Straßenverkehrserziehung für Wildtiere

Eine jetzt veröffentlichte Studie der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg zeigt, wie Wildtiere Verkehrswege überqueren und “ökologische Korridore” nutzen. Im Rahmen des Projektes Ökologischer Korridor Südbrandenburg wurde unter anderem das Verhalten von Wildtieren beim Überqueren von Straßen und Schienenwegen untersucht. Es muss nicht immer eine Grünbrücke sein, sei eine Erkenntnis aus dem Bericht, der unter www.wildkorridor.de veröffentlicht ist, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg. Das Projekt Ökologischer Korridor Südbrandenburg verbindet die letzten naturnahen Wald- und Gewässerlebensräume im Süden Brandenburgs für wandernde Wildtiere miteinander und schafft eine Verbindung zu den Naturräumen Polens.

Als Teil der Untersuchung wurden extra für Wildtiere angelegte Grünbrücken (mit einer Breite von 50m) mit kleineren Bauwerken verglichen und Kosten der Bauwerke sowie deren Nutzen für Wildtiere analysiert. Dabei zeigte sich, dass viele bereits in der Landschaft vorhandene Bauwerke wie Forstbrücken, Tunnel, landwirtschaftliche Überwege oder Durchlässe an Gewässern etc. als Querungshilfe für die Tiere dienen können. Dazu müssen sie jedoch bestimmten Anforderungen genügen, die je nach Tierart und Beschaffenheit der Umgebung unterschiedlich sind. Da vielerorts aus Gründen der Flächenverfügbarkeit und Finanzierung nur wenige Grünbrücken neu gebaut werden können, sind die Tiere auf das Netz der zahlreichen vorhandenen kleineren Querungen angewiesen, das ihre Lebensräume miteinander verbinden und Wanderungen ermöglichen kann.

Hier liegt nach Ansicht der Studienautoren ein noch ungenutztes Potenzial: Oftmals lassen sich schon mit kostengünstigen Maßnahmen die Bedingungen an den Bauwerken so verbessern, dass sie von Tieren angenommen werden. Die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg hat dazu konkrete Vorschläge entwickelt und deren Umsetzung vorbereitet. “Es gibt leider kaum Fördermöglichkeiten für die wildtierfreundliche Aufwertung dieser Bauwerke. Das muss sich ändern, denn sie sind für unsere biologische Vielfalt und auch für die Sicherheit von Mensch und Tier essentiell.” erläutert Dr. Hans-Joachim Mader, Ratsvorsitzender der Stiftung. Grünbrücken blieben jedoch nach wie vor an manchen Standorten unverzichtbar. Anspruchsvolle Tierarten wie das Rotwild seien auf sie angewiesen und sie stellten oftmals die einzige Möglichkeit dar, breite Autobahnen zu überwinden.

Gefördert wurde die aktuelle Projektphase von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, dem Brandenburgischen Umweltministerium, der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg und der Umweltstiftung WWF Deutschland. Das Projekt zielt nicht nur darauf ab, Barrieren für die Tiere überwindbar zu machen, sondern vor allem auch darauf, ihre Lebensräume zu verbessern und Leitstrukturen für die Wanderungen zu schaffen. Langfristig werden daher Maßnahmen zur Moor- und Gewässerrenaturierung umgesetzt, wie z.B. Renaturierungsmaßnahmen an Mooren auf den Stiftungsflächen Lieberose. Auch Vorhaben zum ökologischen Waldumbau und zur Waldrandgestaltung wurden bei den Forstverwaltungen im Projektgebiet eingebracht und zum Teil bereits gemeinsam mit Waldbesitzern umgesetzt.

Staatsgrenzen sind kein Hindernis für Tiere, deshalb realisiert die Stiftung seit 2010 auch Expertenaustausch, Monitoring- und Umweltbildungsprojekte in Kooperation mit polnischen Partnern aus Naturschutz, Wissenschaft und Verwaltung. Eine Weiterführung der grenzüberschreitenden Kooperation ist im Rahmen von deutsch/polnischen EU-Interregprojekten geplant. PM Stiftung Naturlandschaften Brandenburg

Beitragsbild: Ein Wolf quert eine Bahnunterführung an der A 13 bei Lipten. Dieser Referenzstandort ist ein gutes Beispiel für die erfolgreiche Aufwertung von kleineren Querungsbauwerken für Wildtiere. Durch den Rückbau eines Gleises konnte die vom Güterverkehr befahrene Strecke für Wildtiere besser nutzbar gemacht werden. Foto: Ökologischer Korridor Südbrandenburg/IUS

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