Sie nennen mich Willi – ein Schweißhundwelpe erzählt

Eine Kolumne von Robert Saemannn-Ischenko

10. Folge: Berufliche Zukunft

Jetzt bin ich sechzehn. Nicht Jahre, nur Wochen, jedoch immerhin. Zeit, über meine berufliche Zukunft nachzudenken. Ich weiß nicht, was der Sergeant und seine Frau mit mir vorhaben, die reden zwar den ganzen Tag, aber nicht über die wichtigen Sachen, jedenfalls nicht mit mir. Aber denen werde ich das mit der Berufswahl keinesfalls überlassen, die Zeiten sind vorbei, in denen man über Hunde einfach so hinwegentschieden hat. Wir sind auch Menschen!

Ich habe ausführlich mit meinen Kumpels aus der Welpengruppe der Forchheimer Jägerschaft geredet und blicke jetzt durch. Diese ganzen kalbsgroßen Deutsch Irgendwashaar sagen, dass sie Vorstehhunde werden müssen, weil sie sonst nix beigebracht bekommen. Ein paar von denen haben richtig Angst vor der Zukunft, weil sie sagen, dass es bald nix mehr vorzustehen gibt, und sie dann umschulen müssen auf Brauereigaul oder Türsteher oder sonst was ihrer Größe Angemessenes.

Für mich wäre Vorstehen schon deswegen nix, weil ich lieber liege.

Der Terrier behauptet, dass er nie wird arbeiten gehen müssen, weil er seine Menschen im Griff hat, und dem kann man glauben.

Der Setter sagt, ihm ist es wurscht, was er mal macht, solange ihm keiner Vorschriften mache. Und selbst wenn – er mache eh nur kurz, was er soll, und dann nur noch, was er will, und auch das, was er will, nur so lang, bis er müde sei, und das dauere nie lang, weshalb er da insgesamt recht gelassen sei.

Der Wachtel will Berufsstöberhund werden, weil er dann nach den Drückjagden immer mit dem Auto im überüberübernächsten Revier abgeholt werde wie ein feiner Herr, statt wie wir Blödis immer alles selbst zu laufen.

Und die kleine Vizsla, mit der ich immer so schön spiele, wenn es trocken, windstill und frisch gemäht ist? Die will Model oder Sängerin werden, sagt sie. Ich könnte gern die Termine für sie machen oder in ihrem Backgroundchor mitheulen.

Nett von ihr! Aber ich muß mich zunächst grundlegend sortieren. Also erst mal aufzählen, was ich nicht mag: draußen, Dornen, Nässe, Matsch, Berge, Befehle, Kälte, Hunger, Durst, Lärm, Dunkelheit, stereotype Tätigkeiten ohne Anspruch, wenn Wild sich wehrt/schneller als ich rennen oder gar fliegen kann, früh aufstehen, hart liegen.

Hm, gar nicht so einfach.

Aber ich glaube, ich hab’s: Ich werde Saunameister. Der Idealberuf für einen echten Schweißhund, hihi.

Text und Foto: Robert Saemann-Ischenko, www.saemann-ischenko.de

9. Folge: Gemüsescheiß im Essen

8. Folge: Ich rieche Blättermagen

7. Folge: Wie auf der Sklavengaleere

6. Folge: Her mit dem Käse!

5. Folge: Schaf. Karpaten, Südwestlage.

4. Folge: Verdammt, das ist Gemüse!

3. Folge: Zurücktrampen kann ich immer noch…

2. Folge: Boah, habe ich Hunger!

1. Folge: Weg von Mama, verdammt!

Ein Gedanke zu „Sie nennen mich Willi – ein Schweißhundwelpe erzählt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.