Schwere Zeiten für Brutvögel

Intensive Landnutzung beeinträchtigt Vogelarten in Deutschland – Publikation „Vögel in Deutschland 2014“ im Februar 2016 erschienen

Die Vielfalt in der Vogelwelt schwindet. Insbesondere bislang häufige und weit verbreitete Singvogelarten wie Baumpieper und Stieglitz weisen negative Trends auf. Die jetzt veröffentlichte Studie “Vögel in Deutschland” beleuchtet die Hintergründe dieser Bestandsrückgänge. “Die Arten der Agrarlandschaft bleiben weiterhin unsere Sorgenkinder”, erläutert Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz. “Rund die Hälfte der Vogelarten unserer Felder und Wiesen nehmen im Bestand ab. Besonders betroffen sind die am Boden brütenden Arten und solche, die sich von Kleininsekten ernähren.” Dafür werden unter anderem die häufige und intensive Bodenbearbeitung sowie der starke Rückgang von Insekten verantwortlich gemacht.

Trotz einzelner Erfolge bei Großvogelarten wie Schwarzstorch und Fischadler reichen die Schutzbemühungen in Deutschland für einen Großteil der Arten, auf deren Erhaltung die Europäische Vogelschutzrichtlinie abzielt, noch nicht aus. “Die Intensivierung der Landnutzung, die Entwässerung von Lebensräumen sowie Sport- und Freizeitaktivitäten sind die wichtigsten Beeinträchtigungen und Gefährdungen”, konstatiert Bernd Hälterlein, Vorsitzender des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten.

“Zugvögel weisen einen höheren Anteil im Brutbestand abnehmender Arten auf als diejenigen Arten, die auch im Winter bei uns bleiben”, ergänzt Peter Herkenrath, der als Geschäftsführer der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten an der Publikation mitgewirkt hat. “Neben den Schutzanstrengungen in Deutschland ist deshalb eine Intensivierung der Bemühungen zum Schutz von Zugvögeln auf ihren Zugwegen und im Überwinterungsgebiet erforderlich”, so Herkenrath.

Eine bedeutende Aufgabe in den kommenden Jahren ist die Verbesserung des Managements in den EU-Vogelschutzgebieten. Für die Mehrzahl der Gebiete liegen noch keine Pflege- und Entwicklungspläne vor. Und dort, wo sie vorliegen, sind diese oftmals nicht vollständig umgesetzt. “Soll die Erhaltung der Zielarten des europäischen Vogelschutzes Erfolg haben, müssen wir hier umgehend einen großen Schritt nach vorn machen”, betont Bernd Hälterlein und fordert Politik und Verwaltung auf, die dafür benötigten Finanzmittel bereitzustellen.

Hintergrund

“Vögel in Deutschland 2014” basiert auf Datenerhebungen, die zum größten Teil von Ehrenamtlichen im Rahmen des bundesweiten Vogelmonitorings durchgeführt werden. Für die Studie wurde umfassendes Datenmaterial aus dem nationalen Bericht nach der europäischen Vogelschutzrichtlinie anhand der ökologischen Eigenschaften der Vögel neu analysiert und bewertet.

Die Publikation Vögel in Deutschland wird jährlich gemeinsam durch den Dachverband Deutscher Avifaunisten, die Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten und das Bundesamt für Naturschutz herausgegeben. Die neue Ausgabe “Vögel in Deutschland 2014” ist im Februar 2016 erschienen. PM

Beitragsbild: Titelbild des Studienbands “Vögel in Deutschland 2014”, erschienen Februar 2016.

Der Bericht “Vögel in Deutschland 2014” steht als Download bereit unter

www.dda-web.de

www.bfn.de/0315_vogelmonitoring.html

Bezug der gedruckten Ausgabe über
DDA-Schriftenversand, z. H. Thomas Thissen
An den Speichern 6, 48157 Münster, Tel: 0251/2101400
E-Mail: schriftenversand@dda-web.de
Internet: www.dda-web.de/index.php
Schutzgebühr: 9,80 EUR zzgl. Versandkosten

Ein Gedanke zu „Schwere Zeiten für Brutvögel

  1. Ludwig

    Das Artensterben (z.B.in Deutschland) nimmt verheerende Ausmaße an. Ursächlich dafür dürfte in erster Linie die intensive Landwirtschaft sein. Herbizide, Insektizide sowie Pestizide lassen den Kleinvögeln und auch unseren jagdbaren Hühnervögeln keine Chance. Fast alle leben -vornehmlich in den ersten Lebenswochen – von Insekten. Eine besondere Rolle nimmt dabei unser Rebhuhn ein, welches ja im Erwachsenenalter hauptsächlich von Kräutern lebt. Nicht zu vergessen unsere Bienen!
    Ein besonderes Problem bei der Betrachtung dieses Desasters scheint mir auch die landwirtschaftliche Lobby zu sein. Sie verhindert, dass ein Umdenken in der Landwirtschaft stattfindet. Hinzu kommt, dass einige Jagdfunktionäre Mitglieder in den Landtagen und auch im Bundestag sind. Sie denken gar nicht daran, Ihrer Klientel durch landwirtschaftliche Beschränkungen vor den Kopf zu stoßen, sie wollen ja schließlich wieder gewählt werden. Dabei kann man die 370 000 Jäger der Bundesrepublik getrost vernachlässigen.
    Ich gehe noch einen Schritt weiter: Wie würde alles sein, wenn wir allen Landwirten aus unserer Bundeskasse ein ausreichendes Gehalt zahlen. Dafür verpflichtet sich die Landwirtschaft, ihre Flächen extensiv zu bewirtschaften, es wird kein Getreide mehr ausgeführt, es wird nur noch für unser Land produziert und zwar giftfrei. Das hätte auch zur Folge, dass das Höfesterben aufhört. Kein Geld dafür vorhanden? Stimmt nicht! Die Landwirtschaft ist mit ca. 2% am BIP beteiligt. Das können wir leicht stemmen.
    Wir in der EU sind ja inzwischen ganz andere Ausgaben gewohnt!
    Sind wir nicht verpflichtet, unseren Nachkommen eine einigermaßen heile Welt zu hinterlassen?

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