Sie nennen mich Willi – ein Schweißhundwelpe erzählt

Eine Kolumne von Robert Saemann-Ischenko

2. Folge: Boah, habe ich Hunger!

Ich bin dann wohl doch eingeschlafen, glaube ich. Nicht richtig natürlich, eher so dösmäßig, schließlich halte ich den Haufen hier ja zusammen, ne. Als ich wieder aufgewacht bin, war jedenfalls Mama immer noch weg. Und die anderen Pupsis auch, wobei die mir in letzter Zeit schon ganz schön auf die Rute gegangen sind. Nie haben die mich in Frieden fressen lassen, nie durfte ich in Ruhe unsere Decke zernagen, immer kam mindestens einer dieser Rüpel und hat gestört. Ein Benehmen wie bei Terriers unterm Sofa! Ich habe denen empfohlen, mal die Vaterschaft klären zu lassen, aber das gab gleich eine Rüge von Mama, dabei stimmt’s.

Naja, immerhin sind diese neuen Menschen noch da. Allerdings sitzt jetzt der Kerl vorn und die Frau neben mir, vorhin war’s genau andersrum. Mir soll’s recht sein. Weicher ist sie, und riechen tut sie auch eindeutig besser, so ein bissi wie Mama, dazu nach Essen, ist aber schon länger her, warte mal, ja genau, Wurst nennen die das Zeug, wenn ich nicht irre, hmmm.

Boah, habe ich Hunger! Einen Mörderhunger! Ich verhungere! Auf der Stelle! Allerdings bin ich fast noch müder als hungrig, saumüde, ich lege den Kopf besser gleich hin. Aber was soll das jetzt? Wir halten an, und diese Leute heben mich einfach raus und setzen mich ins Gras. Ui, wie das riecht! Muß ich erst mal sortieren! Also, dominant ist so’n leichter zitroniger Ton von abgeschnittenem Gras mit einem Hauch von frischer Vanille im Abgang, unterfüttert von Erdnoten, die – he! Heee! Wo lauft ihr denn hin! Waaartet! Nicht dass ihr auch noch weg seit, ich habe doch nur noch euch!

Mein lieber Schwan, jetzt mußte ich mich aber sputen, die waren schon fast weg. Dabei kann ich doch noch gar nicht richtig laufen. Bums, jetzt bin ich auch noch über so’n blöden Ast gestolpert. Welcher Blödmann legt denn da Äste auf den Weg? Oh Mann, die halten nicht mal an, wenn’s mich hindrischt, wie sind die denn drauf? Hilfe, ich bin ein Welpe, holt mich hier raus! Und ein Schweiß-, kein Windhund! Jetzt ist dieser grüne Dschungelscheiß da auch noch so hoch, dass ich die Menschen nur noch sehe, wenn ich direkt hinter ihnen laufe – und wenn ich das mache, bekomme ich andauernd diese komischen harten Menschenpfoten volle Elle auf die Schnauze. Mann, bin ich bedient.

Puh, endlich zurück. Die haben mich so weit, dass ich mich freue, wenn ich das Stinkding wieder sehe, echt jetzt. Schnell rein, bevor die ohne mich fahren.

Mist, ich komme nicht hoch. Ah, wenigstens dabei helfen sie mir. Aber nur um das Stinkding zu schonen, scheint mir. Das merke ich mir.

Jetzt tuscheln die beiden irgendwas, dabei müssen sie vor mir keine Geheimnisse haben. Ah, und plötzlich riecht’s nach diesen braunen Kötteln, die es zu Hause immer zu essen gab! Jaaaa! Laßt mich vor! Ich! Ich! Ich! Sofort! Her damit!

Was, nur so wenig? Spinnt ihr?! Ich sterbe! Gebt! Mir! Sofort! Mehr! Mehr! Mehr!

Vielleicht klappt’s, wenn ich in diese Babyschale mit Wasser trampel und tue, als wäre ich total kraftlos…

… nee, nützt auch nichts …

Menno, da kommt wohl echt nix mehr.

Bitte, schlafe ich eben. Falls man das Schlaf nennen kann bei der Unterernährung, eigentlich ist’s eher so ne Art Koma, fürchte ich. Ob ich jemals wieder aufwache?

Was schauen die denn so komisch? Als hätten sie Angst, ich würde mich übergeben? Pah! Wenn ich schon mal was zu beißen bekomme, dann behalte ich es auch bei mir, da könnt ihr sicher sein, Freunde.

Autor: Robert Saemann-Ischenko, www.saemannischenko.de

 

 

 

 

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