Stärkste Buchenmast in Thüringens Wäldern seit zehn Jahren

In Thüringens Misch- und Buchenwäldern bietet sich den Besuchern derzeit ein seltenes Bild: Die Buchen, häufigste Laubbaumart im Freistaat, tragen so reichlich Bucheckern, dass diese aus der Ferne -trotz grüner Blätter- braun erscheinen und die Äste schwer beladen hängen lassen. Die Ursache dieses Phänomens: Seit Jahren haben die Buchen im Freistaat nicht mehr so stark geblüht und in Folge so zahlreiche Früchte getragen wie diesen Spätsommer. „Der überdurchschnittlich warme Sommer 2015 beschert uns womöglich eine Rekordernte bei der Buche in diesem Jahr“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Denn schon im Vorjahr entscheidet sich bei der Buche, ob im nächsten Jahr aus einer Knospe ein Zweig oder eine Blüte und damit eine Buchecker werden. So liefert eine vollbehangene Buche in diesem Jahr bis zu 50 kg reife Bucheckern. Rechnet man den Fruchtbecher, die stachelige Hülle, mit ein, so muss der Baum bis zu 300 kg zusätzliche Last schultern. Bis Oktober reifen nun die Samen und fallen dann auf den Waldboden, wo entweder aus den Sämlingen eine neue Buchengeneration entsteht, oder zumindest den Waldtieren wie Maus, Eichhörnchen, Wildschwein oder Hirsch eine gleichermaßen eiweißreiche wie delikate Nahrung geboten wird.

Förster und Waldbesitzer ernten die Buchen ab

Im Rahmen der naturnahen Waldwirtschaft nutzt ThüringenForst einen Teil des  biologischen Füllhorns und erntet die Früchte ab. Hierzu werden Netze unter den Buchenkronen ausgebreitet und die Bucheckern darauf eingesammelt. Aus einem Kilogramm Saatgut können die Förster an der anstaltseigenen Forstbaumschule Breitenworbis so bis zu 1.200 kleine Pflänzchen ziehen. Allerdings muss das Saatgut zuvor durch die ThüringenForst-Samendarre gereinigt und aufbereitet werden. Allerdings beernten die Förster nicht jede Buche. Nur besonders vitale und gut gewachsene Buchen sind als Saatgutbestand zugelassen und erfüllen damit die hohen gesetzlichen Anforderungen. In Thüringen sind dies aktuell 150 Erntebestände mit einer Gesamtfläche von rund 2000 Hektar.

10-90 Tonnen Saatgut erntet ThüringenForst pro Jahr

„Mit dem diesjährigen Buchenmastjahr werden wir über alle Baumarten insgesamt etwa 40-60 Tonnen Saatgut ernten und damit überdurchschnittlich gut abschneiden“, so Gebhardt weiter. Damit ist ThüringenForst für die Herausforderungen der Zukunft gut gerüstet: beim Waldumbau, also der Umwandlung reiner Fichtenforste in klimastabilere Mischwälder, spielt die Buche eine besonders wichtige Rolle. Mit der diesjährigen Buchenmast sind Förster wie Waldbesitzer für diese Jahrhundertaufgabe zumindest für die nächsten Jahre etwas sorgenfreier. PM ThüringenForst

Beitragsbild: Mit riesigen Netzen, die unter den Erntebäumen ausgebreitet werden, wird großes und schweres Saatgut wie etwa Bucheckern oder auch Kirschen gesammelt, gereinigt und schließlich zur Anzucht genutzt. Foto: Andreas Knoll

Ein Gedanke zu „Stärkste Buchenmast in Thüringens Wäldern seit zehn Jahren

  1. Paul

    ERFAHRUNGS- Regel : eine starke Eichel- und Bucheckernmast weisen auf einen strengen, kommenden Winter hin ?!! >> Die Natur bereitet sich auf extreme Wetter- und damit Nahrungsbedingungen der Tier- und Pflanzenwelt vor.
    Wie denken andere darüber ? Solche ERFAHRUNGEN der “Alten ” haben oft einen bestimmten , sachlichen (?)Hintergrund !!?!
    Die Realität des kommenden Winters wird uns zeigen, ob und was dahintersteckt.

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