Schlagwort-Archive: Buch

Was Jagd ist und was nicht

Rezension Antje Joel: Jagd

In dem Buch von Antja Joel mit dem schlichten Titel “Jagd” geht es, wie ich in anderem Zusammenhang schon mal äußerte, eigentlich weniger um die Jagd als solche, sondern eher darum, was man in der Jagd sucht und nicht findet. Freiheit schon mal nicht: “Jagd in Deutschland ist nicht Freiheit. Es ist ein exklusives, streng limitiertes und reglementiertes “Vergnügen”. Stocksteif und starr wie Magda.” Magda ist die protofaschistische Ausbilderin in dem von Gruppenzwang und Konformitäts- und Zugehörigkeitsritualen geprägten Jungjägerkurs, den Joel seinerzeit besucht hat – eine Schilderung, die viele für authentisch halten dürften, da sie ähnliches erlebt haben. Seit sie vor ca. 20 Jahren die Jägerprüfung bestand, hat sie kein Stück Wild geschossen: “Ich bin kein Jäger. Ich war seit Ewigkeiten auf der Jagd. Hatte schon vor Jahren scheinbar jedes Interesse an ihr verloren. Meine Waffen verkauft. Vorbei. Ich dachte, das lag daran, dass die Jagd, so wie ich sie in braven deutschen Wäldern erlebt hatte, nicht meinen Vorstellungen von ihr entsprach. Nicht: lebhaft, natürlich, erfrischend. Sondern: behäbig, steril und altbacken. Ich dachte, es lag daran, dass ich mit den Jägern, wie ich sie in ernüchternder Überzahl kennengelernt hatte, nichts gemeinsam hatte.”

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Jagen für Landlust-Leser

Rezension Pauline de Bok: Beute

Pauline de Bok hat mit “Beute” etwas geschafft, was viele für unwahrscheinlich bis unmöglich gehalten hätten. Mit einem Jagdbuch – einem Pro-Jagd-Buch, genauer gesagt – auf die Bestsellerlisten zu gelangen. Ich muss sagen, so hundertprozentig erschließt sich mir bei der Lektüre nicht, was den erstaunlichen Erfolg dieses Buchs ausmacht. Es ist ohne Frage gut geschrieben und liest sich leicht und locker, streckenweise durchaus genussvoll, weg. In fachlicher Hinsicht bietet es erfahrenen Weidmännern und -frauen wenig, das ist aber auch nicht der Anspruch des Buchs, das stellenweise erstaunlich konventionelle Jagdprosa und Naturschilderungen der sattsam belkannten Sorte – “Die Sonne versinkt hinter der doppelten Baumreihe in der Ferne, wo ein überwucherter Hohlweg verläuft…” – aufbietet. Manche Kapitel könnten Überschriften-Klassiker tragen wie “Mein erster Rehbock” oder “Meine erste Drückjagd”. Tun sie aber nicht, zum Glück. Jäger und Nichtjäger werden aber – möglicherweise mit einer Prise Neid – die Schilderungen der ländlichen Idylle lesen, die sich de Bok mit ihrem ausgebauten Kuhstall in Mecklenburg-Vorpommern geschaffen hat.

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Ihm bleibt ein Vierteljahr zu leben…

Jawina-Autor Robert Saemann-Ischenko, Verfasser der beliebten Willi-Kolumne, hat einen spannenden Thriller geschrieben, in dem es auch um Jagd geht. Eine gute Idee für den jagdlichen Weihnachts-Gabentisch, finden wir…

Er erinnerte sich an den Moment, da ihm aufgefallen war, dass Jäger ganz offiziell nach Weißrußland einreisen durften; auch in diese Gegend, die der Wisentjäger Lukaschenko jeden Herbst besuchte. Und das samt vertrautem Gewehr und mit eigener Munition. Diese Erkenntnis hatte ihn elektrisiert; nach und nach hatte er in seinem Kopf lose Enden dazu verknüpft, bis schließlich sein Plan vollständig gewesen war. Er hatte ihn umgesetzt. Sich in einen Jäger verwandelt. Kein Gesetz gebrochen. Alles in seinem Kopf gelassen, keine Spuren hinterlassen. Niemand ahnte, dass es ihn gab und was er vorhatte.

Schön, dass alte Männer als harmlos galten. Wie hatte der Historiker Alexander Demandt in seinem Buch „Das Attentat in der Geschichte“ geschrieben? „Alte Männer begegnen uns unter den Attentätern nicht; Verwegenheit legt sich mit den Jahren.“
Dieser Theoretiker. Idealismus war keine Frage der Jahre, und die Verwegenheit wurde oft nur leiser. Einer wie er mußte nicht mal sein Leben aufs Spiel setzen, weil es sozusagen keines mehr in ihm gab.                        (Aus „So ich dir“)

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Das Buch zur Sau

Jawina-Lesern ist Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel als kein Blatt vor den Mund nehmender Autor von Beiträgen und Kommentaren bekannt. Jetzt hat Prof. Pfannenstiel ein Buch über seine Lieblingswildart geschrieben: Das Schwarzwild. Der Untertitel des Werks: “Biologie und Bejagung – ein Leitfaden für die Praxis”, bringt ziemlich gut auf den Punkt, worum es in dem Buch geht: Hier wird anschaulich und verständlich, aber fundiert und auf der Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse die Biologie der Sauen geschildert. Dabei kommt der jagdliche Bezug in keinem Kapitel zu kurz.

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Der Geist des Altai

Galsan Tschinags tuwinische Geschichten

Dass es Galsan Tschinag und seine Bücher überhaupt gibt, ist fast schon ein kleines Wunder. Anfang der Vierziger Jahre wurde er im Altai-Gebirge geboren. Er gehört zum Stamm der Tuwa oder Tuwiner, deren Oberhaupt er heute ist. Tuwa, eine autonome Republik und Teil der Russischen Föderation, liegt im südlichsten Zipfel Sibiriens an der Grenze zur Mongolei. Der tuwinischen Tradition gemäß wuchs Galsan Tschinag als Nomade auf, zog mit dem Vieh von der Sommer- auf die Winterweide, ritt auf den kleinen, harten, zähen Pferden zur Jagd, lauschte abends in der Jurte den Gesängen der Schamanin. Aus dieser unendlich fernen und fremden Welt berichtet er – und das faszinierenderweise auf deutsch. So erhalten seine deutschsprachigen Leser eine eindringliche Schilderung des archaischen Lebens der Tuwiner aus erster Hand – und zugleich eine ziemlich präzise Vorstellung von der Härte einer wirklich “naturnahen” Existenz.

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Vom Trunke

Der Hinweis auf prominente Säufer und Jäger wie Hermann Löns oder Ernest Hemingway erübrigt sich: Die innige Verbindung zwischen Jagd und Alkohol ist Allgemeingut, ja Klischee. Jawina.de beweist auch auf diesem Gebiet den entscheidenden Wissensvorsprung und präsentiert ein gelehrtes Fachbuch.

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Coverabbildung

Ein Zitat im Vorwort des Buchs sorgt für die verdiente Einordnung des Stoffs in metaphysische Dimensionen: Auf die Frage, ob er an Gott glaube, antwortete Frank Sinatra einst: “Ich bin für alles zu haben, was einen durch die Nacht bringt, sei es ein Gebet, Tranquilizer oder eine Flasche Jack Daniels.”

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Vom Jagdrevier zum UNESCO-Weltnaturerbe

Das Buch „Serrahn – Weltnaturerbe im Müritz-Nationalpark“ gewinnt Literaturpreis

160 Moore, 350 Jahre alte Buchen und an die 10.000 Tierarten vom Juchtenkäfer bis zur Großen Rohrdommel oder dem Fischotter – das UNESCO-Weltnaturerbe „Wildpark Serrahn“ im Norden Deutschlands wurde dieses Jahr im übertragenen Sinne zum zweiten Mal ausgezeichnet. Die Autoren Hans-Jürgen Spieß, ehemaliger Leiter der Biologischen Station Serrahn, und der Naturfotograf Dr. Peter Wernicke, erhielten für ihr Buch „Serrahn – Weltnaturerbe im Müritz-Nationalpark“ den Annalise-Wagner-Literaturpreis.

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ThüringenForst legt den Klassiker „Sylvicultura Oeconomica“ neu auf

Zum Tag des Buches (am heutigen 8. Mai) denken viele Leser an die neuesten Romane, Krimis oder Essays. Für Förster hingegen ist es eine gute Gelegenheit, wieder einmal den Forstklassiker schlechthin, die Sylvicultura Oeconomica von Hans Carl von Carlowitz in die Hand zu nehmen. Gerade 2013 macht dies besonderen Sinn: Denn der Klassiker ist 300 Jahre alt geworden. 1713 durch den ein Jahr später verstorbenen Bergbau- und Forstexperten des sächsischen Hofes veröffentlicht, gilt dieses Werk als Geburtsstunde eines ursprünglich forstlichen Begriffs, der später einmal die ganze Welt erobern sollte: Die Nachhaltigkeit.

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