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Michael Stübgen: „Es geht nicht um die Ausrottung des Wolfes“

+++ Niedersachsen: Abschussgenehmigung für Wolf GW717m soll nachmals verlängert werden +++

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium plädiert auf dem Internationalen Symposium „Der Wolf in Europa – Utopie und Wirklichkeit“ für ein gemäßigtes Bestandsmanagement

Der Parlamentarische Staatsekretär beim Bundeslandwirtschaftsministerium, Michael Stübgen, hält die rechtlichen Möglichkeiten zum gemäßigten Bestandsmanagement zur Kontrolle von Wölfen in Deutschland für nicht ausreichend. Das Bundesministerium will erreichen, dass Wölfe auch vorbeugend geschossen werden können, um Rudel zu vergrämen. Diese Position machte er anlässlich des Internationalen Symposiums „Der Wolf in Europa – Utopie und Wirklichkeit“ am 26. April in Halberstadt deutlich.

Vor dem Hintergrund, dass die Wolfsbestände jährlich um rund 30 Prozent wachsen, sich also alle drei bis vier Jahre verdoppeln, werde die Debatte um den Wolf zu emotional geführt, so Stübgen. Dabei sei es wichtig, wieder zu mehr Sachlichkeit zu kommen. „Dass der Wolf zurück nach Deutschland gefunden hat, ist ein Erfolg des Artenschutzes. Gleichzeitig darf das nicht dazu führen, dass die Weidetierhaltung in bestimmten Regionen eingestellt werden muss oder Deichpflege durch Schafe nicht mehr möglich ist. Die Menschen in den ländlichen Räumen fühlen sich durch die Wölfe verunsichert. Weidetiere werden – trotz bestmöglicher Herdenschutzmaßnahmen – in zunehmender Zahl von Wölfen gerissen, ebenso Rinder und Pferde. Wir setzen uns dafür ein, dass entstandene Schäden vollständig ausgeglichen werden. Das darf aber nicht die einzige Lösung sein. Damit Weidetierhaltung auch in Zukunft weiterhin möglich ist, müssen wir den Schutz vor allem der Schafe sicherstellen. Dafür müssen wir den Wolfsbestand und die Größe der Rudel präventiv kontrollieren können – europarechtskonform und rechtssicher für alle Beteiligten“, so der Parlamentarische Staatssekretär.

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Prof. Dr. Christoph Stubbe: Der Wolf in Russland – historische Entwicklung und Probleme

Der Aufsatz “Der Wolf in Russland – historische Entwicklung und Probleme” von Prof. Dr. Christoph Stubbe beruht auf der Auswertung amtlicher Statistiken und wissenschaftlicher Studien zum Wolf in Russland. Bei einem einjährigen Studienaufenthalt an der jagdlichen Hochschule Irkutsk hat sich Stubbe intensiv mit der Thematik befasst. Sein Aufsatz macht die wissenschaftlichen Erkenntnisse “hunderter studierter Jagdwirtschafter und Wissenschaftler” zugänglich, die sich in Russland “in Theorie und Praxis mit dem Wolf befassen” – und die aufgrund der Sprachbarriere, unzugänglicher Publikationsorte und womöglich weiterer Gründe in der hiesigen wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Wolf weitgehend ignoriert werden. Es sei “mehr als verwunderlich, dass man über Erfahrungen und Probleme aus dem Mutterland der Wölfe, aus Russland, überhaupt nichts liest, obwohl unsere Wölfe zur osteuropäischen/asiatischen Population gehören”, konstatiert Stubbe.

Als Folge dieser Unkenntnis wird manch ein Leser nach Lektüre der Studie verwundert feststellen, dass Rotkäppchen es mit der Wahrheit ziemlich genau nahm – zumindest im Vergleich zu der von gewissen Wolfsfreunden und Vertretern der Wolfsindustrie ingrimmig verteidigten Glaubenslehre z.B. von der “natürlichen Scheu” des Wolfs und seiner Ungefährlichkeit für Mensch und Weidetier oder dem Märchen vom konfliktfreien und harmonischen Zusammenleben von Wolf und Mensch in Osteuropa (wobei dahingestellt sei, ob jene Wolfsfreunde ihrem Schützling damit mittelfristig einen Gefallen erweisen). Was Stubbe vom Wolf in Russland berichtet, lässt sich mit solchen naturromantischen Vorstellungen schlechterdings nicht in Einklang bringen. In manchen Jahren töteten Wölfe in Russland hunderttausende Rinder, Schafe, Ziege, Pferde und Fohlen – und hunderte Menschen.

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