Studie: Wölfe sollen Kausalzusammenhänge besser als Hunde verstehen

Mit einer Reihe seltsamer Experimente wollen Forscherinnen der Veterinärmedizinischen Universität Wien und der Radboud Universität im holländischen Nimwegen sowie des Wolf Science Centers (WSC) in Ernstbrunn herausgefunden haben, dass Wölfe Kausalzusammenhänge besser begreifen als Hunde. Zu diesem Zweck wurde eine Art Kasperletheater an der Einzäunung des Wolfgeheges aufgebaut, in dem die Wissenschaftlerinnen den Tieren verschiedene Darbietungen präsentierten. Dabei ging es darum, dass die Tiere zwischen zwei Objekten wählen mussten: In dem einen befand sich Futter, in dem anderen nicht. Den Tieren wurden aber Hinweise gegeben, in welchem der Objekte sich das Futter befinden könnte. Die Experimentatorin stellte zum Beispiel Augenkontakt zu einem Tier hin und wies dann mit Nicken oder Gesten auf die vielversprechendere Dose hin. Solche kommunikativen Hinweise verstanden Hunde und Wölfe – im WSC werden übrigens Timberwölfe gehalten – etwa gleich gut. Erfolgte der Hinweis nur durch Gesten, versagten Hunde und Wölfe gleichermaßen.

Deutlich besser schnitten die Wölfe jedoch bei einem anderen Versuch ab: Dafür wurden die Dosen mit einer Anglersehne hochgehoben und geschüttelt, die Forscherin war für die Tiere nicht zu sehen. Die futtergefüllte Dose machte beim Schütteln verheißungsvolle Geräusche, die leere nicht. Hier tippten die Wölfe in 70 Prozent der Fälle auf die richtige Dose, die Hunde nur in 50.

Die Forscherinnen vermuten, dass die Domestikation die Fähigkeit, Kausalzusammenhänge zu erkennen, beeinflusst habe: Während Haustiere sich bei Problemen darauf verließen, dass der Mensch ihnen helfe, müssten wild lebende Spezies ihre Probleme selber lösen müssten. “This hypothesis suggests that selection pressures that advance causal understanding and thus problem-solving in wild animals, have relaxed on their domesticated counterparts due to a buffering effect of human care”, schreiben sie in dem Aufsatz “The effects of domestication and ontogeny on cognition in dogs and wolves”, der in dem wissenschaftlichen Fachjournal Scientific Reports veröffentlicht wurde. (Dort ist unter “Figures” auch ein Bild des Versuchsaufbaus zu sehen).

Problematisch erscheint an dem Experiment die kleine Zahl der Probanden – es befanden sich nur zwischen zwölf und 14 Tieren in den jeweiligen Gruppen – so dass das Ergebnis streng genommen nur lauten dürfte, dass diese Wölfe besser performten als diese Hunde. Zudem werden ja auch die Timberwölfe im Gehege von Menschen mit Futter versorgt, es wäre also zu fragen ob und wenn ja welchen Einfluss das auf die kognitiven Fähigkeiten der Wölfe hat. Überdies erscheint es denkbar, dass die Experimentatorinnen bei der Kommunikation mit den Tieren neben Gesten und Augenkontakt weitere, von den Tieren möglicherweise wahrnehmbare Informationen übermittelten, ohne dass das menschliche Personal sich dessen bewusst gewesen ist. SE

Beitragsbild: Die Studie “The effects of domestication and ontogeny on cognition in dogs and wolves” von Michelle Lampe, Juliane Bräuer, Juliane Kaminski und Zsófia Virányi auf Science Report. (Bildschirmfoto, Ausschnitt)

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