Sie nennen mich Willi – ein Schweißhundwelpe erzählt

Eine Kolumne von Robert Saemannn-Ischenko

4. Folge: Verdammt, das ist Gemüse!

Schon wieder eine Pause. Mann, die müssen aber auch wirklich ständig pinkeln, diese Menschen!

Ach nee, ist gar keine Pause, wir sind da, meinen die. Und dass das nun 1200 Kilometer waren. Keine Ahnung, ob das viel ist, aber fest steht auf jeden Fall: Ich habe selten so gut geschlafen!

Aber auch selten so einen Kohldampf geschoben!

Immerhin das merken die mal. Schon kommt der große Kerl mit dem Napf, in dem er mir bisher immer diese Pinscherportionen gegeben hat. Los, das muß schneller gehen! Mal schauen, was es gibt. Und vor allem, wieviel.

Hmmm, die braunen Köttel, die so lecker nach Verwesung müffeln. Aber auch so andere neue Köttel, die, warte mal, nach dem riechen, was Mama Keks nannte. Ich dachte, das gibt’s nur in Märchen. Lecker! Aber was ist das für’n Scheiß zwischen den Bröckchen? Es ist grün. Und es schmeckt ekelhaft. Nach Baum. Das ist – verdammt, das ist GEMÜSE! Das Zeug, auf das man mit Pipi vollmachen kann, aber keinesfalls essen! Hallo, sehe ich aus wie eine Kuh? Oder ein Kaninchen? Vor allem haben diese Menschen das Gemüse so kleingemanscht, dass ich es mitessen MUSS, wie fiese ist das denn!

Wenigstens gibt’s genug, grummel.

So, jetzt aber mal die Hütte anschauen.

Hm, nicht groß, aber ein eigener Garten für mich, das paßt. Im Haus ist die Treppe nach oben mit so einem blöden rotweißen Band abgesperrt. Bauen die, oder was? Ich schau’ gleich mal rauf!

Mann, darf ich nicht, das geht ja gut los.

Und jetzt sehe ich erst: Die Küche ist auch abgesperrt. Ausgerechnet die Küche, der wichtigste Raum! Eigentlich der einzig wichtige Raum!

Das läuft ja pfeilgrade auf ein Foltercamp hinaus!

Und die passen echt auf, jedenfalls pflücken die mich gleich weg, als ich versuche, unter dem Band durchzutauchen. Aber irgendwann müßt ihr schlafen, Leute…

Das eine Zimmer unten ist schön groß. Nützt aber keinem was, weil der Boden so glatt ist, dass ich immerzu wegrutsche wie ein Baby.

Dafür ist das Hundehaus draußen nicht übel. Ich denke jedenfalls, dass es ein Hundehaus ist, weil der Typ es mir so ausführlich gezeigt hat. Er ist sogar reingekrochen und hat so begeistert getan, das sich zuerst dachte, er würde selber einziehen. Genau habe ich’s erst inspiziert, als er weg war. Schöner Vorraum, nicht zu hoch, nicht zu klein, nicht zu groß. Und im Wohnzimmer, wie ich’s für mich nenne, genau die Superdupermatratze aus dem Auto!

Okay, Freunde, alles in allem ne glatte Drei mit Tendenz zur Zwei.

Ich denke, wir kommen ins Geschäft.

Autor: Robert Saemann-Ischenko, www.saemannischenko.de

3. Folge: Zurücktrampen kann ich immer noch…

2. Folge: Boah, habe ich Hunger!

1. Folge: Weg von Mama, verdammt!

 

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