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Gerissenes Fohlen: War es doch kein Wolf?

Unklare Beweislage wegen “starker Nutzung des Kadavers”

Der Islandpferde-Züchter Götz George, auf dessen Hof Ende Mai ein Fohlen mutmaßlich vom Wolf gerissen wurde, ist ein bedächtiger Mensch. Unmittelbar nach dem Vorfall gab er zu Protokoll, dass er dem Wolf keinen Vorwurf machen könne. Jetzt, nachdem ihm der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in einem Schreiben lapidar mitgeteilt hat, dass er nicht die volle Entschädigung für das wertvolle Fohlen erhalten werde, äußert er sich ähnlich zurückhaltend: Er sei “etwas betreten, dass man das nicht anerkenne.” Angesichts der haarsträubenden Begründung des NLWKN würde manch anderer wohl weitaus drastischere Formulierungen wählen. Denn der Landesbetrieb verkündet, dass die “Todesursache des Fohlens aufgrund der starken Nutzung des Kadavers nicht mehr festgestellt werden” konnte. Sprich: Der Verursacher hat so viel von dem Fohlen gefressen, dass die kargen Überreste keine Rückschlüsse auf ihn erlauben. Eine Argumentationslinie, die das Wohlwollen von Tierhaltern gegenüber dem Wolf empfindlich schmälern dürfte.

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Niedersachsen: Wolf reißt Fohlen

In Hörpel, einem zur Gemeinde Bispingen gehörenden Dorf in der Lüneburger Heide, haben Wölfe in der Nacht auf Dienstag ein Fohlen gerissen. Das Fohlen, ein Islandpferd, wurde nur einen halben Tag alt. Bei der Attacke wurde die Zuchtstute durch einen Biss an der Kruppe verletzt. Der Wert des Fohlens beläuft sich auf etwa 5000 Euro. Der Züchter kann auf eine staatliche Entschädigung hoffen, wenn der Wolf als Verursacher feststeht. Ein frisch geborenes Islandpferde-Fohlen wiegt ungefähr 25 Kilo – von dem gerissenen Fohlen blieben nur der Kopf und ein Stück Wirbelsäule übrig.

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Wolfsbeauftrage bei der Untersuchung der sterblichen Überreste des Fohlens. Copyright: Gestüt Norderheide

Jawina hat mit Götz George, dem Züchter und Inhaber des Gestüts Norderheide, gesprochen. Nicht mal zwei Tage nach dem Vorfall gibt er ein bemerkenswert unaufgeregtes, ausgewogenes und nachdenkliches Statement ab: “Ich kann dem Wolf – auch diesem speziellen – keinen Vorwurf machen. Es ist halt leichter, ein frisches, zartes Fohlen auf der eingezäunten Weide zu erbeuten, als einem Reh im Wald hinterher zu rennen.” George ist selber Jäger und “in der Natur zuhause”, wie er sagt: “Aber man muss jetzt anfangen, umzudenken”, mahnt der Züchter: “Die Wölfe sind jetzt in der 3. oder 4. Generation hier, sie wurden durch den strengen Schutzstatus gewissermaßen so erzogen, dass vom Menschen und menschlichen Ansiedlungen keine Gefahr ausgeht.” George hat zwölf Jahre in Kanada gelebt und gejagt und weiß: “In Nordamerika und Kanada kommt der Wolf höchst selten in menschliche Siedlungen – eben weil er dort bejagt wird und daher weiß, dass vom Menschen Gefahr ausgeht.”  George betont: “Ich sage das nicht, um gegen den Wolf zu hetzen. Aber wir müssen dem Wolf Grenzen setzen!”

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