Schlagwort-Archive: Buchbesprechung

Jagen für Landlust-Leser

Rezension Pauline de Bok: Beute

Pauline de Bok hat mit “Beute” etwas geschafft, was viele für unwahrscheinlich bis unmöglich gehalten hätten. Mit einem Jagdbuch – einem Pro-Jagd-Buch, genauer gesagt – auf die Bestsellerlisten zu gelangen. Ich muss sagen, so hundertprozentig erschließt sich mir bei der Lektüre nicht, was den erstaunlichen Erfolg dieses Buchs ausmacht. Es ist ohne Frage gut geschrieben und liest sich leicht und locker, streckenweise durchaus genussvoll, weg. In fachlicher Hinsicht bietet es erfahrenen Weidmännern und -frauen wenig, das ist aber auch nicht der Anspruch des Buchs, das stellenweise erstaunlich konventionelle Jagdprosa und Naturschilderungen der sattsam belkannten Sorte – “Die Sonne versinkt hinter der doppelten Baumreihe in der Ferne, wo ein überwucherter Hohlweg verläuft…” – aufbietet. Manche Kapitel könnten Überschriften-Klassiker tragen wie “Mein erster Rehbock” oder “Meine erste Drückjagd”. Tun sie aber nicht, zum Glück. Jäger und Nichtjäger werden aber – möglicherweise mit einer Prise Neid – die Schilderungen der ländlichen Idylle lesen, die sich de Bok mit ihrem ausgebauten Kuhstall in Mecklenburg-Vorpommern geschaffen hat.

Weiterlesen

“Fakten statt Naturschwärmerei” – der neue Pfannenstiel

In der Einleitung zu seinem neuen Buch “Heute noch jagen?” beschreibt Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel die von Wald umgebenen Felder in der Nähe des Bauernhofs im Rhein-Main-Gebiet, wo er aufwuchs: “Beschaulichkeit und Stille dort [wurden] vom allgegenwärtigen Jubilieren der Feldlerchen noch betont. Wiesen waren bunt blühende Teppiche mit darüber schwebenden Wolken von Schmetterlingen und anderen Insekten. Lief man durch eine solche Wiese, stand alle paar Meter ein Hase auf, und an den Feldrändern waren immer wieder Rebhuhnketten zu beobachten. […] Heute ist der weitaus größte Teil dieser Flächen zugebaut, und das Dröhnen der Flugzeugturbinen des nahen Flughafens hat das Jubilieren der Lerchen abgelöst. […] Und da stellt sich dann die Frage, ob man in einer solchen Situation überhaupt noch jagen darf.”

Das ist der Ausgangspunkt. Was Hans-Dieter Pfannenstiel am Beispiel jener Wiesen und Felder beschreibt, ist als Befund ja verallgemeinerbar – sowohl in Hinblick auf die tatsächliche Naturzerstörung, als auch auf die daraus abgeleitete Stimmungslage. Wir alle sind einem unablässigen Bombardement mit ökologischen Hiobsbotschaften ausgesetzt: Artensterben, Klimawandel, Abholzung der Regenwälder, Ozonloch, Versauerung der Weltmeere, Erosion, Überbevölkerung uvm. Viele können in ihrer Umgebung beobachten, wie aller schönen Lippenbekenntnisse zum Trotz, immer mehr Flächen versiegelt werden, immer mehr Natur und Kulturlandschaft für neue Autobahnen, Umgehungsstraßen, Wohn- und Gewerbegebiete verschwinden oder mit Windrädern verspargelt werden. Vor diesem Hintergrund erscheint vielen die Bejagung von Wildtieren als Frevel, als Anachronismus und Atavismus, als zusätzliche und unnötige Gefährdung einer bedrohten Natur – und Forderungen nach Käseglocken-Naturschutz und Jagdverboten oder Jagdbeschränkungen aller Art, vom Kürzen des Katalogs jagdbarer Arten bis zu Jagdruhezonen in Nationalparks, als logische Konsequenz.

Weiterlesen

Das Buch zur Sau

Jawina-Lesern ist Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel als kein Blatt vor den Mund nehmender Autor von Beiträgen und Kommentaren bekannt. Jetzt hat Prof. Pfannenstiel ein Buch über seine Lieblingswildart geschrieben: Das Schwarzwild. Der Untertitel des Werks: “Biologie und Bejagung – ein Leitfaden für die Praxis”, bringt ziemlich gut auf den Punkt, worum es in dem Buch geht: Hier wird anschaulich und verständlich, aber fundiert und auf der Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse die Biologie der Sauen geschildert. Dabei kommt der jagdliche Bezug in keinem Kapitel zu kurz.

Weiterlesen

Bücher: Dreimal Wilderei

Horst Eberhöfer, Der Wilderer im Nationalpark

Umschlag_EberhoeferIm 53 000 Hektar großen Nationalpark Stilfserjoch herrscht seit 1983 Jagdverbot. Und weil das Südtiroler Reviersystem das Jagdrecht an den Wohnort koppelt, dürfen die Menschen dort keine Jäger sein. Das fanden die ungerecht. Auch wollten die Bergler nicht zuschauen, wie die explosionsartig anwachsenden Rotwildbestände den für den Lawinenschutz wichtigen Bannwald kahlfraßen. So wurde der Nationalpark zu einer Hochburg der Wilderei. Ob Horst Eberhöfer so gute Gründe brauchte, ist indes fraglich, er wäre wohl ohnehin Wilderer geworden. Denn eigentlich, meint Eberhöfer, wäre der „gewöhnliche, zivilisierte Jäger“ viel lieber Wilderer, in dem noch „die Leidenschaft des Steinzeitmenschen“ am Werk sei. Mit geradezu steinzeitlicher Leidenschaft ist auch Eberhöfers Buch geschrieben. Er schildert, wie ihn sein Jagdtrieb weder arbeiten, noch schlafen lässt, wie Wilderei zur Sucht wird, wie ihn die Lust am Risiko dazu bringt, den dicksten Hirsch unter den Augen der Carabinieri zu schießen. Doch er verschweigt auch die Gefahren nicht: Die Hausdurchsuchungen, Verfolgungsjagden und Gefängnisaufenthalte ebenso wenig, wie Selbstekel und schlechtes Gewissen, die ihn befallen, wenn er „blind tötet“, statt zu jagen. Ein packendes Buch, das man in einem Zug durchliest.

143 Seiten, 18,50 Euro, ISBN 88-88118-16-0, Provinz Verlag w www.provinz-verlag.com

Weiterlesen