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Alfred Brehm: Der Wolf

“Hier mal was zum Wolf von Alfred Brehm, alt, aber wahrscheinlich aus der Praxis”, schreibt Jawina-Leser AHe, dessen Anregung (danke nochmal dafür!) wir gerne aufnehmen: Im folgenden das Kapitel “Der Wolf” aus Brehms Tierleben von 1827:

Der Wolf ( Canis lupus) hat etwa die Gestalt eines großen, hochbeinigen, dürren Hundes, der den Schwanz hängen läßt, anstatt ihn aufgerollt zu tragen. Bei schärferer Vergleichung zeigen sich die Unterschiede namentlich in folgendem: Der Leib ist hager, der Bauch eingezogen; die Läufe sind klapperdürr und schmalpfotig; die langhaarige Lunte hängt bis auf die Fersen herab; die Schnauze scheint im Verhältnis zu dem dicken Kopfe gestreckt und spitzig; die breite Stirn fällt schief ab; die Seher stehen schief, die Lauscher immer aufrecht. Der Pelz ändert ab nach dem Klima der Länder, die der Wolf bewohnt, ebensowohl hinsichtlich des Haarwuchses wie bezüglich der Färbung. In den nördlichen Ländern ist die Behaarung lang, rauh und dicht, am längsten am Unterleibe und an den Schenkeln, buschig am Schwanze, dicht und aufrechtstehend am Halse und an den Seiten, in südlichen Gegenden im allgemeinen kürzer und rauher. Die Färbung ist gewöhnlich fahlgraugelb mit schwärzlicher Mischung, die an der Unterseite lichter, oft weißlichgrau erscheint. Im Sommer spielt die Gesamtfärbung mehr in das Rötliche, im Winter mehr in das Gelbliche, in nördlichen Ländern mehr in das Weiße, in südlichen mehr in das Schwärzliche. Die Stirne ist weißlichgrau, die Schnauze gelblichgrau, immer aber mit Schwarz gemischt; die Lippen sind weißlich, die Wangen gelblich und zuweilen undeutlich schwarz gestreift, die dichten Wollhaare fahlgrau. Hier und da kommt eine schwarze Spielart des Wolfes vor. Gebirgswölfe sind am allgemeinen groß und stark, Wölfe der Ebenen merklich kleiner und schwächer, keineswegs aber auch minder raub- oder angriffslustig. In Ungarn und Galizien unterscheidet man ganz allgemein den Rohr- und Waldwolf. Ersterer ist rötlichgrau, nicht stärker als ein mittelgroßer Vorstehhund, lebt meistens in zahlreichen Rotten beisammen und liebt ebene, sumpfige, nicht sehr waldreiche Gegenden; letzterer hat aschgraue Färbung, erreicht eine viel bedeutendere Größe als der Rohrwolf, schlägt sich nur während der Ranzzeit in größere Meuten zusammen, bildet außerdem Trupps von zwei bis fünf Stück und bevorzugt zusammenhängende Waldungen. Beide können wohl nur als Spielarten aufgefaßt werden, ebenso wie der in China hausende Tschango schwerlich als besondere Art sich bewähren dürfte. Ein ausgewachsener Wolf erreicht 1,6 Meter Leibeslänge, wovon 45 Zentimeter auf den Schwanz kommen; die Höhe am Widerriste beträgt etwa 66 Zentimeter. Die Wölfin unterscheidet sich von dem Wolfe durch etwas schwächeren Körperbau, spitzere Schnauze und dünneren Schwanz.

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