Schlagwort-Archive: Falknerei

Die Wüste…

… LEBT!

Auf einem der zahlreichen Messestände der Adihex 2018, die dem jagdlichen und kulturellen Erbe der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) gewidmet sind, läuft ein Video: Auf den flimmernden Schwarzweiß-Aufnahmen ist zu sehen, wie junge Männer von einem primitiven Boot aus ins Meer springen. Durch ziemlich selbstgeknüpft aussehende Stricke mit den Schaluppen verbunden, tauchen sie ohne Sauerstoffflaschen oder sonstige Tauchausrüstung auf den Meeresgrund nach Muscheln. Man muss sich klar machen, dass diese Dokumentarfilme über die Perlentaucher im Arabischen Golf in den Fünfziger- oder Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts entstanden sind, um zu begreifen, welchen ungeheuren Wandel diese Gesellschaft in unfassbar kurzer Zeit erfolgreich bewältigt hat.

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Zwei Meisterwerke

Helen Macdonald ‘H is for Hawk’ und T.H. White ‘The Goshawk’

Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben: Das hier ist ein phantastisches, großartiges Buch. Helen Macdonalds “H is for Hawk” (H wie Habicht) gewann renommierte Preise – den Samuel Johnson Prize und den Costa Book Award), eroberte sich Top-Platzierungen auf Bestsellerlisten und erhielt hymnische Rezensionen gleich bündelweise, allein zwei davon in der New York Times: Dwight Garner schrieb, ihr Buch sei so gut, dass es geradezu schmerze, es zu lesen (“Her book is so good that, at times, it hurt me to read it”), Vicki Constantine Croke vergleicht Helen Macdonalds Worte mit Federn: So unfassbar schön, dass man ihre erstaunliche Konstruktion darüber kaum bemerkt (“… with words that mimic feathers, so impossibly pretty we don’t notice their astonishing engineering.”). Und nichts davon ist übertrieben. Es ist eines der besten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe – und ich meine nicht Jagdbücher, was ja eine ziemlich drastische Einschränkung wäre. Ich habe H is for Hawk dreimal hintereinander gelesen und mit Anmerkungen und Merkzetteln gespickt – eine Reverenz, die ich den wenigsten Büchern erweise…

Als Trauer und Schmerz nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters ihr den Boden unter den Füßen zu entziehen drohen, wächst in der erfahrenen Falknerin, die bisher umgänglichere Beizvögel bevorzugt hatte, der dringende Wunsch, ja, die Notwendigkeit, zum ersten Mal einen Habicht zu fliegen. Vermutlich die Wirkung der Selbstheilungskräfte einer durch massives Leid gefährdeten Psyche, ein komplizierter seelischer Prozess, für den es die eine rationale Begründung nicht gibt, Gründe aber durchaus. Da sind Erinnerungen an Ausflüge, die die Neunjährige mit ihrem Vater unternahm, um Greifvögel zu beobachten, es gibt Schilderungen der mystisch scheinenden Fähigkeit der Habichte, aus der Welt zu fallen: Über auf einer Beizjagd entflogene Habichte schreibt sie: “It seemed that the hawks couldn’t see us at all, that they’d slipped out of our world entirely and moved into another, wilder world from which humans had been utterly erased.” (Es schien, als ob die Habichte uns überhaupt nicht sehen könnten, als seien sie unserer Welt entschlüpft und hinübergezogen in eine andere, wildere Welt, aus der der Mensch vollständig herausgelöscht wurde.”). Sie beschreibt, wie ein gefangenes Habichtsweib freigelassen wird und im Nichts verschwindet: “It was as if she’d found a rent in the damp Gloucestershire air and slipped through it. That was the moment I kept replaying, over and over. That was the recurring dream. From then on, the hawk was inevitable.” (“Es war, als ob sie einen Riss in der nasskalten Luft von Gloucestershire gefunden hätte und hindurchgeschlüpft wäre. Das war der Moment, den ich in Gedanken immer und immer wieder abspielte, der wiederkehrende Traum. Von da an war der Habicht unausweichlich.”)

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Falknerei in Deutschland ist Immaterielles Kulturerbe der UNESCO

3.500 Jahre alte Tradition durch insgesamt 18 Länder gemeinsam nominiert

Der Zwischenstaatliche Ausschuss zum Immateriellen Kulturerbe hat am 1. Dezember in Addis Abeba die Falknerei in Deutschland in die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Gemeinsam mit Italien, Kasachstan, Pakistan und Portugal hatte Deutschland eine Erweiterung des Eintrags der Tradition der Falknerei vorgeschlagen. Bereits im Jahr 2010 waren Belgien, Frankreich, Katar, Marokko, Mongolei, Saudi-Arabien, Spanien, Südkorea, Syrien, Tschechien und die Vereinigten Arabischen Emirate mit der gemeinsamen Nominierung ihrer jeweiligen Falknerei-Traditionen erfolgreich, 2013 folgten Österreich und Ungarn. Die Jagd mit abgerichteten Greifvögeln auf freilebendes Wild in seinem natürlichen Lebensraum ist eine jahrtausendealte Kulturform, die nun durch 18 Staaten weltweit gemeinsam auf der Repräsentativen Liste der UNESCO eingetragen ist.

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Fachwissen ausgezeichnet: Falkner erhält Tierschutzpreis

Deutscher Jagdverband (DJV) und Deutscher Falkenorden (DFO) gratulieren

Den Tierschutzpreis der Bayerischen Staatsregierung erhielt in diesem Jahr der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Falkenorden e.V., Ferdinand Baer, der seit seinem 14. Lebensjahr Falkner ist. Er ist ehrenamtlicher Leiter der LBV-Pflegestation Regenstauf und wurde für sein Engagement im aktiven Greifvogelschutz ausgezeichnet. „Tierschutz hat viele Facetten. Und gerade der Tierschutz im Bereich Wildtiere und insbesondere Greifvögel und Eulen setzt ein hohes Maß an Wissen über die Lebensweise und den Umgang und die Haltung dieser Tiere voraus, weshalb gerade Falkner sich gut in diesem Bereich einbringen können“, so Baer.

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Federspiele

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Der Falkner hat den Habicht auf der Faust. Das Frettchen ist in den Kaninchenbau eingeschlieft, in angemessener Entfernung kauert der Frettchenführer im Gras. Es ist ganz still, kein Wort, kein Hundelaut, kein ferner Schrotschuss beeinträchtigt die Stille – Beizjagd ist lautlose Jagd.

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Falknerei ist immaterielles Kulturerbe

Nach Frankreich, Belgien, Österreich und Tschechien hat nun auch Deutschland die Beizjagd in die Liste immaterieller Kulturgüter aufgenommen. 83 Kulturformen hatten sich um Aufnahme beworben, 27 Bewerbungen waren erfolgreich, darunter Chorsingen, Deutsche Brotkultur, Flößerei, Vogtländischer Musikinstrumentenbau in Markneukirchen und Umgebung oder auch Köhlerhandwerk und Teerschwelerei. Die vollständige Liste findet sich hier. Deutschland setzt damit das Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes um, das von der UNESCO-Generalkonferenz am 17. Oktober 2003 verabschiedet wurde und am 20.April 2006 in Kraft trat, nachdem 30 Staaten es ratifiziert hatten. Die UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) ist die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur. In Deutschland ist das UNESCO-Übereinkommen 2013 in Kraft getreten. Seitdem wird schrittweise ein Verzeichnis des hierzulande gepflegten immateriellen Kulturerbes erstellt.

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