Schweiz will Wölfe “präventiv dezimieren”

“Der Wolf ist in die Schweiz zurückgekehrt,”, schreibt die Neue Zürcher Zeitung (NZZ), “und zwar derart erfolgreich, dass sich nun wie bei andern Wildtieren die Regulierung der Bestände aufdrängt.” In dem Beitrag der NZZ geht es um die Neufassung des Schweizer Bundesjagdrechts. Bis 2004 sah das Schweizer Wolfsmanagement neben anderen Maßnahmen wie Förderung des Herdenschutzes und Ausgleichszahlungen für gerissene Nutztiere vor, dass einzelne Wölfe abgeschossen werden durften, wenn sie massive Schäden angerichtet hatten. Vor dem Hintergrund einer anwachsenden Wolfspopulation und zu erwartender steigender Zuwanderung von Wölfen zum Beispiel aus Italien, hat sich der Bund nun entschlossen, eine Regulierung geschützter Tierarten zu genehmigen. “Erlaubt ist mit dieser Änderung des Jagdgesetzes explizit die Dezimierung von Wolfsrudeln und nicht mehr nur der gezielte Abschuss einzelner problematischer Tiere”, so die NZZ. Auch müssten die Kantone nicht mehr den konkreten Schaden durch ein einzelnes Tier nachweisen. Über Wolfsabschüsse soll künftig nicht mehr das Bundesamt für Umwelt entscheiden, sondern die Kantone. Mit der Neuregelung werde grundsätzlich der präventive Abschuss von Wölfen ermöglicht.

Die Regulierung des Wolfsbestands soll jedoch weder die Population gefährden, noch die aus Artenschutzgründen notwendige Populationsdichte. Der Abschuss ist nur zulässig, wenn andere Maßnahmen wie eine Umsiedlung nicht erfolgreich durchgeführt werden können und große Schäden oder Gefahren für Menschen drohen. ” Wolfsabschüsse müssen möglich sein, und zwar bevor Konfliktsituationen eskalieren, nicht erst, nachdem eine bestimmte Schadenshöhe erreicht oder eine konkrete Gefahr für Menschen eingetreten ist”, zitiert die NZZ aus den Erläuterungen zu dem Gesetz, das “Konflikte zwischen Wolf, Nutztier und Mensch entschärfen und die Akzeptanz des Wolfs in der Bergbevölkerung sichern” soll.

In der Schweiz leben zirka 30 bis 40 Wölfe, die jährlich etwa 160 Nutztiere reißen. SE

Beitragsbild: Der zitierte und verlinkte Artikel in der NZZ. (Bildschirmfoto, Ausschnitt)

6 Gedanken zu „Schweiz will Wölfe “präventiv dezimieren”

  1. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Bei extrem Lupophilen wird diese Nachricht aus der Schweiz keine Begeisterungsstürme auslösen. Eine Regulierung der Wolfsbesätze wird aber auch bei uns unausweichlich sein, geht man von der prognostizierten Zuwachsrate von 30 % pro Jahr aus. Wenn sich alle drei Jahre die Zahl der Wölfe verdoppelt, sind direkte Konflikte auch mit Menschen in naher Zukunft zu erwarten. Warum soll bei uns nicht funktionieren, was bei vielen europäischen Nachbarn problemlos geht? Da man die genau Zahl der Wölfe nie wird ermitteln können, sollten sich bei uns Regulierungsmaßnahmen, sprich die Wolfsjagd, auf solche Gebiete konzentrieren, wo Konflikte mit dem Menschen sowie mit Haustieren und Vieh am ehesten zu erwarten sind. Oder umgekehrt, Wölfe dürfen in großen Schutzgebieten, Truppenübungsplätzen oder ähnlichen Gebieten ohne Jagd leben. Keiner will den Wolf wieder ausrotten. Tierschutzargumente, also Schutz eines Einzeltieres, dürfen bitte nicht mit Artenschutzargumenten vermengt werden.

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  2. Frank Topp

    @Hans-Dieter Pfannenstiel,

    ein Wolfsrudel von ca. 6-10 Tieren beläuft eine Fläche von ca. 20-25.000 h.

    Selbst unser größten TÜPs wären also zu klein.

    Wie soll eine ökologisch vernünftige Bewirtschaftung des Wolfes organisiert werden, bei Jagdreviergrößen von ca.500h?

    Auch eine Bejagung würde die Notwendigkeit von Herdenschutz bei Nutztieren nicht überflüssig machen. Für Nutztierhalter würde sich also nichts ändern.

    Wir sollten den Wolf als ganz normales Wildtier akzeptieren und mit klugem Management ein möglichst konfliktfreies Miteinander organisieren.

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    1. Willi Halbgewachs

      Dafür finden diese Rudel mit fast traumwandelnder Sicherheit diese für sie doch so kleinen Truppenübungsplätze und verbleiben dort auch bemerkenswert lange, bevor sie sich ausbreiten. Fragen über Fragen!

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  3. Hans-Dieter Pfannenstiel

    Sehr geehrter Herr Topp,
    ähnliche Töne hört man vom NABU NRW zum Waschbär: bejagen auf keinen Fall, sondern mit Managementmaßnahmen die Ausbreitung eindämmen. Mich interessiert brennend, welche Managementmaßnahmen das sind, mit denen man die Ausbreitung des Waschbären verhindern kann und wie das kluge Management aussieht, mit dem man ein möglichst konfliktfreies Miteinander des Wolfes und des Menschen organisiert. Wenn es 400 Rudel mit insgesamt weit über 3000 Wölfen in Deutschland gibt, was das BFN ja für möglich hält, hilft spätestens dann nur noch der Weg, den viele Länder Europas eingeschlagen haben: Kontrollierte Bejagung Isegrims. Selbstverständlich soll der Wolf als “ganz normales Wildtier” betrachtet werden. Und zur Normalität vieler Wildtier-Arten in unserer Kulturlandschaft gehört eben deren Bejagung. Wo ist das Problem?

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  4. H.P.

    In der Schweiz gibt es offensichtlich noch vernüftige und realistische Politiker. Wie sieht es damit bei uns in Deutschland aus?

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