SENSATION! Erste Fotos der geschmuggelten Wölfe auf Jawina!!

Die Hamburger Jagdzeitschrift “Jäger” wusste es zuerst: An der Grenze zwischen Polen und Deutschland ist ein Transporter von der Bundespolizei gestoppt worden, der eine brisante Fracht enthielt: Illegal erworbene Wölfe und Luchse, zur Auswilderung auf deutschen Truppenübungsplätzen bestimmt, wie das magazin in der Februar-Ausgabe, äh, kolportiert. Sofort wurden Zweifel an der glänzend recherchierten Geschichte laut, doch Jawina präsentiert Beweise: Die ersten Fotos der geschmuggelten Wölfe.

Natürlich gibt es Geschichten, die sind eigentlich zu schön, um wahr zu sein. Aber jeder kennt einen, der jemand kennt, der dabei gewesen ist, der mit eigenen Augen gesehen hat, der der Nachbar von der Tochter der Frau des Fahrers ist. Ganz bestimmt! Auch im Fall der geschmuggelten Wölfe war das so: Aufgeregte Anrufer verkündeten, dass sie mit einem Bundespolizisten gesprochen hätte, einem Kollegen desjenigen, der den Transporter gestoppt hätte. Die Geschichte ist also wahr! Allerdings gäbe es eine interne Anweisung der Bundespolizei, zu dem Vorfall zu schweigen. Aber da müsst ihr dran bleiben!

Okay, nur zur eigenen Absicherung – reine Routine – ein paar Fragen: Wenn es also stimmt, der Vorfall sich ereignet hat, dann muss es doch ein Aktenzeichen geben – könnte der Kollege von dem Kollegen das vielleicht ermitteln? Und wie heißen die Kollegen Bundespolizisten überhaupt? Was ist mit den Tieren geschehen? Beim Veracht auf derart schwer wiegende Verstöße gegen das Artenschutzabkommen müssten die doch beschlagnahmt und irgendwo in einem Tierpark oder so untergebracht worden sein – wäre es möglich herauszufinden, wo? Ach, und noch etwas: Welchen Grund sollte die Bundespolizei haben, Tierschmuggler mit einer internen Schweigeanweisung zu decken? Stecken die jetzt auch schon mit dem Nabu unter einer Decke?

Der Anrufer verspricht, die paar lästigen Details in Erfahrung zu bringen – und meldet sich nie wieder. Tatsächlich ist die vermeintlich Nähe, in der sich der unerhörte Vorfall abspielt – beinahe in der Bekanntschaft, beinahe in der nächsten Umgebung – ein Kennzeichen der Modernen Sage, von denen Rolf Wilhelm Brednich in seinem Klassiker “Die Spinne in der Yucca-Palme” einige berühmte Beispiele zusammen getragen hat.

Die taz tut den Bericht über die geschmuggelten Wölfe denn auch als “vorläufigen Gipfel der Propaganda gegen Wölfe” ab. Doch Lucas von Bothmer, Chefredakteur vom “Jäger”, will sich der taz zufolge “so schnell nicht geschlagen” geben.

Die taz liefert derweil einen Hinweis auf das Körnchen Wahrheit, das in Modernen Sagen stets enthalten sein mag: Die Bundespolizei habe im November tatsächlich einen Transporter hochgenommen, der Schmuggelware enthielt: Und zwar Mountain-Bikes der Marke Steppenwolf. Da macht ein Kollege dann einen Scherz, Hey, wir haben Steppenwölfe konfisziert – und schon ist die Welt um eine abenteuerliche Geschichte reicher…

Ob die Jägerschaft sich mit solchen Geschichten einen Gefallen tut, sei mal dahingestellt…

Ach ja, und hier kommen die versprochenen Fotos:

Das Beitragsbild stellt einen stark vergrößerten Ausschnitt aus diesem Bild dar (obere linke Ecke).
Fotos: SE

Fotos: SE

 

Fotos: SE

 

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