Sie nennen mich Willi – ein Schweißhundwelpe erzählt

Eine Kolumne von Robert Saemann-Ischenko

3. Folge: Zurücktrampen kann ich immer noch…

Gääääähn! Woah, habe ich gut geschlafen auf diesem Wunderbett. Und zwar, ohne dass ich ständig eine Pfote im Auge hatte oder einer mir genau ins Ohr schnarcht.

Oder haben die mir was gegeben? Man hört ja viel von diesen K.o.-Tropfen, und ich kenne diese Menschen hier kaum. Die hören sich nicht an, als wären sie von hier, da geht’s ja schon los. Außerdem flüstern sie immerzu, wenn ich schlafe – was die wohl zu verbergen haben?

Hm, hm, hm. Riechen tue ich allerdings keine Gefahr.

Also sind sie entweder harmlos. Oder gute Schauspieler…

Naja, ich bleibe erst mal bei ihnen und schaue, was sie mir zu bieten haben. Zurücktrampen kann ich immer noch.

Ich weiß sogar, wie ich heiße, weil Mama es mir gesteckt hat: Brix z Vinanskeho jazera. Kann ich selber kaum aussprechen. Aber immer noch besser als die beiden, die haben es nämlich vorhin versucht, und danach hatte ich fast einen Knoten im Ohr. Lang genug wär’s ja.

Unter diesen Umständen finde ich es gut, dass die mich offenbar eh umtaufen wollen. Rufen tun sie mich jedenfalls ganz anders: Fellwurst, Rübenschwein, Säftl, Wursthaut, Bayerischer Gebirgsnichtskönner, Alter, Don Slowak, Kleiner, El Tölo, Schnorz, Hündla, der feine Herr Hund, Hampelchen, Kackspecht, Pißnelke, Flachlandschlafhund, Zwerg Nase, Schrecken des Vorgartens, Dicker, Schnudelpudel. Um nur einige zu nennen.

Ich frage mich schon, in was für Gesellschaft ich da geraten bin. Ausgesucht habe ich mir diese Leute jedenfalls nicht. Und gefragt, ob ich mit ihnen kommen will, hat mich auch keiner!

Natürlich erkenne ich ganz unabhängig vom Namen, wenn ich gemeint bin, schon daran, dass die beiden dann zwei Oktaven höher sprechen. Als wäre ich ein Baby!

Ein Wort taucht immer wieder auf, das soll offenbar mein neuer Name werden: Willi. Mit zwei i, damit man’s schön quietschen kann… Und gleich kommen wieder blöde Scherze: von Willi will’s wissen bis Free Willi.

Ist aber nicht so schlecht, finde ich, der Name. Vielleicht sogar besser als Brix.

So heißt nämlich ein Streckmittel für Cannabis, haben sie vorhin gesagt. Keine Ahnung, was das ist, aber ich will trotzdem nicht wie ein Streckmittel heißen.

Willi, Willi, Willi.

Doch, das ist okay.

Ich denke, ich komme, wenn sie mich so rufen. Jedenfalls manchmal, hihi.

Autor (Text und Bild): Robert Saemann-Ischenko

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