Skandal! VW unterstützt Jagdgegner!

Okay, ich weiß: Die Meldung dieser Tage ist eine andere, nämlich: Land Rover unterstützt Jagdgegner! Und ja, als bekennenden Freund, nicht unbedingt der Marke, aber des guten, alten, knorzigen Defender trifft mich dies – arrgh!, ächz! – natürlich hart. Und deswegen rufe ich: Aber VW tut es doch auch! Schon seit Jahren! Und zwar unterstützen die ausgerechnet den Nabu, der mit militant jagdfeindlichen Äußerungen immer wieder deutsche Jägerherzen höher schlagen lässt. Und VW fördert insbesondere die Wolfsprojekte des Nabu, wo der Wolf doch das Lieblingstier der deutschen Jägerschaft ist. Und warum regt sich darüber keiner auf? Weil VW ganz- und doppelseitige Hochglanzanzeigen in hiesigen Jagdpostillen schaltet und Land Rover nicht?

Doch zum Sachverhalt: Vor einigen Tagen erschien in der aktuellen Ausgabe des vom CIC geförderten Newsletters “African Indaba” ein Beitrag von Rolf Baldus : “Land Rover supports Anti-Hunters.” Der DJV gab eine Pressemeldung zum Thema heraus. Baldus stellt eingangs fest, dass Fahrzeuge der Marke Land Rover sich auch bei afrikanischen (Berufs-)Jägern und Wildschutzorganisationen großer Beliebtheit erfreuten, und es vor diesem Hintergrund doch “interessant” sei, dass Land Rover ausgerechnet die britische “Born Free Foundation” zum “wichtigsten globalen Naturschutz Partner” erwählt habe. Wie die meisten Tierwohlfahrtsverbände leiste die Born Free Foundation wenig praktische Naturschutzarbeit, dafür aber umso intensivere Lobbytätigkeit – und Anti-Jagd-Propaganda.

Als Beispiel für die zweifelhaftenTierschutzaktivitäten der Born Free Foundation führt Baldus die “Rettung” einer belgischen Zirkuslöwin an. Sie wurde von Schiphol nach Lilongwe in Malawi geflogen und dann, eskortiert von einer Flotte silberner Land Rover, die extra 800 Kilometer weit von Lusaka angereist waren, in ihr neues Zuhause 30 km vom Flughafen entfernt gebracht. Dort lebe sie in “einer Art Zoo”. Es sei nicht bekannt, ätzt Baldus, ob der Löwin das Leben “hinter afrikanischen Zäunen besser gefalle, als das hinter belgischen Gitterstäben.” Natürlich hat Baldus hier Recht: Die medienwirksame Inszenierung von Rettungsaktionen einzelner Tiere, trägt eher wenig zum “integrierten Ansatz beim Aufbau globaler Nachhaltigkeit” bei, von dem Land Rover auf der Projekt-Website schwurbelt.

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Autsch!

Allerdings sollte man vielleicht zur Kenntnis nehmen und respektieren, dass die Born Free Foundation mit der Devise “Born Free never forgets the individual.” einen ausdrücklich auf das Einzeltier ausgerichteten Ansatz vertritt. Und was soll schlecht daran sein, einer geschundenen Zirkuskreatur ein erträglicheres Leben (für die freie Wildbahn taugen sie ja nicht mehr) in einem großzügigen Auslauf zu verschaffen? Natürlich ist die Born Free Foundation jagdkritisch bis jagdfeindlich eingestellt, Insbesondere die afrikanische Trophäenjagd lehnen die britischen Naturschützer vehement ab. Damit vertreten sie einen Standpunkt, der der vom CIC und Rolf Baldus vertretenen Auffassung, derzufolge Trophäenjagd den Wildtieren einen Wert verleiht und damit zu ihrer Erhaltung beiträgt, entgegen gesetzt ist. So what? Man kann Jäger sein und Trophäenjagd ablehnen, man kann sogar Jäger sein, sich über eine gelegentliche Trophäe freuen und trotzdem die afrikanische Ausprägung der Trophäenjagd, dieses klassische “Wer-hat-den-längsten-Spiel” reicher, alter, weißer Männer ablehnen. Abweichende Meinung, sollte man mit klarkommen, oder?

Die interessante Frage ist doch, warum Firmen wie Land Rover oder VW so gerne und großzügig Organisationen wie Born Free oder Nabu unterstützen. Könnte es daran liegen, dass die immer wieder Aktionen (publicity stunts, wie Rolf Baldus das leicht abfällig nennt) auf die Beine stellen, die

  • – Öffentlichkeit erzeugen
  • – auf ein Problem oder Anliegen, einen guten Zweck aufmerksam machen
  • – die Spendenklassen klingeln lassen
  • – der Organisation die Sympathie breiter Massen einbringen
  • – wovon Unternehmen gern profitieren, weshalb sie bereitwillig als Sponsoren auftreten?
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Auto mit Aussicht. Wildtransport im Defender.
Fotos: SE

Sprich: Diese Organisationen praktizieren – teils seit Jahrzehnten – erfolgreich, was unsere sogenannten Interessenvertretungen seit Jahrzehnten nicht auf die Reihe kriegen, der CIC nicht, der DJV nicht und die LJVe schon mal gar nicht: Themen setzen, Kampagnen fahren, die Öffentlichkeit für die Sache der Jagd und der Jäger einnehmen. Zugegeben: Wir werden für einige immer die bösen Jungs sein, weil wir Tiere töten. Aber ich bin überzeugt, dass Unternehmen gern Aktionen der Jäger unterstützen würden, wenn es denn a) welche gäbe und b) diese so klug gestaltet sind, dass sie Sympathien bringen – in deren Licht sich Hersteller sonnen können. Fragt doch mal bei Land Rover an, ob die beispielsweise einen mobilen Kitzrettungsservice mit einigen Fahrzeugen unterstützen würden, der zur Erntezeit mit modernster Drohnen- und Wärmebildtechnik Jungtiere davor bewahrt, bei lebendigem Leib zerhäckselt zu werden. Ich schätze, da geht was.

Doch kommen wir abschließend zu einem noch viel ernsteren Problem. Wie ich eingangs bekannte, fahre ich selbst einen Defender, werbewirksam tauche ich damit auf vielen Gesellschaftsjagden auf. Schon dass ich meistens pünktlich komme, ist mehr, als die meisten Jagdgäste meinem Fahrzeug dem äußeren Erscheinungsbild nach zutrauen würden. Das verschafft Achtung, Respekt, Vertrauen – nicht mir, der Marke. Aber weiß irgendjemand zu würdigen, was ich dafür leiste? Wissen die, wie oft ich fluchend, mit ölverschmierten, grün und blau gequetschten Fingern in oder unter meinem Land Rover stecke, um gammelige Aggregate an schwer zugänglichen Stellen abzuschrauben? Kann jemand ermessen, welche Leiden und Qualen allein schon die Anreise verursacht? Ohrenbetäubender Krach, das Fahrverhalten einer Wanderdüne, Kälte, Wassereinbrüche, Vibrationen, mitleidige Blicke! Und dann, schaut Euch doch mal in der drangvollen Enge der karg möblierten Fahrgastzelle um: Scharfe Kanten, Schrauben, Metallprofile überall, kein ABS, kein ESP, kein Airbag, der labbrige Sicherheitsgurt vom Türschloss zerlöchert. Da muss man sich keine Illusionen machen: Wer damit irgendwo gegen fährt, ist TOT. Ich riskiere MEIN LEBEN als Markenbotschafter – und was habe ich davon? Nichts! Das kann es ja wohl nicht sein. He, hallo, liest das hier jemand? Ich kriege keine Anerkennung, das geht so nicht! HEY, LAND ROVER; SUPPORT ME! SE

Ein Gedanke zu „Skandal! VW unterstützt Jagdgegner!

  1. Joachim Orbach

    Ich finde Ihren Artikel gut. Senden Sie doch einfach diesen Artikel auch an einige Verkaufsniederlassungen von Land Rover und weisen Sie diese auch auf die Veröffentlichung auf Ihrer Internetseite und auf (link entfernt, admin.) hin.

    Antworten

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