorliegenden Untersuchungsergebnisse dieser Fälle bestätigen einen Wolf. Derzeit laufende Analysen sollen weitere Erkenntnisse zu Geschlecht und Herkunft liefern. Behörden, Interessenverbände und Vertreter von Nutztierhaltern werden informiert. Im Fall eines Wolfsrisses erhält der Nutztierhalter eine Entschädigung durch den Ausgleichsfonds Große Beutegreifer. Die Auszahlung der entsprechenden Entschädigungssumme wird vorbereitet. Claus Kumutat, Präsident des LfU: „Wir nehmen die aktuelle Situation sehr ernst. Die betroffenen Landwirte vor Ort werden zügig und unbürokratisch entschädigt. Außerdem werden wir den Runden Tisch vor Ort erneut einberufen, um gemeinsam über das weitere Vorgehen zu diskutieren. Dabei werden wir klären, wie wir die Landwirte in der Region schnell unterstützen können. Die Landwirte werden dazu einen festen Ansprechpartner zur Verfügung gestellt bekommen.“

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Studie: “Tier und Kalb flüchten eher getrennt”

Im Nationalpark Hunsrück-Hochwald erforschen Wissenschaftler der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft in Trippstadt, wie eng die Bindung zwischen Tier und Kalb beim Rotwild ist. Auch wenn die Forscher betonen, dass es für jagdpraktische Konsequenzen noch zu früh, könnten die Ergebnisse massive Auswirkungen auf Jagdpraxis und Jagdgesetze haben.

Es sei kaum erforscht, “wie lang die Leine” zwischen Tier und Kalb sei, erklärte Ulf Hohmann, der Leiter der Forschungsgruppe Wildökologie am Montag anlässlich der Vorstellung erster Studienergebnisse im Rahmen einer Veranstaltung des Nationalparks. Die (Wunsch-)Vorstellung, dass Tier und Kalb grundsätzlich eng zusammenbleiben – und so zu erkennen sei, ob ein Tier führt oder nicht – ist demzufolge höchst zweifelhaft. Die im Nationalpark Hunsrück-Hochwald begonnene Forschungen deuten darauf hin, dass die Tiere gerade in Stresssituationen eher getrennte Wege gehen.

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Truppenübungsplatz Klietz: Mehr Wölfe, weniger Rotwild-Kälber

Die Wolfsbeauftragte für den an der Grenze von Brandenburg und Sachsen-Anhalt gelegenen Truppenübungsplatz Klietz  geht davon aus, dass sich das auf dem Militärgelände ansässige Wolfsrudel auch dieses Jahr erfolgreich reproduziert hat. Das berichtet die Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ). 2016 war erstmals ein Reproduktionsnachweis gelungen, damals haben die Wölfe sieben Welpen großgezogen, im Jahr darauf waren es drei Welpen. Für Nachweise des diesjährigen Nachwuchses ist es noch zu früh, da Wolfswelpen im April/Mai gewölft werden, und die Fähe die ersten vier Wochen mit ihrem Nachwuchs in der Wurfhöhle verbringt. Auffällig sei, so die Wolfsbeauftragte Birgit Büttner laut MAZ, dass es in den Rotwildrudeln immer weniger Kälber gebe. Dies sei “im Vergleich zu früher extrem zu bemerken.” Da sich das Rotwild wegen der Anwesenheit der Wölfe zu Großrudeln zusammenschließe, sei die Anzahl der Kälber gut zu bestimmen. red.

Beitragsbild: Weibliches Stück Rotwild (Archivbild). Foto: SE

Brandenburg: Wölfe reissen Gatter-Damwild und Kälber

“Ich höre definitiv auf”, erklärt Gerhard Kernchen, Betreiber eines Damwild-Gatters in Locktow (Landkreis Potsdam-Mittelmark) gegenüber der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ). Über die Wiederbesiedlung des Landes mit Wölfen erklärt er: “Das ist eine Invasion, die kann man nicht mehr aushalten.” Der Gatterbetreiber hat bei einem erneuten Angriff über zehn Tiere und damit mehr als die Hälfte seines Bestandes,  an die Wölfe verloren. Bei der Mehrzahl der getöteten Stücke handelte es sich um hochträchtige Tiere. Nach einem ersten Angriff auf das Gatter im Februar 2016, bei dem sich die Wölfe unter dem Zaun durchgegraben hatten, wurde der Zaun mit Stromlitze nachgerüstet. Es ist dem Bericht der MAZ zufolge noch unklar, wie die Wölfe diesmal ins Gatter gelangt seien.

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Brandenburg: Rinderzüchter gibt wegen Wolfsangriffen auf

+++ Niedersachsen: Wolf überfahren +++

Wegen wiederholter Angriffe von Wolfsrudeln auf seine extensiv gehaltene Herde von Angus-Rindern gibt der betroffene Brandenburger Züchter die Rinderhaltung nach 25 Jahren auf. Am letzten Wochenende war es wieder zu einem Angriff auf die Rinderherde gekommen, der ein vier Wochen altes Bullenkalb zum Opfer fiel, wie die Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ) berichtet. Es ist das siebte Kalb seit November 2017, das die Züchter durch Wölfe verloren haben. Der Gesamtschaden beläuft sich dem Bericht zufolge auf 6000 Euro. Der Rinderhalter hat die Wolfsangriffe nicht gemeldet, weil er keine Hilfe zu erwarten hat: Eine wolfssichere Einzäunung der 30 Hektar großen Weiden sei schlicht nicht praktikabel. In der Vergangenheit hätten attackierte Rinder mehrfach die Weidezäune niedergetrampelt, das Klagen der Mutterkühe, die ihren Nachwuchs betrauerten, sei tagelang weit im Umkreis zu hören gewesen, berichtet die MAZ: In den umliegenden Dörfern gebe es “nicht weniger verzweifelte Bauern”. Ein Züchter habe bereits 40 Kälber an die Wölfe verloren. Der Unmut unter den Landwirten wächst, sie sind es leid, sich noch länger von der Politik vertrösten zu lassen und fordern wolfsfreie Zonen in Brandenburg. SE

Beitragsbild: Verlinkte Internetseite www.wolfsfreiezone.de (Screenshot)

Die Red. dankt den JAWINA-Lesern JS und RK für deren Hinweise!

Niedersachsen: Land fördert Wolfsschutz für Rinderhalter

+++ Wolf reißt Schafe trotz Herdenschutzhunden +++ Wölfe sollen Hütehund gerissen haben +++

Wurden bislang nur für Schaf- und Ziegenhalter Herdenschutzmaßnahmen gegen Wolfsangriffe aus Steuermitteln finanziert, so sollen nun auch Schutzzäune und Herdenschutzhunde für Rinderhalter gefördert werden. Das verkündet der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in einer Pressemitteilung: “In einem Umkreis von 30 Kilometern rund um Wietzendorf fördert das Land Niedersachsen künftig auch für Rinderhalter im Haupt- und Nebenerwerb die Anschaffung von wolfsabweisenden Herdenschutzmaßnahmen gemäß der „Richtlinie Wolf” des Landes. Bezuschusst werden unter anderem der Erwerb von Elektrozäunen und Herdenschutzhunden. „Grund hierfür ist, dass in diesem Gebiet seit September 2015 drei Kälberrisse in einem Zeitraum von zwölf Monaten nachweislich von Wölfen verursacht wurden”, erklärte Jana Sprenger vom Wolfsbüro des NLWKN. In diesen Fällen sieht die „Richtlinie Wolf” des Landes vor, dass neben den Haltern von Schafen, Ziegen und Gatterwild auch Rinderhalter bei der Durchführung von Präventionsmaßnahmen unterstützt werden.

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Niedersachsen: Wolf reißt Kalb

Auf einem Biohof in der Gemeinde Großenkneten (Landkreis Oldenburg) hat ein Wolf Sonntag Nacht ein neu geborenes Zwillingskalb gerissen. Das sei aber nur passiert, weil das erstgeborene Kalb schutzlos im Gras lag, während die Kuh kalbte, erklärte der Biobauer gegenüber dem NDR. Normalerweise “schlage die Kuh den Wolf in die Flucht.” Es ist nicht das erste Mal, dass in Niedersachsen Kälber vom Wolf gerissen werden. Erst im August hatte ein ähnlicher Fall für Aufregung gesorgt. SE