Sie nennen mich Willi – ein Schweißhundwelpe erzählt

Eine Kolumne von Robert Saemannn-Ischenko

5. Folge: Schaf. Karpaten, Südwestlage.

Die erste Nacht im neuen Heim war so lala. Ich durfte mit hoch ins Schlafzimmer der beiden, und dort haben sie mich in ne Kiste gepackt, aus der ich nicht rauskonnte. Wollte ich aber gar nicht, weil: Schlafen ist ja wohl das Schönste auf der Welt. Außer Fressen natürlich. Manchmal kommt Schmusen noch davor, aber nur, wenn ich nicht müde bin. Allerdings bin ich immer müde. Und wenn ich’s nicht bin, werde ich es vom Schmusen. In der Kiste jedenfalls lag ein Fell. Von meinem Vorgänger, dachte ich zuerst, aber meine Schnüffelanalyse ergab: kein Hund, sondern Schaf. Karpaten, Südwestlage. Aber auch schon lange tot. Vermutlich an Überhitzung gestorben, so lang wie das Haar an dem Fell war. Mir war’s recht, denn mir ist so schnell nichts zu warm.

Aber kaum habe ich mich im Schlaf ein klitzekleines bißchen bewegt, kam der Kerl, riß mich hoch und trug mich raus. In den Garten! Nachts! Und hat mich dort hingesetzt! Auf den Rasen! Also Schlafkultur haben die nicht hier, ich muß schon sagen. Dazu hat der Kerl pseudolieb geflötet „Schön strullern!“ Keine Ahnung, wie das gehen soll, schön strullern. Ich kenne nur: Strullern oder nicht strullern.

Ich habe dann auch gestrullert, aber nur, damit der Typ Ruhe gibt.

Hat geklappt, denn dann ging’s zurück ins Schaf-, äh Schlafzimmer.

So, jetzt schön ausschlafen, dachte ich mir, aber nee: Noch zweimal ging’s nachts im Schweinsgalopp die Treppe runter, dass ich mich gefragt habe, wovor wir fliehen müssen.

Und zu fressen gab’s auch nichts, obwohl ich schon wieder gekonnt hätte.

Nochmal tue ich mir das nicht an, das ist klar.

Ich habe dann tagsüber die Hütte noch mal inspiziert, die mir der Typ gebaut hat. Nicht ganz mein Style, das Blau außen, aber immerhin eine schöne weiche Ökofarbe, die kann man abnagen, ohne anschließend harte Splitter zwischen den Zähnen zu haben, da habt mein Mensch mal mitgedacht. Und der Schlafraum, der ist hyperchillig. Ich habe mich mal probeweise hingehauen, und das ging perfekt: nämlich so, dass ich mich in alle Richtungen lang machen kann, aber überall eine Wand ist, um sich anzuschmiegen und die Pfoten dagegenzustemmen. So muß das sein.

Die Matratze habe ich ja schon gewürdigt. Ich glaube, sie hat noch dazu genau den richtigen Kauwiderstand – nicht zu weich, nicht zu fest, eher so mäusebauchmäßig.

Mein Entschluß steht: Künftig ratze ich in der Blauen Hütte. Und stehe nur auf, wenn es gar nicht mehr anders geht.

Hoffentlich haben die beiden keine Angst ohne mich – bei Menschen weiß man nie.

Autor: Robert Saemann-Ischenko, www.saemannischenko.de

4. Folge: Verdammt, das ist Gemüse!

3. Folge: Zurücktrampen kann ich immer noch…

2. Folge: Boah, habe ich Hunger!

1. Folge: Weg von Mama, verdammt!

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