Studie: Fördert legale (Wolfs-)Jagd die Wilderei?

Die New York Times (NYT) berichtet über eine Studie der Wildbiologen Guillaume Chapron und Adrian Treves, die zu belegen versucht, dass durch die Lagalisierung der Jagd auf Großkarnivoren wie Wölfe und Grizzly-Bären die Wilderei auf diese Arten zunimmt. Dies steht im Widerspruch zu der von Jägern und der eine Nutzung natürlicher Ressourcen nicht ablehnenden Fraktion von Naturschützern vertretenen Auffassung, derzufolge legale Jagdmöglichkeiten Wilderei vermindern.

Da zu erwarten ist, dass sich jagdfeindliche Kreise auf diese Studie berufen werden, wenn es gilt, etwa die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht zu verhindern, und NICHT zu erwarten ist, dass hiesige Medien auch nur annähernd so ausgewogen und objektiv darüber berichten wie die NYT Umwelt-Redakteurin Erica Goode, stellen wir deren Beitrag im folgenden vor.

Die Studienautoren Adrian Treves (University of Wisconsin) und Guillaume Chapron (Schwedische Universität für Agrarwissenschaften, SLU) haben sich mit den Wolfspopulationen in den US-Bundesstaaten Michigan und Wisconsin befasst, wo Wölfe zeitweise streng geschützt waren, dann wieder legal bejagt werden durften, bis die Wolfsjagd von Gerichten wieder untersagt wurde. Sie kamen zu dem Schluss, dass in Zeiten, als Bejagung oder “Culling” von Wölfen legal war, auch die Wilderei auf diese Wildart zunahm. Sie folgern daraus, dass der Staat mit der Legalisierung der Wolfsjagd “ein negatives Signal” bezüglich des Wertes der Wölfe aussende und den Eindruck erwecke, dass Wilderei nicht allzu streng geahndet würde.

Dr. Treves rühmte sich gegenüber der NYT, mit der Studie seien “einige Säulen des Argumentes untergraben worden, dass Jagd dem Naturschutz diene.” Aussagen wie diese deuten lassen darauf schließen, dass die “Wissenschaftler” eine Agenda verfolgen, die die geforderte Objektivität beeinträchtigen. Auch der unwissenschaftliche Titel der Studie: “Blood does not buy goodwill: allowing culling increases poaching of a large carnivore” [“Mit Blut kann man guten Willen nicht erkaufen…”, Übers.: SE] nähren Zweifel an deren Seriosität.

Die Methode von Treves und Chapron, die Zuwachsrate der Wolfspopulation in Jahren zu vergleichen, als das Culling legal bzw. illegal war und daraus mit Hilfe eines mathematischen Verfahrens Rückschlüsse auf das Ausmaß der Wilderei zu ziehen, wird dann auch von anderen Wissenschaftlern scharf kritisiert. Der Wolfsspezialist Daniel MacNulty (Utah State University) sagte gegenüber der NYT, die Autoren zögen “eine verwegene Schlussfolgerung aus dürftigen Belegen.” Schon die Schätzungen der Wachstumsrate durch die Studienautoren seien derart ungenau, dass man vernünftigerweise folgern müsse, dass es keinen Unterschied zwischen Jahren mit oder ohne Bejagung gebe.

Der Wildbiologe Tim van Delen monierte, dass Treves und Chapron andere Einflüsse auf das Populationswachstum wie die Größe der Würfe, Krankheiten und häufigere Territorialkämpfe mit tödlichem Ausgang für Jungwölfe aufgrund höherer Wolfsdichte willkürlich außer Acht gelassen hätten. Es gäbe wissenschaftliche Hinweise, dass die geringere Wachstumsrate auf Faktoren zurückzuführen sei, die in direktem Zusammenhang mit der angewachsenen Wolfspopulation stünden.

Biologen des Fish and Wildlife Service vertreten dann auch die gegenteilige Auffassung der Studienautoren: Unterblieben infolge eines strengen Schutzstatus angemessene Maßnahmen um selbst Schadwölfe zu dezimieren, so würden die Leute zu illegalen Tötungen Zuflucht nehmen. Als es um die Grizzly-Bären im Yellowstone-Nationalpark ging, argumentierten die Biologen vom Fish and Wildlife Service, dass die zukünftige Festsetzung einer Jagdzeit die lokale Toleranz und Akzeptanz für die Grizzlies erhöhe und Wilderei verringere. SE

Beitragsbild: Internetseite der Proceedings of the Royal Society B mit der Studie von Treves und Chapron (Bildschirmfoto, Ausschnitt)

Ein Gedanke zu „Studie: Fördert legale (Wolfs-)Jagd die Wilderei?

  1. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Wissenschaftliche Redlichkeit steht anscheinend gerade in der Jagdgegnerszene nicht in großem Ansehen. Solche Fälle gibt es ja auch bei uns. Hier ein Beispiel dafür, wie sich so etwas phantasievoll gestalten lässt.
    Der Tod von einigen Seeadlern durch Bleivergiftung lässt sich nicht leugnen. Diesen Umstand aber zu einem Artenschutzproblem hoch zu stilisieren, ist unredlich. Auf gleich unredliche Weise könnte man die Sache argumentativ genau ins Gegenteil verkehren: Die Schalenwildstrecken in Deutschland sind in den letzten 30 Jahren stetig angestiegen, was auch gestiegenen Munitionsverbrauch bedeutet. Bis vor kurzem waren das ausschließlich bleihaltige Büchsengeschosse. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Seeadler-Brutpaare in Deutschland ebenfalls stark angewachsen, derzeit auf geschätzt mehrere Hundert Brutpaare. Wenn man also bösartig und unredlich argumentiert, könnte man sagen, die Seeadler-Besätze sind deshalb gestiegen, weil die Adler mehr Blei mit Aufbrüchen aufnehmen konnten.
    Ähnlich wird von Jagdgegnern argumentiert, wenn es um die Bejagung von Beutegreifern geht. Die Bejagung des Fuchses kurbele nur die Fortpflanzung noch weiter an, und am Ende seine mehr Füchse da, als wenn man sie nicht bejage. Man fragt sich bei dieser Logik, weshalb man durch scharfe Bejagung Arten zum Aussterben bringen konnte. Bei scharfer Bejagung müssten dann doch noch mehr Wölfe da sein, als jetzt schon, oder? Lassen wir uns als Jäger nicht von solchen Taschenspielertricks verunsichern!

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