Stadt Braunschweig unterstützt Jäger bei der “Schwarzwildreduzierung”

50 Euro Aufwandsentschädigung für Erlegung von Frischlingen bis 50 Kilo

Um der stark gestiegenen Schwarzwildbestände im Stadtgebiet und der dadurch verursachten erheblichen Flurschäden Herr zu werden, schlägt die Verwaltung dem Rat die Anschaffung einer mobilen Kastenfalle für Wildschweine aus städtischen Mitteln vor, die an die Jägerschaft ausgeliehen wird. Außerdem soll den Jägern künftig für im Stadtgebiet erlegte Jungtiere, so genannte Frischlinge bis 15 Kilogramm Gewicht eine Aufwandsentschädigung von je 50 Euro gezahlt werden.

„Die hohen Populationszahlen beim Schwarzwild sind mittlerweile ein erhebliches Problem“, stellt der für die Jagdaufsicht zuständige Ordnungsdezernent Claus Ruppert fest. Die Zahl der pro Jahr erlegten Tiere hat sich von 74 im Jahr 2013 auf 329 in 2018 mehr als vervierfacht. Insbesondere in den vergangenen drei Jahren wuchs sie erheblich an. Hohe Reproduktionszahlen und ein milder Winter taten ein Übriges: Die noch vorläufige Strecke für 2019 liegt bereits bei 246 Stück Schwarzwild.

„Die Flurschäden durch Schwarzwild betreffen zwischenzeitlich nahezu alle Braunschweiger Jagdreviere und nehmen weiter zu“, berichtet Ruppert. In den Jahren 2016 bis 2018 mussten rund 250.000 Euro aus dem städtischen Haushalt für die Beseitigung von Schäden durch Schwarzwild auf Sportanlagen und Bolzplätzen aufgewendet werden. Fälle, in denen Fußgänger oder Radfahrer mit Wildschweinen in Konflikt kamen, sind in Braunschweig noch nicht bekannt geworden, wurden aber aus anderen Städten berichtet. Insbesondere von weiblichen Tieren ist bekannt, dass sie aggressiv reagieren können, wenn sie die Jungtiere in ihrer Rotte bedroht sehen.

Eine weitere Gefahr: Die hohen Bestandszahlen könnten im Blick auf die Afrikanische Schweinepest (ASP) zum Problem werden, weil sie die Ausbreitung dieser Tierseuche forcieren würden, sollte sie die hiesige Region erreichen. Bislang ist die ASP in Deutschland noch nicht aufgetreten. Hausschweinbestände, bei denen die Krankheit nachgewiesen wird, müssen getötet werden. Auf den Menschen kann ASP nicht übertragen werden

„Aus den geschilderten Gründen ist es notwendig, die Schwarzwildpopulation im Braunschweiger Stadtgebiet nachhaltig zu reduzieren“, fasst Stadtrat Ruppert zusammen. „Dies ist allerdings mit den konventionellen Jagdmethoden kaum möglich.“ Die Schwarzwildjagd ist überwiegend nur in hellen Nächten möglich. Hinzu kommt, dass in vielen siedlungsnahen Bereichen der Stadt gar nicht mit dem Gewehr gejagt werden kann.

Nach einer Reihe von Gesprächen mit der Jägerschaft und dem Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium schlägt die Verwaltung vor, für rund 3000 Euro eine Kastenfalle zu kaufen und sie zunächst für zwei Jahre der Jägerschaft unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Danach soll, abhängig von den Erfahrungen und den Entwicklungen der Jagdstrecken, über das weitere Vorgehen neu entschieden werden. Eine Kastenfalle ist ein geräumiger Käfig, in den die Tiere durch Futter gelockt werden. Nach Einschätzung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sind sachgerecht betriebene Sau- und Frischlingsfänge ein effizientes und tierschutzrechtlich unbedenkliches Mittel zur Bestandsreduktion. Vor dem Hintergrund sehr guter Erfahrungen zum Beispiel in Brandenburg oder Baden-Württemberg soll die Akzeptanz der Fallenjagd bei der Jägerschaft durch das Bereitstellen einer Falle gefördert werden.

Um eine weitere Erhöhung der Bestände zu vermeiden, müssen jährlich knapp 70 Prozent des sommerlichen Schwarzwildbestandes erlegt werden, da Frischlinge bereits im Alter von etwa einem halben Jahr geschlechtsreif werden und im ersten Lebensjahr mit 35 bis 50 Prozent zum gesamten Zuwachs beitragen. Claus Ruppert: „Für eine echte Bestandsverringerung ist somit eine zweite Maßnahme, nämlich die verstärkte und frühzeitige Bejagung der Frischlinge erforderlich.“

Erlegtes Schwarzwild wird üblicherweise zu Fleischprodukten verarbeitet. Die Verwertung von Tieren mit weniger als 15 Kilogramm Gewicht ist aber für die Jägerschaft unwirtschaftlich. In Abstimmung mit dem Kreisjägermeister empfiehlt die Verwaltung daher, für erlegte Jungtiere eine Aufwandsentschädigung von 50 Euro für jedes Tier erlegte Tier unter dem Mindestgewicht zu zahlen – sofern nicht bereits die Aufwandsentschädigung des Landes für einen Mehrabschuss des Jagdpächters gezahlt wurde. Eine Doppelförderung wird also ausgeschlossen. Als Nachweis beim Kreisjägermeister dient der charakteristische Pürzel (Schwanz) des Frischlings und eine Untersuchungsbescheinigung des Veterinäramtes.

Der Jagdbeirat wurde gemäß dem Niedersächsischen Jagdgesetz (§ 39) angehört und hat den Vorschlägen bereits zugestimmt. Sie werden am 13. Juni im auch dem Ordnungsdezernat zugeordneten Finanz- und Personalausschuss vorberaten, dann im Verwaltungsausschuss am 18. Juni. Die Entscheidung trifft der Rat in seiner Sitzung am 25. Juni.

Alle Einzelheiten und die Richtlinie für die Aufwandsentschädigung finden sich in der Beschlussvorlage 19-10597. PM

Beitragsbild: Beschlussvorlage zur Förderung der Schwarzwildbejagung in Braunschweig (Screenshot, Ausschnitt).

Die Red. dankt JAWINA-Leser RK für den Hinweis!

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