Studie: Europäische Wölfe sind genetisch verarmt

Wissenschaftler um den Biologen und Genetiker Luca Fumagalli von der Universität Lausanne haben 255 DNA-Proben von Wölfen aus europäischen Museen untersucht. Die Proben stammen aus der Zeit des Übergangs vom 19. ins 20. Jahrhundert. In diesem Zeitraum fand die intensive Bejagung des Wolfs in vielen westeuropäischen Ländern ihr Ende, weil Wölfe lokal ausgerottet waren. Dies hat deutliche Spuren im Erbgut des Wolfs hinterlassen: Die Forscher konnten zeigen, dass die genetische Vielfalt der Wölfe in den vergangenen Jahrhunderten hoch war – bis zu dem Zeitpunkt, als die westeuropäischen Populationen durch menschliche Verfolgung erloschen: “In Westeuropa, wo Wölfe fast vollständig ausgerottet wurden, kam es zu einem dramatischen Zusammenbruch der genetischen Vielfalt zu Beginn des 20. Jahrhunderts, schreiben die Forscher im Abstract der Studie “Howling from the past: historical phylogeography and diversity losses in European grey wolves“, “Und die Wiederbesiedlung durch wenige verbliebene homogene Populationen hatte eine drastische Veränderung der genetischen Struktur zur Folge. (In Western Europe, where wolves nearly got fully exterminated, diversity dramatically collapsed at the turn of the twentieth century and recolonization from few homogeneous relict populations induced drastic shifts of genetic composition).

Genetische Flaschenhälse durch von Menschen bewirkte Populationsrückgänge seien alarmierende Symbole für den irreversiblen Verlust unseres natürlichen Erbes weltweit, heißt es weiter. Der Grauwolf sei ein Musterbeispiel für extremen Niedergang durch anthropogene Faktoren. Im Gegensatz dazu zeigten Wolfspopulationen in Osteuropa, wo der Wolf weniger erfolgreich verfolgt wurde, deutlich weniger genetische Verschiebungen und ein stabiles Maß an genetischer Vielfalt (little genetic displacement and steady levels of diversity).

Die Studie zeige den zeitlichen Rahmen und die aktive Rolle des Menschen beim Niedergang des Grauwolfs auf, heißt es weiter, jener “so emblematischen wie kontroversen Tierart, die die komplexe Beziehung zwischen menschlichen Gesellschaften und Naturschutz aufzeige”. SE

Beitragsbild: Titel der Studie “Howling from the past: historical phylogeography and diversity losses in European grey wolves” von Christophe Dufresnes, Christian Miquel, Nadège Remollino, François Biollaz, Nicolas Salamin, Pierre Taberlet, Luca Fumagalli in Proceedings of the Royal Society B (Screenshot).

2 Gedanken zu „Studie: Europäische Wölfe sind genetisch verarmt

  1. Grimbart

    Das hätte ich auch so sagen können, null Exemplare gleich null genetische Vielfalt. Im Osten noch alles paletti. Wo ist dann das Problem? Schließlich kommen unsere Wölfe von dort. Was soll uns diese Studie also sagen? Nur mal wieder, dass der Mensch gaaaanz böse ist, wenn er sich seinen Lebensraum nach seinen Wünschen gestaltet. Macht er schon seit Jahrtausenden.

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  2. Ralf

    Jetzt fehlt nur noch die These, dass Jäger für das Vorhandensein von Wolfhybriden verantwortlich sind!
    Ich ahne, wessen Lied in der Studie gesungen wird.
    Apropos “Wolfhybriden”: gibt’s denn dazu auch eine Studie? Wie reinrassig sind denn die “Wölfe” in Deutschland? Wird doch angeblich alles DNS-mäßig untersucht, oder? Und dazu soll es noch keine Studie geben?
    Kann man noch von Artenschutz sprechen oder ist es eher “Wolfhybridenschutz”?

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