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“Das Überleben der Großtrappe steht auf dem Spiel”

 DJV-Interview mit Henrik Watzke vom Föderverein Großtrappenschutz e.V.

Der Förderverein Großtrappenschutz e.V. betreibt seit etwa 25 Jahren Großtrappenschutz in Brandenburg und Sachsen-Anhalt. In den drei Siedlungsgebieten Havelländisches Luch, Belziger Landschaftswiesen und Fiener Bruch werden die seltenen Vögel von Hand aufgezogen und mithilfe spezieller Volieren ausgewildert. Im Jahr 1940 lebten noch 4100 Großtrappen in Niedersachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen. Heute gibt es die Großtrappe mit knapp 200 Exemplaren nur noch in Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Um den Bestand zu unterstützen, werden jährlich Jungtrappen aus der künstlichen Aufzucht ausgewildert. Henrik Watzke ist Diplom-Biologe und Geschäftsführer des Fördervereins. Der DJV sprach mit ihm über die Herausforderungen seiner Arbeit angesichts ausbleibender EU- und Länderförderungen.

DJV: Wie viele Jungtrappen wurden dieses Jahr in welchem Gebiet ausgewildert und ist diese finanziell und personell aufwändige Maßnahme dauerhaft nötig?

Henrik Watzke: In diesem Jahr werden in den Belziger Landschaftswiesen (Brandenburg) und im sachsen-anhaltinischen Teil des Fiener Bruchs jeweils 20 junge Großtrappen ausgewildert. Die Auswilderung befindet sich aktuell in der finalen Phase, der Integration der Jungtrappen in den Wildbestand. Der Erfolg der Auswilderung beginnt schon bei der Bergung gefährdeter Gelege (Bedrohung durch Landwirtschaft oder durch Rabenvögel, Anm. d. Red.). Die Eier müssen sorgfältig transportiert und schnell in die Brutapparate der Staatlichen Vogelschutzwarte Brandenburg gebracht werden. Nach dem Schlupf erfolgt die Betreuung der Küken bis mindestens zur achten Lebenswoche in der Vogelschutzwarte. Spätestens im Alter von zehn Wochen kommen die Jungtrappen in die Auswilderung. Während der Auswilderung werden die Jungtrappen noch einmal etwa drei Monate betreut. Dieser enorme finanzielle und vor allem personelle Aufwand wird noch solange nötig sein, bis sich die drei letzten Reproduktionsgruppen Deutschlands durch einen eigenen natürlichen Nachwuchs stabil entwickeln.

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