Stöberprüfung 4.0

Was bringt der Einsatz von Hundeortungsgeräten auf Stöberprüfungen? Auf einer GP des Schwarzwildbrackenvereins konnten Hundeführer und Richter Tracker-Ortungshalsbänder ausprobieren – und waren begeistert:

Es ist nicht immer einfach, die Leistung von Stöberhunden auf Prüfungen fair, gerecht und fundiert zu beurteilen. Wird der Prüfling geschnallt und verschwindet im Unterholz, um nach zwei Stunden, hechelnd ermattet, mit heraushängendem Lecker zu seinem Führer zurückzukehren, so werden die Richter davon ausgehen, dass er wohl ordentlich gejagt habe und eine mindestens gute Note vergeben. Möglicherweise ungerechtfertigt, wenn der Hund die Zeit in einer Dickung verschlafen oder im Nachbardorf zwei läufige Hündinnen gedeckt hat.

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Steffen verpackt seine Kopovs jagdgerecht. Fotos: SE

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Die Tracker-Ortungsgeräte sind in den Taschen der Schutzwesten untergebracht.

“Genau dieses Szenario soll durch den in der Prüfungsordnung vorgeschriebenen Ablauf einer Waldsuche vermieden werden”, wendet Roland Braas ein. Braas leitet die Geschäftsstelle des Schwarzwildbrackenvereins und fungiert als Prüfungsleiter bei der von uns besuchten Gebrauchsprüfung (GP), die am 14.10.2016 in Revieren des Landesforstbetriebs Mahlpfuhl in Sachsen-Anhalt stattfand: “Demnach wird jedem Prüfungsgespann eine zwei bis drei Hektar große Waldparzelle zugewiesen, die an strategisch wichtigen Punkten von sechs bis sieben Leuten abgestellt wird. Dann kriegt in der Regel jemand mit, wie der Hund jagt, optimalerweise auch, was er jagt.”

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Steffen ist schon “heavy user” der Tracker-Ortungstechnik, wie sein Hundeführer-Koffer beweist.

Abgesehen von dem hohen Aufwand, den dieses Prüfungsverfahren mit sich bringt, bleiben Nachteile: So ist jedem klar, dass drei Hektar Wald mit sieben Leuten nicht so abstellen kann, dass nicht doch Lücken blieben, durch die sowohl das Wild, als auch ein Hund unbemerkt entwischen könnte. Zum anderen steckt in dem einen Areal vielleicht ein Rudel Rotwild, im nächsten eine Rotte Sauen, im dritten zwei Rehe und in einem anderen – nichts. Oder ein Rudel Wölfe. Daraus resultieren ziemlich ungleiche Chancen für das jeweilige Gespann, sich auf der Prüfung zu bewähren.

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Gespannte Erwartung während der Ansprache des Jagdleiters.

Der Schwarzwildbrackenverein verfolgt daher seit drei bis vier Jahren eine andere Strategie: Die Stöberprüfungen finden im Rahmen großer Drückjagden statt. Angenehmer Nebeneffekt: “Auch die Richter sollen ein bisschen Spaß haben”, findet Roland Braas, “und nicht nur hunderte von Kilometern durch die Gegend fahren.” Es bleibe eine Hundeprüfung – der Hund muss Leistung gemäß der gültigen Prüfungsordnung zeigen, aber das Umfeld stimmt, dafür sorgen Flair und Atmosphäre einer “echten” Jagd, so der Prüfungsleiter. Die Schwarzwildbracken Vereine in der Slowakei und Tschechien prüfen Ihre Hunde schon lange bei Drückjagden.

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Steffen schnallt seine Hunde nacheinander, damit sie sich nicht angewöhnen, im Team zu jagen. Hund eins läuft…

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… auf dem Smartphone kann der Hundeführer verfolgen, wie sein Hund weiträumig das Gelände absucht.

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Dank der Gruppenfunktion der Tracker-App können Hundeführer und Richter auch sehen, wo und wie die anderen Prüfungshunde unterwegs sind.

Richter und Prüfling beziehen gemeinsam einen Stand, der Richter nimmt, wenn es sich ergibt, an der Jagd teil, der Hundeführer kümmert sich um seine Prüflinge: “Wenn der Hund Standlaut gibt, muss der Hundeführer selbst eingreifen”, erläutert Roland Braas: “Kein Richter möchte in die Situation kommen, möglicherweise einen Prüfungshund beim Abfangen oder durch einen Fangschuss zu gefährden.” Eine Regelung, die sicherlich auch von jedem Hundeführer begrüßt wird.

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Kopov No.1 kehrt nach 30 Minuten zurück an den Stand, Steffen nutzt die herzliche Begrüßung, um den Hund auf Kampfspuren zu untersuchen.

Die grundsätzliche Problematik der Leistungsbewertung bei Waldsuchen bleibt jedoch bestehen, auch wenn diese im Rahmen von Drückjagden stattfinden: Zwar ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass Schützen und Richter zumindest aus der Ferne die jagdliche Leistung eines Hundes mitbekommen. Nicht immer gelingt es aber, den jeweiligen Hund zweifelsfrei zu identifizieren, und selbstverständlich besteht in dem großen Areal nach wie vor die Möglichkeit, dass ein Hund unbemerkt sehr gut – oder gar nicht – jagt.

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Kurze Ruhepause am Stand, dann geht es weiter.

Das Angebot des finnischen Hundeortungsspezialisten Tracker, die Prüfungshunde mit Ortungsgeräten auszustatten, stieß folglich auf großes Interesse bei Richtern und Hundeführern: Von den letzteren griffen fast alle zu, zumal unter den Teilnehmern ein G1000 MAXIMAL verlost wurde: Sieben von acht Hunden traten mit Ortungsgeräten zur Prüfung an. Die Teilnahme war vollkommen freiwillig, die Tracking-Daten flossen nicht in die Bewertung ein. Hundeführer, die zum ersten Mal Tracker oder Hundeortung überhaupt ausprobieren konnten, zeigten sich angetan von der Leistungsfähigkeit der Geräte – insbesondere auch jene Hundeführer, die sonst Ortungstechnik anderer Hersteller nutzen.

Insbesondere die praktisch unbegrenzte Reichweite und die Darstellung der Bell-Laute in der Track-Wiedergabe begeisterten die Tester.

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Auf diesen Screenshots ist sehr gut die unterschiedliche Arbeitsweise der geprüften Kopovs zu sehen: Hier sind einige Hunde, denen das Vom-Stand-Schnallen nicht liegt oder es nicht gewohnt sind. Screenshots: Tracker

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Weiträumige Stöberarbeit eines Prüflings. Anhand von Tracker kann man sehr gut die Stöberarbeit des Hundes beobachten. Während der Jagd hat er selbständig Wild gesucht und laut gejagt. Nach der Jagd fand er zum Hundeführer zurück.

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Dieser Hund blieb nach kurzer Verfolgung von einem Stück Rotwild längere Zeit auf der Straße. Vorsichtshalber sammelte der Hundeführer ihn nach ca. 30 Minuten Stöberarbeit ein – schwierige Beurteilung für die Richter.

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Hund umkreist den Stand und löst sich kurz vom Führer, findet ein Reh, das vorbildlich laut angejagt wurde (breit angezeigter Track). Freie, raumgreifende Suche vom Stand fand jedoch nicht statt.

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Drei Hunde haben Sauen in einem Gatter gefunden und nicht mal einen Meter frei gelassen, bis sie die sechs Sauen aus dem Gatter herausgetrieben haben.

Steffen B. brachte derweil ein anderes Feature der Tracker-App zur Anwendung: Da er  sehen konnte, dass sich sein Kopov-Rüde schon lange in der Nähe eines Schützenstands aufhielt und diesen ständig umkreiste, rief er das Halsband des Hundes an. Seine Hoffnung, auf diese Weise erfahren zu können, was Sache ist, wurde nicht enttäuscht: Aus dem laut gestellten Smartphone hörten wir ein Stück Rotwild klagen, dass der Kopov gerade herunterzog. Es war, wie sich später herausstellte, an einem anderen Stand krank geschossen worden (Keulenschuss) und konnte dank der Hilfe des Hundes dann erlegt werden.

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Richterbesprechung mit Drückjagd-Flair und vierbeinigem Spion.

“Sehr positiv überrascht” zeigte sich Prüfungsleiter Roland Braas von der Performance und der Aussagekraft der durch die Hundeortung bei der Stöberprüfung gewonnenen Daten. “Auch bei den Hundeführern war die Resonanz positiv. Wir wollen jetzt im Vorstand festlegen, dass Ortungsgeräte künftig auch zur Unterstützung der Bewertung herangezogen werden.” SE

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