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COVID-19: Wildtierhandel nicht Ursache für Ausbreitung

Die Ausbreitung von COVID-19 verunsichert Menschen, weiterhin unklar ist, wie das Virus vom Tier auf den Menschen übertragen wurde. Die Tierrechtsszene nutzt Ängste für eine Kampagne, die ein Ende jeder Nutzung von Wildtieren zum Ziel hat. Politische Unterstützung erhält diese Forderung durch Vertreter der Partei DIE LINKE im EU-Parlament. Im Interview mit CIC und DJV warnt eine Fachtierärztin für Epidemiologie vor der Verantwortungslosigkeit des Vorhabens.

Die weltweit agierende Tierrechtsszene nutzt die Spekulation rund um Entstehung und Ausbreitung des Corona-Virus für eine Kampagne mit dem Ziel, jede Nutzung von Wildtieren zu verbieten – und damit auch nachhaltige, regulierte Jagd. Begründet wird die Forderung mit einem Gesundheitsrisiko, das vom Konsum von Wildfleisch ausginge. Unter Beteiligung der deutschen Partei DIE LINKE hatte die Splittergruppe “Vereinte Europäische Linke/Nordische Grüne (GUE/NGL)” im Europäischen Parlament jüngst einen Änderungsantrag der EU-Pandemieverordnung gestellt, den die Abgeordneten mit Zweidrittelmehrheit abgelehnt haben. Dieser sah vor, den Handel mit Wildtieren und deren Erzeugnissen (Wildbret) generell zu verbieten. Dr. Claudia Schoene – Fachtierärztin für Epidemiologie und Tropenveterinärmedizin – bewertet im Interview mit dem Internationalen Rat zur Erhaltung des Wildes (CIC) in Deutschland und Deutschem Jagdverband (DJV) die Verbotsforderung aus Expertensicht.

CIC/DJV: Wie stehen Sie persönlich zu dem Änderungsantrag, der dem Europäischen Parlament vorgelegt wurde?

Dr. Claudia Schoene: Absolute Forderungen jeglicher Art sind selten zielführend und realistisch. Meist auch ungerecht, indem sie bestimmte Gruppen unverhältnismäßig stark einschränken. Sie nutzen letztendlich nur einer kleinen Gruppe von Interessierten. Insofern ist es zu begrüßen, dass der Änderungsantrag vom EU Parlament abgelehnt wurde.

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“Die Änderung hat den Wolf-Mensch-Konflikt entschärft”

In Schweden darf ein Wolf getötet werden, wenn er im Begriff ist, Schaden an Nutztieren oder Jagdhunden zu verursachen. Das war nicht immer so. Wildökologe Fredrik Widemo von der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften erklärt im DJV-Interview, wie es zu der Regelung kam und warum sie die gesellschaftliche Akzeptanz beim Zusammenleben mit dem Wolf fördert.

DJV: In Deutschland hat ein holländischer Jagdgast einen Wolf erschossen, als dieser Jagdhunde attackiert hat. Zuvor hatte er versucht, den Wolf durch Rufe, Klatschen und einen Warnschuss davon abzuhalten. Dies bestätigen die Aussagen benachbarter Jagdschützen. Am Jagdhund konnten von einem Tierarzt Kratz- und Bissspuren nachgewiesen werden. Wie würden Sie in Schweden diesen Fall handhaben?

Widemo: Es wäre legal für den Hundebesitzer oder für einen anderen Jäger im selben Jagdteam, den Wolf zu töten. Die schwedische Gesetzgebung sieht in einem solchen Fall vor, den Abschuss an die Kreisverwaltung (County Administrative Board) zu melden, die den Vorfall prüft. Soweit die Kreisverwaltung keine Unregelmäßigkeiten findet, bleibt die Polizei außen vor.

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Fellwechsel GmbH: Vorerst kein Geld mehr für gelieferte Füchse

+++ AfD und FDP gegen Gängelung von Legalwaffenbesitzern +++ Brandenburg: Bisam gefährdet Oderdeich +++ Brandenburg: Wölfe reißen Gatterwild bei Frankfurt/Oder +++ Schleswig-Holstein: Risse durch Problemwolf GW924m in Ostholstein nachgewiesen +++

Interview mit Andreas Leppmann von Fellwechsel

Die nächste Sammelsaison hat gerade begonnen. Das gemeinsame Projekt „Fellwechsel“ von LJV Baden-Württemberg und DJV geht damit bereits in die dritte Saison. Im Interview erklärt Andreas Leppmann, Geschäftsführer der Fellwechsel GmbH, wie Jägerinnen und Jäger am Projekt teilnehmen können und welchen Nutzen die kommende Jägergeneration davon haben könnte.

DJV: Herr Leppmann, Sie haben seit einem Jahr die Betriebserlaubnis für die Abbalgstation in Rastatt. Welche Bilanz ziehen Sie für das Projekt Fellwechsel?

Andreas Leppmann: Wir sind nach wie vor beeindruckt von der riesigen Resonanz innerhalb der Jägerschaft. Wir haben bisher 25.000 Tiere eingesammelt und bereits 12.000 Tiere gestreift. Derzeit arbeiten wir unter Hochdruck daran, die restlichen gelieferten Tiere zu streifen, zu gerben und weiter zu verarbeiten.

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“Mein Vater wäre fast zusammengebrochen”

Interview mit der Besitzerin des gerissenen Hundes

Auf TAG24 ist ein Interview mit der Besitzerin des in Sachsen höchstwahrscheinlich von einem Wolf gerissenen Hundes (JAWINA berichtete) zu lesen. “Jetzt fressen Wölfe schon 35 Kilo schwere Hunde. Die Behörden müssen reagieren. Was soll denn noch passieren!”, empört sich die geschockte Frau – viele haben ja eine Vermutung, was noch passieren muss, bis ein Umdenken einsetzt, Vernunft einkehrt. Auf jeden Fall führt das Interview vor Augen, worauf Haustierhalter sich in den Wolfsgebieten einstellen müssen. Deshalb: Leseempfehlung. SE

Beitragsbild: Headline des empfohlenen Beitrags auf TAG24 (Screenshot)

Aufhebung des Jagdverbots: “Botswana ist kein Großwildreservat!”

Die Ankündigung der botswanischen Regierung, das seit 2014 bestehende Jagdverbot aufzuheben, sorgt für internationale Furore. Tierrechtsorganisationen werden nicht müde die botswanische Regierung anzugreifen. Medien beteiligen sich an der emotional geführten Debatte.

Im Interview mit CIC und DJV erläutert der Tiermediziner und Wildtierspezialist Dr. Erik Verryenne, der seit 2002 in Botswana forscht und arbeitet, die Hintergründe für die Wiedereinführung der Jagd. Er ist kein Jäger, sieht in der Jagd aber ein wichtiges Artenschutz-Instrument.

DJV/CIC: Botswana ist das elefantenreichste Land der Welt. Was hat man sich darunter vorzustellen?

Dr. Erik Verreynne: Die Zahl der Dickhäuter stieg von 55.000 im Jahr 1990 auf über 120.000 im Jahr 2012. 17 Prozent Botswanas sind als Nationalpark ausgewiesen, in denen mindestens 25.000 Elefanten leben. Weitere 72.000 Elefanten leben in sogenannten „Wildlife Management Areas“, die 32 Prozent der Landesfläche ausmachen. Nochmals 27.000 Elefanten bewegen sich außerhalb dieser Gebiete. Rechnerisch ergibt das 1,2 Elefanten pro Quadratkilometer, die sich Wasser und Land mit Menschen teilen müssen, die von der Landwirtschaft abhängig sind. Die Bauern Botswanas leben im Durchschnitt 400 bis 500 Meter von einem Elefanten entfernt. 40 Menschen wurden in den vergangenen zehn Jahren von Elefanten getötet, die meisten in der Zeit des Jagdverbots. Fakt ist: Botswana hat mehr Elefanten, als wir vertragen.

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Wellershoff: “Wölfe ins Saarland umsiedeln”

+++ Thüringen: Weiterer Wolfshybrid erlegt +++

Mit einem praxisgerechten Vorschlag meldet sich der Präsident des Landesjagdverbands Brandenburg (LJVB) , Dirk-Henner Wellershoff, in der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ) zu Wort: In einem Interview mit dem Blatt schlägt Wellershoff vor, überzählige Wölfe aus Brandenburger Landen in Gegenden zu bringen, wo es noch keine gibt, “zum Beispiel ins Saarland oder nach Hessen”. Man müsse “die nicht umbringen.” An ihrem neuen Zielort angekommen sollten die Wölfe dann nach dem Willen Wellershoff “ausgebürgert” werden, was vermutlich heißen soll, dass sie nicht in ihre Brandenburger Heimat zurückkehren dürfen, falls sie in Hessen oder dem Saarland Probleme machen. Reaktionen Brandenburger Weidetierhalter bzw. von deren Kollegen aus dem Saarland oder Hessen liegen bislang nicht vor. Desweiteren spricht Wellershoff in dem Interview über den Schwenk von “Wald mit Wild” zu “Wald vor Wild” der Brandenburger Landesforst, die Zusammenführung von Forst- und Jagdbehörde und die Konsequenzen daraus, sowie die Bogenjagd und die Probleme bei der Wildschweinbejagung. SE

Beitragsbild: Headline des Interviews mit Wellershoff in der MAZ (Screenshot).

Bogenjagd: “Ein Stück weit fairer?”

Die Oberste Jagdbehörde Brandenburgs will die Bogenjagd zur Bekämpfung von Wildschweinen in Siedlungsbereichen per Ausnahmegenehmigung erlauben. Wir haben mit Jan Riedel, Präsident des Deutschen Bogenjagd Verbands (DBJV) über das Für und Wider der Bogenjagd unterhalten.

JAWINA: Herr Riedel, wenn Sie es sich aussuchen könnten – oder müssten – würden Sie lieber mit einem Jagdgewehr und Jagdmunition erlegt oder mit Pfeil und Bogen zur Strecke gebracht werden?

Jan Riedel: Ihre Frage empfinde ich als höchst unmoralisch und verwerflich. Dennoch glaube ich den Hintergrund Ihrer Frage zu verstehen. Wie Jagdmunition ein Wildtier tötet, wissen wir deutschen Jäger alle. Auch, dass Fluchten von z.B. einem Reh, welches mit Bleifreimunition in der Kammer getroffen wurde, um die 40 Meter normal sind. Das beschossene Wild ist meist in wenigen Sekunden verendet.

Wird ein Wildtier mit einem Jagdpfeil in der Kammer getroffen, dessen Spitze mit mehreren rasiermesserscharfen Schneiden versehen ist, geht dieser Pfeil komplett durch. Es wird ein durchgängiger feingeschnittener Wundkanal erzeugt, wobei nur sehr wenige Schmerzrezeptoren tangiert werden. Die Lungen fallen zusammen, große blutführende Gefäße werden zerschnitten. Die Fluchten sind genauso lange, wie bei dem zuvor beschriebenen Beispiel, ebenso die Zeit vom Treffer bis zum Verenden.

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DJV-Interview mit dem Anwalt des Wolfsschützen: “Der Jäger hat gerechtfertigt gehandelt”

Ein Jäger hat einen Wolf getötet, weil dieser sich nicht abhalten ließ Jagdhunde zu attackieren (JAWINA berichtete). Ob er sich auf Notstand berufen kann, erläutert Anwalt Dr. Heiko Granzin im DJV-Interview.

Vergangene Woche hat ein Jäger einen Wolf mit einem Schuss getötet, weil sich dieser auch mit Rufen und Warnschuss nicht davon abhalten ließ, mehrere Jagdhunde zu attackieren. Es kam dabei zu nicht unerheblichen Verletzungen. Der Jagdleiter und Revierinhaber hat umgehend die Polizei gerufen, diese erstattete gegen den Schützen Anzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Inwieweit sich der Jäger auf Notstand berufen kann und wie wahrscheinlich es ist, dass die Staatsanwaltschaft weiter ermittelt, erläutert Anwalt Dr. Heiko Granzin, der den Jäger vertritt, im DJV-Interview.

DJV: Ein Wolf hat bei einer Bewegungsjagd angeblich Jagdhunde attackiert und ließ auch nach Rufen und Warnschuss nicht ab. Wie hat sich die Situation für den Schützen genau dargestellt?
Dr. Granzin: Der Schütze befand sich südlich von Berlin auf einer Drückjagd. Sein Hochsitz lag an einem Wirtschaftsweg mit Blickrichtung auf einen Altholzbestand und eine dahinter liegende Lichtung. Nach Beginn des Treibens lief ein Wolf in etwa 10 Meter Entfernung am Stand des Schützen vorbei zur Lichtung. Aus einem dahinter liegenden dichten Fichtengebüsch kamen kurz danach Rehe auf die Lichtung. Der Wolf reagierte auf die Rehe und machte kehrt. Etwa 100 Meter vom Schützen entfernt stieß er auf der Lichtung auf die Fährte der Jagdhunde, die den Rehen gefolgt waren. Der Wolf stellte die Jagdhunde unmittelbar und versuchte sofort, sich in einem zu verbeißen. Der Schütze versuchte durch Schreien und Rudern mit den Armen den Wolf zu vertreiben. Schließlich feuerte er einen Warnschuss ab. Als dem Schützen klar wurde, dass der angefallene Jagdhund in Kürze vom Wolf getötet werden würde, gab er einen gezielten tödlichen Schuss auf den Wolf ab.

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Prof. Pfannenstiel: Wolfs-Lobby täuscht Öffentlichkeit

Im Celler Kurier ist ein Interview mit Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel zum Thema Wolf erschienen. Es geht u.a. um die Probleme mit dem Wolf in der Kulturlandschaft, das Versagen von Herdenschutzmaßnahmen, den Schutzstatus des Wolfs in verschiedenen EU-Ländern – und die Probleme, in Deutschland ein praktikables Wolfsmanagement durchzusetzen, weil Politik und Naturschutzverbände miteinander auf ungute Weise verbandelt sind. Leseempfehlung!

Beitragsbild: Headline des empfohlenen Beitrags im Celler Kurier (Screenshot)

Die Red. dankt den JAWINA-Lesern TU, KB und SG für ihre Hinweise!

Interview: Von waidgerechter Jagd zu Kill-for-Cash-Partys?

Der bekannte Nachsuchenführer, Jagdautor und Tierfotograf Seeben Arjes ist bei einer Anhörung im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz im September, bei der es um das Gesetz zur Änderung des Niedersächsischen Jagdgesetzes ging, für den Deutschen Tierschutzbund aufgetreten. Wir wollten wissen, wie es dazu kam – und ob, wie und warum sich seine Einstellung zur Jagd grundlegend geändert hat.

JAWINA: Herr Arjes, Sie haben Im September für den Deutschen Tierschutzbund (DTB), der für seine jagdkritische bis jagdfeindliche Haltung bekannt ist, an einer Sitzung des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz im niedersächsischen Landtag zur Änderung des Niedersächsischen Jagdgesetzes teilgenommen. Wie ist es zu dieser Kooperation mit dem DTB gekommen? Sind die auf Sie oder sind Sie auf den DTB zugegangen?

Der DTB ist mir nicht als jagdfeindlich bekannt. Er wendet sich gegen Tierquälerei, egal von wem diese ausgeht.

Durch meine Vorträge und Artikel in Magazinen werde ich nicht nur von Jägern als Anwalt der Tiere wahrgenommen. So bedienen sich bereits mehrere Vereine, Verbände und auch politische Parteien meiner Beratung. Politisch bin ich als langjähriges Mitglied und Funktionär am meisten für die CDU tätig.

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