Südtirol: Millionenstrafe für Abschussverfügungen von Murmeltier und Kormoran

FACE: “Scharfer Angriff auch auf andere nachhaltige Jagdsysteme in Europa”

Am Montag sind vom Rechnungshof in Rom der ehemalige Südtiroler Landeshauptmann Luis Durnwalder und der ehemalige Amtsdirektor des Amtes Jagd und Fischerei, Heinrich Erhard, zu insgesamt 1,14 Millionen Euro Schadensersatz verurteilt worden, weil sie Abschussverfügungen für Kormorane, Murmeltiere und andere Tiere angeordnet hatten. Durch den Abschuss der geschützten Tierarten sei Italien Schaden entstanden, hatte der Rechnungshof argumentiert. Daher sollen Durnwalder und Erhard je 568.125 Euro Schadensersatz leisten. Das Urteil sei “total überzogen, unverständlich und absolut weltfremd”, erklärte der Südtiroler Bauernbund gegenüber stol.it: “Durch den Abschuss ist kein Schaden entstanden, es wurden Schäden verhindert,” sagte Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler auf stol.it: “Immer wieder gibt es in der Berg- und Almwirtschaft Probleme, besonders mit den Murmeltieren. Wenn sie sich unkontrolliert vermehren und ausbreiten, ist an eine Bewirtschaftung der Bergwiesen nicht mehr zu denken.”

Der Europäische Jagdverband FACE (European Federation of Hunting and Conservation) kritisierte das Urteil scharf: Es bestehe “dringender Erklärungs- und Handlungsbedarf”. Dieses Urteil sei ein schwerer Angriff auf andere nachhaltige Jagdsysteme in Europa: “Oberstes Ziel der europäischen Jägerschaft ist der Erhalt einer intakten Natur und eines gesunden Wildbestandes”, stellt der Präsident des Verbandes, Dr. Michl Ebner klar. Dabei gilt vor allem Südtirols Jagdsystem innerhalb des Jagdverbandes, in dem sieben Millionen Jägerinnen und Jäger aus 36 europäischen Staaten vereint sind, seit jeher als besonders vorbildlich, weil ökologisch nachhaltig und sozial ausgewogen.

Die Bemühungen und Anstrengungen der zuständigen Südtiroler Landesbehörde, die Population der Murmeltiere durch gezielte Entnahmen zu regulieren und somit eine diese Wildtiere selbst schädigende Evolution zu vermeiden, ist mit dem Urteil auf den Kopf gestellt worden, so der FACE-Präsident verärgert. Der Europäische Jagdverband spricht Landeshauptmann a. D. Dr. Luis Durnwalder und Amtsdirektor a.D. Dr. Heinrich Erhard nicht nur seine volle Solidarität aus sondern wird alle seine politischen Kräfte zu ihrer Unterstützung nutzen.

Ohne die Berücksichtigung sämtlicher Anforderungen für den Erhalt einer vielfältigen und ausgewogenen Fauna sowie der lokalen Gegebenheiten können keine Entscheidungen getroffen werden, weil andernfalls das ganze Jagdsystem in Europa und die damit verknüpfte Erhaltung eines gesunden Wildbestandes in Frage gestellt wird. Die damit einhergehende Gefährdung von zumindest Teilen des Wildbestandes wäre tatsächlich ein großer und dauerhafter Schaden für die Allgemeinheit und für die einzelnen Mitgliedsstaaten.

Der Europäische Jagdverband FACE wird nun vehement bei den Europäischen Institutionen intervenieren, um diesen Standpunkt mit Nachdruck zu vertreten und die nötige Rechtssicherheit für eine weiterhin nachhaltige Jagd in Europa zur Wahrung eines gesunden Wildbestandes aufrecht zu erhalten, so Dr. Michl Ebner entschlossen. PM/SE

Beitragsbild: Murmeltierbalsam – eine Wohltat. Foto: SE

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