Sie nennen mich Willi – ein Schweißhundwelpe erzählt

Eine Kolumne von Robert Saemannn-Ischenko

6. Folge: Her mit dem Käse!

Mein Fazit der ersten Tage in diesem Deutschland: Wäre ich doch in der Slowakei geblieben!

Ich hatte sozusagen kaum meinen Koffer ausgepackt, als es schon losging. Gleich am allerersten Morgen sind wir spazierengegangen. Dachte ich jedenfalls. Das war aber kein Spaziergang, das war ein Überlandmarsch! Das waren klar über 100 Meter! Noch dazu tickt der Typ nicht ganz sauber: Hier hat’s überall 1a Wege, sogar im letzten Waldzipfel – und was macht er? Marschiert ungerührt durchs Dicke. Sogar durch die Himbeeren ist er gestiefelt, vor denen Mama uns immer gewarnt hat. Ihren Merkspruch konnten wir alle schon mit zwei Wochen aufsagen: Ein BGS geht bloß durch Beeren/wenn er sich nicht mehr kann wehren/Dornen nimmt er nur für schwarzes Wild in Kauf/sonst führt weit außenrum des Schweißis Lauf!

Und jetzt nutzt dieser herzlose Mensch aus, dass ich ihm folgen muß, weil ich in der Gegend sonst niemanden kenne. Hält sich wahrscheinlich für Konrad Lorenz, während er vorweg durchs Gemüse pflügt mit seinen langen Beinen, und mich für ne Gans. Dabei kann ich kaum laufen, woher auch.

Und was ist DAS? Verdammt, die Himbeeren war erst die Vorhölle, jetzt kommt das eigentliche Qualhauptgericht: ein Graben. Mit WASSER. Dem Bösen schlechthin.

Schlimmer noch als Dornen!

So geht Mamas Merkspruch nämlich weiter: Der rote Hund, der mag es warm und weich/drum verschon ihn bloß mit Bach und Teich.

Soll sich der Mann doch einen Rerti… Tertie … Retriet, na so’n schwimmhäutigen Zurückholer holen, wenn er ein hundgewordenes U-Boot will! Ich bin fürs Schöne, Warme, Trockene gebaut! Wellnessprofi, verstehste.

Mann, er springt tatsächlich ungerührt über den Graben. Der ist nicht breit, zugegeben. Auch nicht tief, wie’s ausschaut. Und es ist sonnig bei 27 Grad. Trotzdem. Das ist Wasser.

Argh, voll eklig. Oh Gott, meine Pfoten werden naß, das überlebe ich nicht.

Scheiß Bootcamp. Als nächstes muß ich bestimmt Liegestütze machen.

So, jetzt aber die Läufe in die Hand genommen, der Sergeant wartet nicht!

Außerdem bekomme ich bestimmt wieder so’n kleines Stinkzeugs, das so lecker nach kaputter Milch riecht, wenn ich ihn eingeholt habe. Das habe ich längst kapiert, dass es immer was zu mampfen gibt, wenn ich brav mache, was er will. Ich werde mit einem Grundbedürfnis gefügig gemacht! Tyrannei ist das! Kinderarbeit! Erpressung! Ein Fall für die Blauhelme!

So, und jetzt her mit dem Käse!

Text und Foto: Robert Saemann-Ischenko, www.saemann-ischenko.de

5. Folge: Schaf. Karpaten, Südwestlage.

4. Folge: Verdammt, das ist Gemüse!

3. Folge: Zurücktrampen kann ich immer noch…

2. Folge: Boah, habe ich Hunger!

1. Folge: Weg von Mama, verdammt!

 

 

Ein Gedanke zu „Sie nennen mich Willi – ein Schweißhundwelpe erzählt

  1. Joachim Ernst

    Ich kann mit Sicherheit behaupten, daß nicht nur BGS Mütter diese Lebensweisheiten an Ihre Welpen weiter geben. Mein schwarzes Tier hält sich bis heute strikt daran. In Brombeeren geht es nur, wenn das Stück noch lebt. Ist es schon verendet, endet die Nachsuche exakt vor den Brombeeren und der Nachsuchenführer (in diesem Falle ich) kann alleine in die Dornen. Es fällt in solchen Situationen schwer, dem schwarzen Tier das Lob auszusprechen, daß es erwartet, wenn es zum Stück gefunden hat.
    Das alles hat aber auch Vorteile. Neulich haben wir eine Sau nachgesucht, die über eine so lange Strecke nicht mehr geschweißt hatte, daß leise Zweifel an der Fährtensicherheit des schwarzen Tieres aufkamen. Als es aber dann die Vorderläufe und nur diese, mit dem Wasser eines Flüsschens benetzte, war klar, wir sind noch richtig. Niemals und das heißt wirklich unter keinen Umständen, würde das schwarze Tier eine Pfote in ein Flüsschen setzen, wenn das Stück ihn nicht durchquert hätte.
    Gleiches gilt für die Brombeeren. Geht er durch, sind wir richtig. Geht er nicht durch, sind wir entweder am Stück oder falsch. In diesem Sinne, viel Freude mit dem BGS!

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