Spanien: Wildhüter erschossen, Wilderer zu langjähriger Gefängnisstrafe verurteilt

Der spanische Wilderer Ismael Rodriguez (28) ist am vergangenen Donnerstag von einem Gericht in Barcelona zu einer Gefängnisstrafe von 45 Jahren verurteilt worden, weil er in einem Naturschutzgebiet in der Nähe der katalanischen Stadt Lleida zwei Wildhüter erschossen hat. Die beiden Wildhüter Xavier Ribes (43) und David Iglesias Díaz (39) hatten am 21. Januar 2017 eine Routinekontrolle durchgeführt, bei der sie den Verurteilten in dem Jagdgebiet um 10.50 Uhr antrafen. Sie wünschten ihm freundlich einen guten Morgen und baten ihn, seine Flinte zu entladen. Dies ist das letzte, woran sich der Angeklagte erinnere, wie er in dem Verfahren vorgab. Auf den Gruß hin drehte sich Rodriguez um und gab aus etwa drei Metern Entfernung je einen Schuss auf Brust und Gesicht seiner Opfer ab. Dann lud er nach und schoss aus etwa einem Meter Entfernung den am Boden liegenden Männern in Kopf und Nacken. Beide Wildhüter waren verheiratet, Ribes hinterlässt einen zehnjährigen Sohn, Díaz ein sieben Jahre altes Mädchen.

Der Wilderer war weder im Besitz einer gültigen Jagderlaubnis für das Revier, und die Lizenz für seine Flinte war abgelaufen, berichtet die spanische Tageszeitung El País. Nach der Tat ging Rodriguez zu dem am Treffpunkt abgestellten Fahrzeug und berichtete Mitjägern von seiner Tat. Dann rief er die Polizei. Die Hinterbliebenen der Opfer warfen ihm vor, dass er erst 40 Minuten nach dem Verbrechen einen Notruf abgesetzt habe und das nur, weil die anderen Jäger ihn dazu gezwungen hätten.

Rodriguez ist für den Mord an den Wildhütern zu einer Haftstrafe von 22 Jahren, fünf Monaten und 29 Tagen Gefängnis pro Opfer verurteilt worden. Wegen illegalen Waffenbesitzes kam ein weiteres Jahr hinzu sowie eine Geldstrafe und ein fünfjähriges Jagdverbot für illegale Jagdausübung. Die Staatsanwaltschaft beantragte, dass die Haftpflichtversicherung des Täters die Familien der Hinterbliebenen mit 466.676 (Díaz) bzw. 645.997 Euro (Ribes) entschädigt.

Die Verteidigung von Rodriguez hatte versucht, eine Verurteilung wegen Totschlags anstatt wegen Mordes zu erreichen und dies mit dessen Epilepsie-Erkrankung und daraus resultierender verminderter Impulskontrolle begründet. Das Gericht folgte dem nicht.

Der katalanische Jagdverband (Federación Catalana de Caza) und das Amt für Jagd, Naturschutz und ländliche Entwicklung (Oficina Nacional de la Caza, la Conservación y el Desarrollo Rural, ONC), die in dem Verfahren nach spanischem Recht als eine Art Nebenkläger auftraten, begrüßten das Urteil als “vorbildlich”, wie die spanische Zeitung La Vanguardia berichtet. Das Urteil erfülle die Erwartungen der Verbände. Der katalanische Verband betonte, dass er illegale Handlungen bei der Jagd mit allen Mitteln, die ihm zu Gebote stünden, verfolgen werde. SE

Beitragsbild: Headline des verlinkten Beitrags in El País. (Screenshot)

 

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