Schweiz: Kanton Graubünden führt Promillegrenze für Jäger (doch nicht) ein

Update 19.10.: Graubündner Parlament lehnt Promillegrenze für Jäger ab

Das Graubündner Parlament hat wider Erwarten die Einführung einer Promillegrenze für Jäger abgelehnt. Zuvor war vom Großen Bündner Rat Zustimmung zur Revisionsvorlage der Regierung signalisiert worden, wie watson.ch berichtet. Eine Minderheit im Parlament habe sich jedoch “mit Vehemenz” gegen die Promillegrenze gewehrt, so das Portal. Die Bündner Jagd habe kein Alkoholproblem, zitiert watson.ch den Sprecher der Kommissionsminderheit. Bisher sei bei keinem einzigen Jagdunfall Alkohol im Spiel gewesen. Die neuen Bestimmungen seien völlig unverhältnismäßig.

“Ein anderer Großrat sagte, die Bestimmungen über den Alkoholmissbrauch seien realitätsfremd. Die ganze Jägerschaft werde unter Generalverdacht gestellt”, schreibt watson.ch. Die Graubündner Regierung hatte die Volksinitiative, auf deren Betreiben es zu der Abstimmung gekommen war, zuvor als jagdkritisch charakterisiert: “Die Volksinitiative hat ein jagdkritisches Fundament. Sie richtet sich gegen die Jagd als Institution. Getragen wird die Initiative von Kreisen, die deutlich machen, dass sie die Jagd ablehnen. Die einzelnen Initiativbegehren sind so abgefasst, dass wenig Spielraum für einen sachgerechten, direkten Gegenvorschlag bleibt. Daher verzichtet die Regierung, dem Grossen Rat gemeinsam mit der Initiative einen direkten Gegenvorschlag zu unterbreiten, und beantragt, die Initiative dem Volk zur Ablehnung zu empfehlen”, heißt es auf der Seite des Graubündner Parlaments.

Dass es der zunächst kleinen Minderheit gelang, die Mehrheit auf ihre Seite zu ziehen, zeigt, was demokratische Abgeordnete, die sich tatsächlich nur ihrem Gewissen und dem gesunden Menschenverstand verpflichtet fühlen, erreichen können. Ein schöner Sieg über Populismus und Lobby-Machenschaften!

Der Schweizer Kanton Graubünden will eine Promillegrenze für Jäger eingeführen. Demnach dürften Jäger bei der Jagdausübung nicht mehr Alkohol getrunken haben, als Autofahrer. In dem Kanton gilt eine Promillegrenze von 0,5 im Straßenverkehr, es ist eine “schwere Widerhandlung”, ein Motorfahrzeug “in angetrunkenem Zustand mit einer qualifizierten Blutalkoholkonzentration ab 0,8 Promille” zu führen. Die Regelung ist auf Druck einer jagdfeindlichen Volksinitiative eingeführt worden, die sich dem Namen nach für eine “naturverträgliche und ethische Jagd” einsetzt, in Wahrheit aber eher die möglichst weitgehende Einschränkung oder ein Verbot der Jagd anzustreben scheint. So hatte die Volksinitiative unter anderem eine paritätische Besetzung der Jagdbehörden mit Jägern, Tierschützern und Nichtjägern gefordert (so dass die Jäger immer in der Minderheit wären), wie das Schweizer Tageeblatt berichtet. Die schikanösen Auswirkungen einer solchen Maßnahme im Jägeralltag kann sich jeder leicht ausmalen. Auch die Promilleregelung ist insofern eine Unverschämtheit, weil sie ein Problem als dringlich darstellt, das es in der Realität gar nicht gibt: Es gebe kein akutes Alkoholproblem in der Jägerschaft, zitiert das Tageblatt den Graubündener Regierungsrat Mario Cavigelli: “Die Jäger wollten nicht betrunken herumlaufen, sondern auf der Jagd Beute machen.”

Eine Initiative, die eine entsprechende Gesetzesänderung zur Folge hat, dürfte aber den gegenteiligen Eindruck erwecken, nämlich, dass das akute Alkoholproblem der Jägerschaft gesetzliche Maßnahmen erforderlich mache. Die damit verbundene Rufschädigung dürfte den organisierten Jagdgegnern genehm und intendiert sein. SE

Beitragsbild: Ein Gläschen in Ehren können Jagdgegner verwehren. Foto: privat

5 Gedanken zu „Schweiz: Kanton Graubünden führt Promillegrenze für Jäger (doch nicht) ein

  1. Grimbart

    Das wünsche ich mir in Deutschland auch. Dann gäbe es wenigstens eine Rechtssicherheit. Jetzt gelten 0,0 Promille bei der Jagd, ist ok. Aber was ist mit dem einen Bier vor der Heimfahrt? Schließlich transportiere ich noch die Waffe.

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      1. Anko

        Nein, es gab und gibt keine 0-Promille-Regelung. Das wird immer gern heruntergebetet, aus dem verlinkten Urteil ergibt sich aber das volle Gegenteil. Zum im dort verlinkten Urteil behandelten Fall galt:

        Der Herr hatte bei Jagdantritt 0,5 Liter Wein und ein Vodka 30ml intus! Das ergibt gut und gern 1 Promille. Das wie gesagt unmittelbar vor Jagdantritt unter Benutzung eines Pkw. Also alter Wein in neuen Schläuchen: wer mit Promille dieser Grössenordnung fährt, riskiert nicht erst seit gestern (auch) seine waffenrechtliche Zuverlässigkeit.

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