Tadschikistan: Behörden geben zum Schutz vor Wölfen Waffen aus

Damit die Bevölkerung der tadschikischen Provinz Berg-Badachschan (GBAO) sich und ihre Haustiere vor Angriffen durch Wölfe schützen kann, haben die Behörden der Region Waffen an die Privatjäger in dem Gebiet ausgegeben. Das berichtet das News-Portal Novastan.org. Das Portal beruft sich auf einen Bericht der tadschikischen Nachrichtenseite Asia-Plus, die den offiziellen Pressedienst der Regionalverwaltung als Quelle nennt. Zuvor soll bereits ein Team der Sondereinheit Alpha des Staatlichen Komitees für nationale Sicherheit (GKNB) in der Region eingesetzt worden sein, um Wölfe zu bekämpfen. Dafür sei die Sondereinheit mit modernen Jagdwaffen ausgestattet worden. Doch die wenigen Spezialkräfte der Sondereinheit waren nicht in der Lage, die Wolfspopulation wirksam genug zu bekämpfen. Deshalb beschloss die Bezirksregierung, die Zivilbevölkerung mit Waffen auszustatten, so der Bericht.

In Dörfern, in denen es zu wenig Jäger gebe, sollen Wachdienste von lokalen Strafverfolgungs- und Sicherheitskräften eingerichtet werden. Auch Wolfsfallen sind Aisia-Plus zufolge ausgegeben worden.

Im Jahr 2012 war es zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen in der Provinzhauptstatdt Chorugh gekommen, in deren Folge die Zivilbevölkerung entwaffnet wurde. Aufgrund dessen wurden in den Jahren danach zu wenig Wölfe geschossen, deshalb sei die Wolfspopulation seit 2012 massiv angewachsen. Dies habe zu der gegenwärtigen Bedrohungslage geführt. Vor allem in den Wintermonaten komme es zu Angriffen auf Nutztiere und Menschen, so Novastan.org, im vergangenen Winter seien zwei Menschen, mehrere Hunde und zahlreiche Nutztiere den Wölfen zum Opfer gefallen.

In einem Beitrag auf Asia-Plus wird berichtet, dass “im Juli 2017 ein Wolf im Bezirk Shugnansky ein dreijähriges Kind gebissen habe, 2018 sei dort ein 4-jähriger Junge von einem Wolf angegriffen worden – nur die Schreie seiner Mutter und das Erscheinen von Nachbarn hätten das Kind gerettet. Anfang März 2019 griffen Wölfe in dieser Region ein 6-jähriges Kind und einen Polizeibeamten in der Nähe ihres Hauses an. Den Nachbarn gelang es, das Kind dem Wolfsmaul zu entreißen und ins Krankenhaus zu bringen. Im Januar dieses Jahres griffen Wölfe in einem der Dörfer des Bezirks ein fünfjähriges Kind und einen Mann an. Im März 2019 griff ein Wolfsrudel im Medenshore-Dorf Jamoat Porshnev im Bezirk Shugnansky zwei Einwohnerinnen an. Die Frauen starben an ihren Wunden.”

Während die Regierung meint, dass der Hunger die Wölfe in die Dörfer treibe, meint ein auf Asia-Plus zitierter Wissenschaftler, dass Nahrungsmangel nicht das grundsätzliche Problem sei: In den Bergen des Pamir lebten genug Huftiere, um die Wölfe zu ernähren. Es seien vielmehr junge, unerfahrene oder alte, aus den Rudeln vertriebene Wölfe, die auf der Suche nach leichter Beute in die Dörfer eindringen und dabei gelegentlich auch Menschen angreifen.

In Tadschikistan findet die Wolfsjagd im Rahmen einer staatlich organisierten Lizenzjagd statt. Die Lizenzen sind für einheimische Jäger kostenlos beim Umweltschutzausschuss der Regierung zu erhalten.

Nach Schätzungen eines aus Novastan.org zitierten Wissenschaftlers sollen in der Region Berg-Badachschan etwa 500 Wölfe leben. SE

Beitragsbild: Im Pamirgebirge in der tadschikischen Provinz Berg-Badachschan (GBAO). Foto: SE

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4 Gedanken zu „Tadschikistan: Behörden geben zum Schutz vor Wölfen Waffen aus

  1. Ronbi

    Was können wir daraus für Deutschland lernen?
    Warte noch ein Weilchen?

    Lese gerade an anderer Stelle, in Niedersachsen taugen die ehrenamtlichen Wolfsberater eher dazu, Wölfe zu beraten.

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    1. Bele

      Wir brauchen gar nicht so weit weg suchen: In Schweden haben schon etliche Dörfer diese Probleme im Anfangsstadium. Bei Google Mal “Varg” für Wolf eingeben und notfalls durch den Übersetzer jagen. Die Wölfe pflücken dort Hunde direkt von der Leine, in Siedlungen, vom Herrchen weg. Sie werden aufdringlich und lassen sich oft nur durch Fusstritte vertreiben. Das reicht den Behörden noch nicht …

      Na vielleicht wollen die großen Grauen ja wirklich nur kuscheln.

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  2. Anko

    Wolfsangriffe auf Kinder? Sicher wieder nur Greuelgeschichten, die naturschutzfachliche Expert*Innin unserer zahlreichen Wolfsexpertise-Organisationen widerlegen können … Bestimmt.

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  3. Zündelnerlaubt

    Mal Polemik bei Seite, es gibt aufgrund von mangelnder Bejagung zu vile Wölfe, also eine Population die zu groß ist, die Tiere weichen aus und stellen somit eine Gefahr für Menschen und Haustiere da, folgerichtig soll wieder gejagt werden.
    Hier bei uns holen sich die Wölfe Hausstiere weil es einfach ist und nicht weil sie Hunger leiden. Ein tatsächlicher Vergleich zwischen Tadschikistan und Deutschland ist nicht möglich.
    Das einzige was gleich ist, ist das zu große Wolfsbestände eingedämmt werden müssen.

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