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CIC/DJV: Südliches Afrika stellt CITES-Mitgliedschaft in Frage

Bei mehreren südafrikanischen Staaten herrscht große Unzufriedenheit über die Ergebnisse der Genfer CITES-Konferenz. In einer gemeinsamen Abschlusserklärung kündigen zehn südafrikanische Länder an, ihre CITES-Mitgliedschaft auf den Prüfstand stellen zu wollen.

Vergangene Woche endete in Genf die 18. Vertragsstaatenkonferenz über das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES), das den internationalen Handel mit gefährdeten Tieren und Pflanzen regelt. Zehn südafrikanische Länder, darunter Botswana, Namibia und Tansania, zeigen sich schockiert darüber, wie CITES aktuell zu seinen Beschlüssen findet. In einer gemeinsamen Abschlusserklärung, adressiert an die CITES-Vollversammlung und an seine Generalsekretärin Ivonne Higuero, kündigt die Entwicklungsgemeinschaft der südlichen afrikanischen Länder (SADC) an, ihre Mitgliedschaft bei CITES überprüfen zu wollen. Der Internationale Rat zur Erhaltung des Wildes und der Jagd (CIC) in Deutschland und der Deutsche Jagdverband (DJV) stellen fest, dass aktuelle Entscheidungen von CITES nicht auf wissenschaftlichen Fakten basieren, sondern beeinflusst sind von Tierrechtsorganisationen.

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Aufhebung des Jagdverbots: “Botswana ist kein Großwildreservat!”

Die Ankündigung der botswanischen Regierung, das seit 2014 bestehende Jagdverbot aufzuheben, sorgt für internationale Furore. Tierrechtsorganisationen werden nicht müde die botswanische Regierung anzugreifen. Medien beteiligen sich an der emotional geführten Debatte.

Im Interview mit CIC und DJV erläutert der Tiermediziner und Wildtierspezialist Dr. Erik Verryenne, der seit 2002 in Botswana forscht und arbeitet, die Hintergründe für die Wiedereinführung der Jagd. Er ist kein Jäger, sieht in der Jagd aber ein wichtiges Artenschutz-Instrument.

DJV/CIC: Botswana ist das elefantenreichste Land der Welt. Was hat man sich darunter vorzustellen?

Dr. Erik Verreynne: Die Zahl der Dickhäuter stieg von 55.000 im Jahr 1990 auf über 120.000 im Jahr 2012. 17 Prozent Botswanas sind als Nationalpark ausgewiesen, in denen mindestens 25.000 Elefanten leben. Weitere 72.000 Elefanten leben in sogenannten „Wildlife Management Areas“, die 32 Prozent der Landesfläche ausmachen. Nochmals 27.000 Elefanten bewegen sich außerhalb dieser Gebiete. Rechnerisch ergibt das 1,2 Elefanten pro Quadratkilometer, die sich Wasser und Land mit Menschen teilen müssen, die von der Landwirtschaft abhängig sind. Die Bauern Botswanas leben im Durchschnitt 400 bis 500 Meter von einem Elefanten entfernt. 40 Menschen wurden in den vergangenen zehn Jahren von Elefanten getötet, die meisten in der Zeit des Jagdverbots. Fakt ist: Botswana hat mehr Elefanten, als wir vertragen.

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Wilderer töten 87 Elefanten in Botswana

Die Naturschutzorganisatione Elephants Without Borders (EWB) hat bei Zählflügen über Botswana die Kadaver von 87 frisch gewilderten Elefanten entdeckt. Außerdem fielen fünf weiße Nashörner den Wilderern zum Opfer, die die Tiere wegen ihres Elfenbeins verfolgen. Da erst die Hälfte der Zählflüge für 2018 abgeschlossen ist, erwarten die Experten von EWB, dass die endgültige Auswertung noch weitaus höhere Zahlen ergibt. In der letzten Dekade ist schätzungsweise ein Drittel der afrikanischen Elefantenpopulation von Wilderern abgeschlachtet worden, allein in den letzten fünf Jahren haben schwer bewaffnete Wilderertrupps 60 Prozent der Elefanten Tansanias getötet. Botswana galt bisher als vergleichsweise sicherer Ort für Elefanten, weil das Land eine kopfstarke und gut ausgerüstete Anti-Wilderer-Einheiten unterhielt. Doch der im Mai ins Amt gekommene neue Präsident Botswanas, Mokgweetsi Masisi, hat nur einen Monat nach seiner Wahl damit begonnen, die Behörde für Wildtiere und Nationalparks zurückzubauen. Die Anti-Wilderer-Einheiten werden stark verkleinert und müssen militärische Waffen und Ausrüstungsteile abgeben.

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Lesefrüchte 3: Jagdverbot entzieht Dorf die Existenzgrundlage

Aufmerksame Jawina-Leser haben ähnliche Geschichten schon gehört, aber das macht nichts: Manche unliebsame Wahrheit kann man nicht oft genug verbreiten: Vor zwei Jahren hat Botswana die umstrittene Trophäenjagd verboten, die New York Times hat sich in dem abgelegenen Dorf Sankuyo im Okawango-Delta umgesehen und die verheerenden Folgen des Jagdverbots dokumentiert: “A Hunting Ban Saps a Village’s Livelihood” ist der Artikel von Norimitsu Onishi überschrieben. Ein Dorfbewohner bringt es auf den Punkt: “Früher, als es die Jagd gab, wollten wir diese Tiere beschützen, weil wir gut an ihnen verdient haben – heute haben wir keinen Nutzen von ihnen. Die Elefanten und Büffel zerstören unsere Felder und nachts kommen die Löwen in unsere Kraals.” Großraubwild wird zudringlicher, wenn es dunkel wird, trauen sich die verängstigten Dorfbewohner nichts mehr ins Freie.

Auch die Einkommenssituation der Dorfbewohner hat sich drastisch verschlechtert: Über Jahre hinweg haben die Abschuss- und Lizenzgebühren der Trophäenjäger und die Einnahmen für Tracking, Trophäenaufbereitung und andere Dienstleistungen Geld nach Sankuyo gebracht – Geld, das verwendet wurde, um Toiletten und Brunnen zu bauen und Häuser für die Ärmsten. Die Erlöse aus der Tropäenjagd finanzierten Stipendien für die Jungen und Renten für die Alten. Im Jahr 2010 hat Sankuyo 600.000 Dollar an der (nachhaltigen!) Erlegung von gerade einmal 120 Tieren verdient – das ist vorbei. “Das war das, was den Leuten den Schutz der natürlichen Ressourcen nahebrachte: Wir haben ihnen gesagt, dieser Löwe oder Elefant hat deine Toilette oder deinen Brunnen bezahlt”, sagt Sankuyos Bürgermeister.

Der Artikel liefert auch eine (von vielen) Begründungen dafür, warum Foto-Tourismus kein Ersatz für die Trophäenjagd ist: Foto-Touristen kommen meist nur an spektakuäre, gut erschlossene Orte – abgelegene Käffer wie Sankuyo, die für Jäger gerade interessant sind, lassen sie links liegen. Jäger benötigen weniger Infrastruktur, wenige Jäger bringen mehr Geld als ein ganzes Rudel Touristen, weshalb Jagdreisende nicht die üblen Auswirkungen des Massentourismus mit sich bringen.

Die Jagd dient den zwei großen Zielen, Einkommen zu generieren und die Tiere zu schützen, resümiert ein im Artikel zitierter Experte für Wildtiermanagement: Ironischerweise wurden weniger Tiere getötet, als es die Jagd gab. In Folge des Jagdbanns kehrt der Hass auf die Tiere zurück. SE

Beitragsbild: Der zitierte Artikel in der New York Times.

Thüringen: Im Auge des Shitstorms

Weil er – völlig legal – in Botswana einen Elefanten schoss, ist ein Abteilungsleiter im Thüringer Umweltministerium von einer so erwartbaren wie unreflektierten Empörungswelle überspült worden. Kommentarschreiber fordern unter dem Beifall der Mitforisten, den Beamten wahlweise “abzuknallen” oder den Löwen zum Fraß vorzuwerfen, Petitionen mahnen berufliche Konsequenzen an (mindestens!), und die Hohenpriester der multimedialen Empörungsmaschinerie – grüne und linke Politiker – grölen mit Volkes Stimme im Entrüstungschor (der immer ungenierter altbekannte Motive wie “Hängt ihn auf!” und “Tod den Andersdenkenden!” anklingen lässt) und verlangen die Entlassung des “unzumutbaren” Beamten.

Bezeichnenderweise sind es nicht die selbsternannten “Qualitätsmedien” und schon gar nicht die zwangsgebührenfinanzierten Staatsfunker, die den hochkochenden Volkszorn mit Vernunft und Mäßigung abzukühlen und der Hysterie und selbstgerechten Empörung mit Argumenten beizukommen trachten: Sondern ein Gastautor auf der Internetseite “Die Achse des Guten”, die von einem Zusammenschluss unabhängig denkender Journalisten und Schriftsteller betrieben wird. In seinem brillanten Beitrag “Elefanten-Krawall in Thüringen” stellt Gunnar Dieling klar, dass legale Elefantenjagd weder gegen das Washingtoner Artenschutzabkommen, noch gegen den Artenschutz verstößt. Und erinnert daran, dass das Konzept “Schutz durch Nutzung” nicht nur in Afrika weitaus besser funktioniert, als das konkurrierende Modell des Käseglocken-Naturschutzes.

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