Schweiz: “Neue technische Hilfsmittel verstossen nicht zwingend gegen die Weidgerechtigkeit”

Der Glarner Regierungsrat hat sich in seiner Sitzung am 22. Oktober 2019 mit der Interpellation “Technische Hilfsmittel bei der Ausübung der Jagd” beschäftigt, die von Landrat Karl Stadler aus der Gemeinde Schwändi eingereicht wurde. Dabei geht es um den Einsatz von technischen Hilfsmitteln wie Drohnen, Fotofallen sowie Nachtsicht- und Wärmebildgeräte bei der Jagd und die Frage, inwieweit sich diese mit dem Anspruch auf ein weidgerechtes Verhalten vertragen.

In seiner Antwort stellt der Regierungsrat des Kantons Glarus fest:

“Neue technische Hilfsmittel müssen nicht zwingend gegen die Weidgerechtigkeit verstoßen. Fotofallen geben außerhalb der Jagdzeit wertvolle Hinweise auf das Vorkommen von Wildtieren. So wurden der Jagdverwaltung mehrmals Wolfsbilder von Privaten zugestellt.

Auch Nachtsicht- und besonders Wärmebildgeräte können zu einer Beruhigung des Lebensraums vor der Jagd führen, indem die Jagenden die Tiere aus großer Distanz beobachten können und nicht in die Einstände vordringen müssen. Zudem können Wärmebilder die Arbeit der Schweisshundeführer auf Nachsuchen unterstützen. Sowohl Fotofallen wie auch Nachtsicht- und Wärmebildgeräte können zu einer effizienteren Jagd beitragen. Wenn diese Effizienzsteigerung dazu führt, dass in kürzerer Zeit die notwendigen Abschüsse getätigt werden können, würde dies zu einer kürzeren Jagdzeit bzw. Störung für die Wildtiere führen. Dies wäre aus Sicht der Weidgerechtigkeit zu begrüßen.

Drohnen hingegen stören das Wild unmittelbar und können als «Treiber aus der Luft» gebraucht werden. Dies erachtet der Regierungsrat als nicht weidmännisch.”

Auf die Frage, ob der Regierungsrat bereit sei, die Jagdvorschriften zu überprüfen und allenfalls den Gebrauch der neuen technischen Hilfsmittel wie Fotofallen, Drohnen oder Wärmebildgeräte während der Jagd zu verbieten oder einzuschränken, antwortete der Regierungsrat:

“Der Kanton Appenzell Ausserrhoden verbietet Fotofallen. Der Kanton Graubünden verbietet während der Jagd das Mitführen von Fotofallen, Drohnen und Restlichtverstärkern. Das Mitführen von Wärmebildgeräten ist erlaubt. Der Kanton Nidwalden verbietet Fotofallen und Überwachungskameras (bzw. diese sind bewilligungspflichtig) sowie Fluggeräte, so auch Drohnen. Der Kanton Obwalden kennt ebenfalls ein Drohnenverbot für jagdliche Zwecke, Fotofallen sind bewilligungspflichtig. Auch der Kanton St. Gallen verbietet Drohnen zur Ausübung der Jagd. Keine Einschränkungen zur Verwendung von Hilfsmitteln während der Jagd gibt es in den Kantonen Appenzell Innerrhoden, Bern, Glarus, Schwyz, Uri, Wallis und Zug.

Für ein Verbot oder Einschränkungen zur Verwendung von Fotofallen, Drohnen und Nacht- und Wärmebildgeräten während der Jagd ist im Kanton Glarus der Landrat zuständig. Der Regierungsrat ist bereit, die rechtlichen Grundlagen zu überprüfen.” PM/Quelle: Kanton Glarus

Beitragsbild: Rotte Sauen im Wärmebild. Foto: privat

4 Gedanken zu „Schweiz: “Neue technische Hilfsmittel verstossen nicht zwingend gegen die Weidgerechtigkeit”

  1. Zündelnerlaubt

    Die Waidgerechtigkeit ist da tangiert, wo Tiere innerhalb der Nachtzeit bejagt werden, obwohl dies nicht erlaubt ist, zB. Rehwild.
    Es gibt genug “Jäger” die dies tun, zur Not auch mit Lampe.

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  2. Dr. Wolfgang Lipps

    Bei dieser Diskussion wird immer wieder versucht, den Unterschied zwischen “Nachtsichtgeräten” und “Nachtzielgeräten” zu verwischen. Erstere sind nützlich, aber als Zielhilfen halte ich sie für einen groben Verstoß gegen die Weidgerechtigkeit, und sie sind auch aus Tierschutzgründen abzulehnen.

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