Seinen Jagdinstinkt zu leugnen, kann psychisch krank machen

Der amerikanische Autor James A. Swan hat sich auf der NRA-Seite American Hunter unter dem Titel “An Accurate Psychology Of Hunting” mit der Psychologie von Jägern und Jagdgegnern beschäftigt (mehr dazu hier). Swan geht von dem Sachverhalt aus, dass zwar 79 Prozent der Amerikaner eine ethische, nachhaltige Jagd befürworteten, es aber dennoch in Amerika heute nur so viele Jäger gäbe wie vor 50 Jahren, als das Land nur halb so viele Einwohner hatte. Warum jagen so wenige Leute, fragt er, zumal es doch reichlich Wild gebe. Studien hätten darauf in der letzten Zeit verschiedene Antworten geliefert: Zum einen führen die Befragten als Gründe für ihre Jagd-Abstinenz zu wenig Freizeit bei zunehmenden familiären und beruflichen Verpflichtungen an, und auch, dass sie keinen Zugang zur Jagd fänden.

Aber es gibt noch einen anderen Grund: 56 Prozent der von dem Psychologen Simon Bronner Befragten führten an, dass sie mit Anti-Jagd-Einstellungen und Jagdgegnern konfrontiert worden sein. Die schlechte Nachricht ist also, dass die Anti-Jagd-Propaganda bei einigen Leuten funktioniert: Sie kommen nicht auf die Idee, einen Jagdschein zu machen oder verkneifen sich den Wunsch, weil sie fürchten, von militanten Jagdgegnern zu unmoralischen oder psychisch gestörten Personen (Sadisten, Lustmördern, man kennt das…) erklärt zu werden. Wollen wir doch mal sehen, wer hier psychisch krank ist, mag sich James A. Swan gedacht haben – und ist der Psychologie von Jagd und Jagdgegnern vor dem Hintergrund “seiner Erfahrung als pensionierter Professor für Psychologie und Umwelttechnik an vier Universitäten” nachgegangen – mit interessanten- und für Jagdgegner eher unerfreulichen – Ergebnissen.

Man finde bei entsprechender Google-Suche zwar etliche Beiträge, die Jäger als “psychisch krank” oder sadistisch bezeichneten, räumt Swan ein, doch seien die wenigsten davon von qualifizierten Wissenschaftlern geschrieben. Die “meisten prominenten Psychologen des 20. Jahrhunderts” seien sich hingegen einig gewesen, dass Jagen von einem natürlichen Instinkt motiviert werde und sich förderlich auf die psychische Verfassung auswirke. Als Beleg führt Swan ein Zitat aus Erich Fromms Anatomie der menschlichen Destruktivität an, das den wahren Wert und Reiz der Jagd und die Sehnsucht des Jagenden hervorragend ausdrückt:

“Im Akt des Jagens wird der Mensch, wenn auch nur für kurze Zeit, wieder zu einem Teil der Natur. Er kehrt zum Naturzustand zurück, wird eins mit dem Tier und von der Last der existenziellen Gespaltenheit befreit: Teil der Natur zu sein und sie gleichzeitig kraft seines Bewußtseins zu transzendieren. Wenn der Mensch das Tier jagt, wird das Tier zu seinesgleichen, auch wenn der Mensch dabei schließlich durch den Gebrauch seiner Waffen seine Überlegenheit zeigt.” [zit. n. Erich Fromm, Gesamtausgabe, hrsg. v. Rainer Funk]

In Übereinstimmung mit Fromm hätten der Yale-Soziloge Dr. Steven Kellert und Prof. Jan Dizard in wissenschaftlichen Untersuchungen folgende Motivationen für die Jagd ermittelt: Natur als Teil der Natur zu erleben, eine innige, sinnliche Verbindung mit dem Ort der Jagdausübung zu spüren, Verantwortung für die eigene Nahrung zu übernehmen und eine Art Seelenverwandtschaft mit Wildtieren zu bekräftigen.

So habe auch Sigmund Freud, der die unbewussten Tiefen des Bewusstseins furchtlos erforscht habe, eingeräumt, dass es für einen Menschen “genau so wenig abnormal sei, auf der Jagd töten zu wollen, wie für eine Katze, eine Maus töten zu wollen oder für einen Fuchs, ein Kaninchen.”

Es gäbe, so Swan, keine Studien die belegten, dass Jäger eine besondere Affinität zu psychischen Erkrankungen zeigten. Eher im Gegenteil. Der Kriminologe Chris Eskridge fand heraus, dass der Verkauf von Jagdlizenzen mit der Rate schwerer Gewaltverbrechen korreliert: Je mehr Jagdlizenzen verkauft werden, desto weniger schwere Gewaltverbrechen gibt es.

Und es sei eine der wichtigsten Schlussfolgerungen des Buchs “The Paleolithic Proscription” von dem Emory-Professor Boyd Eaton, der Anthropologin Marjorie Shostak und dem Psychologen und Anthropologen Dr. Melvin Konner, dass die Verleugnung des eigenen Jagdtriebs zu psychischen Erkrankungen (psychopathology) führe. Unser Jagdinstinkt gerate “auf die schiefe Bahn” in der zivilisierten Gesellschaft, wo der Nervenkitzel von Verfolgen (chase) und Erbeuten (kill) nicht mehr Bestandteil unserer Erfahrung sei und es keine unmittelbare Wege gebe, diese asuzuleben […]. Müssen wir uns ernsthaft Sorgen machen? Wird ein Großteil jener Leute, die bei jeder Gelegenheit, in Leserbriefen und Internetforen tönen, wie anachronistisch und pervers es doch sei zu jagen, eines Tages in der Klapse landen?

Viele Jagdgegner seien Vegetarier, fährt Swan in seinem Rundumschlag fort, aber 97 bis 98 Prozent aller Amerikaner äßen zumindest gelegentlich Fleisch und von den 2,5 Prozent Vegetariern seinen nur 0,5 Prozent Veganer.

Und diese die Jagd ablehnenden und sich vegetarisch oder vegan ernährenden Bevölkerungsgruppen seien wissenschaftlich erwiesen wesentlich anfälliger für Depressionen, Angstörungen und somatoforme Störungen.  Die Ergebnisse könnten nicht mit soziodemografischen Charakteristika vegetarischer Lebensweise erklärt werden. Eine ähnliche Studie aus Australien habe ergeben, dass Vegetarier 18 Prozent anfälliger für Depressionen seien und mit 28-prozentig höherer Wahrscheinlichkeit Panikattacken oder Angststörungen entwickelten.

Also, resümiert Swan, wenn Du Leute triffst, die behaupten, Jäger seien krank oder gestört – dann lächle und nicke bedächtig – und vielleicht erwähnst Du dann ein paar der genannten Forschungsergebnisse. Damit unterstützt Du die Sache der Jagd – und hilfst vielleicht diesen Leuten, ihre psychische Gesundheit zu verbessern… SE

Beitragsbild: Kriseninterventionsraum (vulgo: Gummizelle). Foto: Uhlemanns, Quelle: Wikipedia.

 

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