Sie nennen mich Willi – ein Schweißhundwelpe erzählt

Eine Kolumne von Robert Saemannn-Ischenko

9. Folge: Gemüsescheiß im Essen

Kein schlechtes Wort über meine Heimat! Hey, liebe Familie/die Stunde hat geschlagen/es lebe Mutter Sláva!

Aber was ich hier zu fressen bekomme, das ist schon unglaublich. Fast habe ich ein schlechtes Gewissen. Am Anfang gab’s ja die selben Stinkpellets wie daheim. Getrocknete Kaninchenköttel, haben wir immer gescherzt. Nach denen gab’s andere Pellets, die haben leider weniger gestunken, aber auch okay geschmeckt.

Dann aber ging’s los: Fleisch gab’s! Von der Kuh! Von irgendjemandem in mühevoller Arbeit vorgekaut! Sie nennen es Hackfleisch, vermutlich weil es nur für Hunde ist, die in der Rudelhackordnung ganz oben stehen so wie ich. Kannte ich gar nicht, und ich muß sagen: geiles Zeug.

Manchmal haben die beiden mir das Hackordnungsfleisch angebraten. Auch nicht übel, wenngleich arg ungewürzt. Und halt nur mageres Muskelfleisch, davon habe ich selber genug am Leib, so kurz wie die mich insgesamt halten. Gebt mir Knorpel, gebt mir Sehnen/ich will Festes zwischen den Zähnen, hihi!

Bombe war dann aber so’n Dosenfisch. Fisch kannte ich nur von dem einen Ausflug mit dem früheren Hauptmenschen und Mama und den anderen Pupsis an den Vinné-Stausee, nach dem wir benannt sind. Da haben wir einen schreck- und herrlich aasig stinkenden Flossenheini gefunden. Gut abgehangener Karpfen, hat Mama erklärt, und dass die nach dem Tod gut zwei Wochen haltbar sind.

Der Dosenheini in Deutschland hat ein wenig gerochen wie der Karpfen, war aber noch viel fetter. Der schwamm richtig in Öl! Lecker!

Am Tag darauf waren wir bei so einem anderen Typen zu Besuch, da haben die Menschen einen großen Fisch mit rosa Fleisch gegessen. Ohne mich. Voll fies und wieder mal typisch. Später habe ich dann gemerkt, dass die Dussel nur das öde Mittelstück dieses rosa Flossenschnullis gegessen haben – und mir das Allerbeste aufgehoben haben: die Flossen, den Kopf, die Bauchlappen! Ich habe für schlechte Zeiten gleich mal ein Stück im Blumenbeet bei dem Mann da verbuddelt, hoffentlich findet er’s nicht, bevor wir zurückkommen.

Doof finde ich, dass die mir immer so Gemüsescheiß ins Essen mogeln, als wäre ich ein Schaf. Grundsätzlich klein geschnitten oder sogar gerieben, damit ich bloß nicht drumherum essen kann, verdammt!

Und waaas für ekelhaftes Zeug! Neulich gab es Rehgurgel, leicht angebräunt, mit gedünstetem Rehhirn und einem Stich Sauerrahm. Bockstark! Aber was manschen diese Ernährungssadisten mir da rein? Eierschale! Und Erdbeerabschnitte!

Das Schrecklichste, was ich in meinem Leben fressen mußte, in den ganzen langen neun Wochen.

Ich kenne Wildschweine, die würden so einen Fraß verweigern.

Gut, dass die Erdbeersaison vorbei ist.

Schlecht, dass die immer Eier haben.

Außer natürlich, ich bekomme das Eigelb, das lasse ich mir gefallen. Das gibt Tinte auf den Füller, hat Tante Jolanda immer gesagt, obwohl sie nie im Leben Eigelb bekommen hat. Und auch nicht schreiben kann, soweit ich weiß. Was sie damit wohl meint?

Apropos Tinte: Neulich haben die mir Rote Bete untergejubelt. Rote! Bete! Das sei gut für mich wegen des Eisens. Unglaublich, ich bin doch kein Bergwerk! Das wäre ja schon würdelos genug für den künftigen Schrecken der Wildnis, also mich – aber nein, sie haben mich nicht mal gewarnt vor den Folgen dieses roten Schlangenfraßes. Als ich am nächsten Morgen mein Ei gelegt habe, dachte ich: oh Gott, innere Blutungen, ade, schnöde Welt.

Text und Foto: Robert Saemann-Ischenko, www.saemann-ischenko.de

8. Folge: Ich rieche Blättermagen

7. Folge: Wie auf der Sklavengaleere

6. Folge: Her mit dem Käse!

5. Folge: Schaf. Karpaten, Südwestlage.

4. Folge: Verdammt, das ist Gemüse!

3. Folge: Zurücktrampen kann ich immer noch…

2. Folge: Boah, habe ich Hunger!

1. Folge: Weg von Mama, verdammt!

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